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Mercedes Actros 1842 LS Stream Space, Truck of the Year 2012 15 Bilder Zoom

Mercedes Actros 1842 LS Stream Space: Roter Lack gegen Rote Zahlen

Ein Mercedes Actros 1842 LS, zumal mit Stream-Space-Fahrerhaus und Euro-5-Motor ausgerüstet, verspricht reduzierten Verbrauch. Doch der "kleine" Actros kann mehr, als nur mit dem Sprit knausern.

Geht es um die Kosten eines Lkw, dann ist die derzeitige Rollenaufteilung in den meisten Fällen klar: Der Verbrauch spielt unangefochten die Hauptrolle, alle anderen Kosten besetzen mehr und minder wichtige Nebenrollen. Diese ziemlich eindeutige Verteilung hat eine ganz einfache Ursache: Der Rohölpreis hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast vervierfacht, der Preis für Diesel fast verdoppelt. Demgegenüber steht ein um weniger als 20 Prozent gestiegener Preisindex, an dem sich die anderen Kostenarten eines Lkw weitgehend orientieren. Was also liegt näher als der Wunsch nach weniger Verbrauch.

Alle Hersteller arbeiten kräftig am Verbrauch

Ein Mercedes Actros 1842 LS, zumal in Euro-5-/EEV-Ausführung, kann dieses Begehren erfüllen. Denn deutlich sparsamer als alle anderen Lkw zuvor lief der 1842 LS über die Teststrecke. Nur 34,3 L/100 km genügten dem 40-Tonner auf dem bergigen Parcours. Dieser neue Bestwert liegt noch einmal 0,8 L/100 km oder rund 2,5 Prozent unter dem Ergebnis des im Sommer gefahrenen 1845 LS. Da alle Hersteller derzeit kräftig am Verbrauch arbeiten, bleibt aber abzuwarten, wie lange dieser Wert Bestand hat. Volvo etwa geht beim neuen FH von fast zehn Prozent Einsparung aus, einen deutlich reduzierten Verbrauch für die neuen Euro-6-Motoren verspricht auch DAF.     

Der geringere Verbrauch des 1842 gegenüber dem 1845 resultiert im Wesentlichen aus zwei Merkmalen – aus dem Stream Space genannten Fahrerhaus des 1842, das aerodynamisch besser abschneidet als das Big Space des 1845, und aus den unterschiedlichen Abgasstufen. In Euro-5-/EEV-Ausführung trat der Actros 1842 zum Test an, als Euro-6-Variante der 1845.

Das Stream-Space-Haus verspricht ein bis zwei Prozent Verbrauchsdifferenz

Theoretisch müsste die Verbrauchsdifferenz zwischen 1842 und 1845 noch etwas größer als die ermittelten 0,8 L/100 km sein. Allein drei Prozent verspricht der "Verzicht" auf Euro 6, ein bis zwei Prozent das Stream-Space-Haus. Ein Strich durch diese Rechnung machten das kalte Wetter beim Test und – generell – die Topografie der Teststrecke, die hauptsächlich aus Steigungen und weniger aus Rolletappen besteht. Denn die bessere Aerodynamik schlägt im Verbrauch vor allem dann zu Buche, wenn der Lastzug mit möglichst hoher Geschwindigkeit im Flachland rollt.

Das Stream-Space-Fahrerhaus liefert Mercedes in drei Varianten: Mit 2.300 Millimeter Breite und mit Motortunnel oder mit ebenem Boden und mit 2.500 Millimeter Breite und ebenem Boden. Der grundsätzliche Unterschied zu den anderen vier lieferbaren Fahrerhäusern ist der vorn abgerundete Dachaufsatz mit weichem Radius. Damit bleibt – zumindest bei den beiden Häusern mit ebenem Boden – in etwa die gleiche Innenhöhe von knapp zwei Metern. Das schmale ­Stream-Space-Haus mit Motortunnel, das auch der Test-Lkw trug, baut etwas niedriger und kommt auf 1.840 Millimeter Innenhöhe vor den Sitzen. Der Motortunnel ragt 170 Millimeter ins Haus, ist breit sowie eben und lässt rund 1.800 Millimeter Höhe bis zum ansteigenden Dach.

Aerodynamisch optimierte Fahrerhäuser

Die übrigen vier Fahrerhaus-Größen siedeln unterhalb (Classic Space) und oberhalb (Big Space und Giga Space) dieser aerodynamisch optimierten Häuser. Classic Space steht für 2.300 Millimeter Breite und ist mit oder ohne Motortunnel lieferbar, Big und Giga Space messen 2.500 Millimeter und bieten generell einen ebenen Boden. Leicht ist die Fahrerhaus-Auswahl im Fall Actros also nicht, zumal die schmalen Varianten den gleichen Arbeitsplatz wie die breiten Varianten bieten.

Noch umfangreicher ist das Motorenprogramm für den Actros. An den Start ging er im Jahr 2011 mit dem 12,8 Liter großen Reihensechszylinder OM 471, der zwischen 421 und 510 PS (310 und 375 kW) liefert. Seit der IAA 2012 ergänzen die beiden Sechszylinder OM 936 und OM 470 das Angebot. Der eine misst 7,7 Liter und leistet zwischen 238 und 354 PS (175 und 260 kW), der andere misst 10,7 Liter und leistet 326 bis 428 PS (240 bis 315 kW) – eine erstaunliche Vielfalt, die fast jeden Wunsch erfüllen kann. Rund ist das Angebot dann im Jahr 2013, wenn der ganz große Sechszylinder mit 15,6 Liter Hubraum und bis zu 625 PS (460 kW) an den Start geht. 

