Setra S 516 HDH 6 Bilder Zoom
Foto: Mario P. Rodrigues

Luxusreisebusse: Setra Top-Class Exklusiv

Luxusreisebusse gab es schon viele und mit dem Fernlinienboom hat sich der Luxusbegriffauch merklich verschoben. Setra zeigte auf der IAA das momentane Nonplusultra in Sachen Noblesse – wir haben uns dem Erlebnis Top-Class hingegeben.

Es gab Zeiten in der Reisebuswelt, da galten Internet an Bord, Steckdosen an jedem Platz und eine Espresso-Maschine bereits als purer Luxus. Zumeist kamen allein die Spieler von Erstliga-Fußballmannschaften in ihren rollenden Wohlfühloasen in einen solchen Genuss. Und diese Zeiten sind gar nicht so lange her. Die deutliche Aufrüstung der Reisebusse mit solchen Wohltaten hielt erst mit der Freigabe der Fernlinien im Jahr 2013 breiten Einzug. Dazu gehört gleichfalls, dass der Vier-Sterne-Sitzabstand weitgehend zum Standard erhoben wurde und er auf diese Weise das Luxussegment in Richtung Fünf-Sterne- oder noch exklusiverer Sitzanordnungen verschoben hat. Steckdosen und dazu WLAN, bis dato eher Seltenheiten an Bord, sind heute eine Selbstverständlichkeit.

Trotzdem umweht die Fernlinienwagen zuweilen der Ruch der schmucklosen Funktionalität. Echter Luxus geht inzwischen anders. Dafür steht heute vor allem Setra, die Premiummarke aus der Bussparte des Daimler-Konzerns. Mit der 500er Top-Class leistet sich der Marktführer in Deutschland einen Luxusträger, der seinesgleichen suchen muss – vor allem seit Neoplan den extravaganten Starliner eingestellt hat.

Setra edel lackiert in "Red Rocket Metallic Matt"

Selbst der Mercedes Travego kommt weder vom Image noch von den Luxusattributen her an die Top-Class heran. Zwar zeichnet sich die 500er-Baureihe eher durch gediegenes Longlife-Design aus und fällt so weniger auf als ein Starliner. Aber für viele Menschen ist Understatement ja eine der wesentlichen Zutaten einer gekonnten Imagepflege. Und das betrifft sowohl den Luxus für den Fahrer als auch den für die Fahrgäste, die bei unserem Testwagen eindeutig im Fokus stehen. Schon auf den ersten Blick sehen sie, dass der in prickelndem "Red Rocket Metallic Matt" lackierte Wagen nicht irgendein Vorführer, sondern von ganz edlem Schrot und Korn ist – wie ein guter Rotwein, der lange im Barrique zur Vollkommenheit gereift ist.

Betont wird die spannungsgeladene Außenhaut mit der bekannten, jetzt dreidimensionalen Aluminiumschwinge mit deren beleuchtetem Designabschluss im Heck. Dazu kommen außerdem Leuchten an den Dachkanten, die das Umfeld des Busses erhellen. Nach vorne erledigen das modern gezeichnete LED-Scheinwerfer – heute noch Luxus, morgen wohl schon Standard im Busbereich. Alles andere als düster geht es im luftigen Innenraum zu, und das nicht bloß wegen der sehr hell gehaltenen Einstiege aus recht empfindlichem Kunststoffmaterial. Ein wenig erinnert der vordere Einstieg an die geschwungene Freitreppe eines Stadtpalais. Ist man diese hinaufgeschritten, gelangt man in die Beletage, die dank des durchgehenden, getönten Glasdaches lichtdurchflutet ist und so die angenehme Atmosphäre eines Wintergartens verbreitet. Auf dem ebenen Holzboden findet der Gast sodann eine hochwertige 1+1-Anlage mit 21 Sitzen vor, die 59 konventionelle Sitze ersetzen (in der Baureihe 500 wählen rund vier Prozent der Kunden eine 2+1-Bestuhlung) und die einer edlen Hotel-Lobby gut zu Gesicht stünden.

Viel Luxus für Reisende und Fahrer

Die Top-Fauteuils des Typs Setra Voyage Ambassador – mehr geht nicht in der hauseigenen Linie – sind nicht nur um 180 Grad drehbar, sie bieten überdies verschiebbare Kopfstützen und einen Holztisch. Der ist zwar etwas grobschlächtig selbst zu montieren und verdeckt die USB-Buchsen an der Wand, wenn er in seiner Ruheposition steckt. Macht nichts, es gibt noch echte 220-Volt-Steckdosen an jedem Sitz, mit denen das Tablet und das iPhone geladen werden können – fürs flotte Surfen sorgt bei Setra neuerdings auf Wunsch der Bosch Media Router. Der Luxus hört damit noch lange nicht auf. Blick nach oben zu den hochwertigen Servicesets in LED-Ausführung: Sie schmeicheln dem Auge, auch das gehört zu dem gehobenen Ambiente der Top-Class. Und wenn wir schon beim Umschmeicheln sind: Die Brüstung unterhalb der Doppelglasfenster lässt sich elektrisch zuschaltbar beheizen – beim üppigen Abstand des Sitzes zur Kältebrücke Fenster fast schon überflüssig, doch eben nur fast. Luxus entsteht aus der Summe der Details, aber nicht unbedingt durch reine Funktionalität – eben wie bei einem edlen, roten Tropfen eines großen Gewächses.

So auch im Cockpit – schließlich soll genauso der Fahrer an der Setra-Wohlfühlatmosphäre teilhaben. Über die vorbildliche Funktionalität des Arbeitsplatzes haben wir bereits des Öfteren geschrieben. Aber die alleine macht noch keinen erstklassigen Arbeitsplatz aus. Es ist vielmehr die Kombination aus Top-Technik, hochwertigen Materialien und perfekter Ergonomie sowie Verarbeitung, die dem Fahrer das Gefühl vermittelt, einen Ausnahmebus zu steuern. Dieses vollmundige Versprechen wird beim Stecken des Multifunktionsschlüssels mit Display schon erfüllt. Der souveräne 510-PS-Motor mit 2.500 Newtonmetern und das sanft schaltende Powershift-8-Getriebe mit Anpassung der Schaltstrategie an die Topografie sorgt auch ohne adaptive Dämpfer für beste Fahreigenschaften und maximale Effizienz. Denn eines sollte Luxusausstattung genauso wenig wie die Kraftentfaltung bedeuten: pure Verschwendung.

Exklusivität inklusive

Die Fernlinien haben den Busmarkt gründlich durcheinandergewirbelt und auch die Grenzen des Luxus deutlich verschoben – vier Sterne und WLAN gelten heute schon als selbstverständlich. Da wird es durchaus schwer, noch eine Schippe draufzulegen. Bei der Premiummarke Setra geht das besonders gut – mit hohem Imagefaktor und bester Ausstattung. Da haben andere Hersteller nur noch wenig zu bieten. Doch wo ein exklusives Gefährt gut und gerne an die 500.000 Euro kosten kann, braucht es auch exklusive und angepasste Geschäftsmodelle. Und die werden sich wiederum nur wenige Unternehmer leisten wollen und können. Umso schöner ist es, ein solches Kleinod zu erleben und bewegen zu können.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

9. März 2017
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