Die Top-Torque-Drehmoment-Anhebung im größten Gang

Wer Fernverkehr und 40 Tonnen Gesamtgewicht im Sinn hat und die letzten 200 bis 300 Kilogramm Nutzlast nicht braucht, der wird zum großen Motor, also zum OM 471 greifen. Denn der hat den Vorteil des großen Hubraums und des damit verbundenen hohen Drehmoments. Und bietet zudem die Top- Torque-Drehmomentanhebung im größten Gang, die nicht das Tempo steigern, sondern den Verbrauch senken soll. 2.100 Nm bei 1.100 U/min liefert die Standardversion des 421 PS starken OM 471.
2.300 Nm – und damit soviel wie eine Leistungsklasse darüber – stehen im größten Gang zur Verfügung. Trefflich kombinieren lässt sich so viel Kraft mit einer längeren Achsübersetzung. 2,85 zu 1 galt beim "alten" Actros noch als übliche Übersetzung für den Fernverkehr, 2,61 zu 1 heißt das aktuelle Verhältnis von Teller- zu Kegelrad im Achsgehäuse. Damit reduziert sich die Drehzahl bei Tempo 85 von rund 1.300 auf nur noch 1.200/min. Und weil der OM 471 durchaus bis 900/min bei Kräften bleibt, lassen sich diese niedrigen Drehzahlen bestens nutzen. Mit dem großen Vorteil, dass sich die Fahranteile im größten Gang trotz langer Achse erhöhen.

Predictive Powertrain Control

Das aber ist nur eine Erklärung für den niedrigen Verbrauch des Actros 1842 LS. Eine andere ist das gekonnte Zusammenspiel von Motorkraft, optimiertem Powershift-Getriebe und dem neuen adaptiven Tempomaten PPC. Weil PPC (Predictive Powertrain Control) die jeweils kommenden drei, vier Kilometer kennt, lassen sich alle mögliche Mittel nutzen, um Kraftstoff zu sparen. Das hat Einfluss auf die Schaltstrategie des Getriebes, das dank PPC genau weiß, welcher Gang für welche Steigung der richtige ist, und auf den Tempomaten, der sich nicht mehr sklavisch an das eingestellte Tempo hält, sondern die Bewegungsenergie nutzt, um die 40 Tonnen möglichst viel rollen zu lassen. Mit PPC weiß jetzt auch die Eco-Roll-Funktion ganz genau, wann die Leerlaufschaltung sinnvoll ist oder wann sie kontraproduktiv wäre. Alles in allem fährt ein mit PPC ausgestatteter Actros auf Autobahnen und gut ausgebauten Nationalstraßen tatsächlich mindestens so gut wie ein bestens geschulter Profi. Einzige Einschränkung: Im Stadt- und Überlandverkehr kann PPC die vorausschauende Fahrweise eines guten Fahrers nur teilweise, manchmal auch gar nicht ersetzen.

Mit Blick auf die Antriebstechnik hat der neue Actros deutlich gewonnen. Der Reihenmotor OM 471 ist kräftiger als der V6 im Vorgänger, er läuft zudem kultivierter und arbeitet Hand in Hand mit den verbesserten und äußerst schnell schaltenden Powershift-Getrieben. In vielen Fällen sind die Zugkraftunterbrechungen beim Schalten kaum spürbar.

Schmales oder breites Fahrerhaus?

Ob das schmale Stream-Space-Fah­rerhaus das richtige für seine Zwecke ist, muss jeder Käufer selbst entscheiden. Die Frage heißt dabei nicht unbedingt "Stream Space, ja oder nein", sondern "schmales oder breites Fahrerhaus". Tatsächlich ist es Mercedes gelungen, auch die schmalen Varianten attraktiv und großzügig zu gestalten, die erst dann an ihre Grenzen stoßen, wenn zwei Fahrer sich den Raum teilen müssen. Der beste Kompromiss aus Raum und Aerodynamik heißt sicher Stream Space und 2.500 Millimeter Breite. Deutlich größer – vor allem höher – ist nur das Giga Space-Haus.

Doch gleich mit welchem Fahrerhaus der Actros daherkommt, ein Leichtgewicht ist der 1842 LS nicht. Der neue Reihenmotor wiegt rund 200 Kilogramm mehr als der alte V6, die Mercedes mit viel Detailarbeit an anderer Stelle wieder halbwegs eingespart hat. Trotzdem: Rund 7,5 Tonnen wiegt die fahrfertige Sattelzugmaschine mit 400-Liter-Diesel- und vollem Adblue-Tank (60 Liter). Reichlich Nutzlast gibt es hingegen bei den "Loader" genannten Actros-Versionen, welche die Sieben-Tonnen-Marke deutlich unterschreiten.

An der Bedienung, an den Instrumenten und – generell – am Arbeitsplatz im neuen Actros gibt es wenig auszusetzen. Das Fahrverhalten ist dank eines steifen Chassis ernorm gut, in Kombination mit dem niedrig montierten Fahrerhaus fast sportlich. Einzig die Lenkung, obwohl besser als im Vorgänger, könnte noch etwas exakter sein. Der Fahrkomfort im "kleinen" Stream- Space-Haus mit Vierpunkt-Schraubenfedern ist erstaunlich gut, die Innengeräusche fallen niedrig aus, Windgeräusche gibt es fast keine.

Das kurze Fazit zum Actros 1842 LS: eine fahraktive Sattelzugmaschine mit hohem Komfort und einem Triebstrang, der vor allen Dingen beim Thema Verbrauch neue Maßstäbe setzt.

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 02/2013.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

29. Januar 2013
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