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Lkw-Senior Man MK: Oldtimer-Ausfahrt mit einem alten Kameraden

Mit dem MK startet MAN seine Nachkriegsgeschichte als Lkw-Hersteller. Das Rendezvous mit dem rüstigen Lkw-Senior ist wie eine Zeitreise in die deutsche Vergangenheit.

Gesund und breitbeinig steht er da, der alte Lkw-Herr an diesem Sommermorgen vor den Toren des MAN-Werks München. Kein Wunder, der rüstige MAN MK freut sich, vollgetankt und mit frischen Ölen in Motor und Achse befüllt, auf eine luftige Spazierfahrt im Norden von München. Seine 68 Jahre sieht man ihm unter seinem taubenblauen Blechkleid gar nicht an. Wer ihn näher inspiziert, erkennt freilich die ehrlichen Jahresringe eines ausgefüllten Laster-Lebens zwischen Nachkriegs-Chaos und dem jetzigen Leben als Edelpensionist im historischen MAN-Fuhrpark. Als die Alliierten 1946 dem damals stark zerstörten MAN-Werk in Nürnberg die Lizenz zur Wiederaufnahme der Fertigung gaben, entstanden die ersten Fahrzeuge aus Vorkriegsteilen.

Nur ein Jahr später kam mit dem MK schon die erste Neuentwicklung heraus, als Übergangsmodell noch mit modifiziertem Vorkriegsfahrerhaus. Der vielseitig verwendbare Pritschenwagen dürfte damals viel für den Wiederaufbau geleistet haben und wirkte dann später im ländlichen Raum beim Wirtschaftswunder mit.

Feinfühlige Restaurierung mit Erhalt des Originalzustandes

Bis 1985 war der altgediente Pritschenwagen noch in einem bayerischen Sägewerk im Einsatz, bevor jemand dem Team vom MAN Truck Forum in München den entscheidenden Tipp gab und damit die Konvertierung vom Arbeitstier zum edlen Oldtimer einleitete. Seit 2011 glänzt der hellblaue Lack nun wieder fast wie bei der ersten Ausfahrt. Der MK wurde von MAN-Mitarbeitern ausgesprochen feinfühlig mit Erhalt des Originalzustandes restauriert und sorgte fortan bei jeder Ausfahrt für fröhliche Gesichter – im Fahrzeug genauso wie drumherum. Mit wachem Blick durch die frei und weit auseinanderstehenden Scheinwerfer lädt der MK in seine gute Stube ein. Das Fahrerhaus ist aus Stahl gefertigt, lediglich die Holzrahmen an den nur knapp öffnenden Türen zeugen von alter Stellmacherkunst. Die Sitzposition auf dem weich gefederten Fahrersitz fällt durchaus komfortabel aus, auch wenn das große, steil stehende Bakelit-Lenkrad gefährlich nah am 2015er-Wohlstandsbauch vorbeikurbelt. Ein Knopfdruck am Armaturenbrett und unter der kurzen, kantigen Motorhaube meldet sich der 7,6 Liter große Reihenmotor D 1040 G 2 mit kräftigem Dieselsound zum Dienst. Eine kurze weiße Wolke grüßt zum Arbeitsantritt aus dem Auspuffrohr. Der 120 PS starke Sechszylinder mahnt zur Abfahrt. Mit knackigem Tritt auf die Kupplung verlangt das ZF-Getriebe nach einem passenden Gang.

Fünf stehen zur Auswahl an dem tief vor dem Motorkasten sitzenden Schaltknüppel. Nach etwas Gewöhnung trifft auch der MK-Novize sicher die passenden Fahrstufen. Wie ein freudiger Hund beim Gassigehen stürmt der historische Zehntonner zum typischen Singsang eines hubraumgroßen Sechszylinders davon. Im Fünften schwingt sich der blaue Senior unbeirrt und angenehm elastisch bis auf knapp 60 km/h hoch. Der vergleichsweise große Hubraum im Globus-Motor, benannt nach seiner Brennraumform, bremst den MK an der nächsten Ampel gut spürbar ab. Die feinfühlig dosierbaren Druckluftbremsen müssen kaum in die Eisen gehen. Auf dem Weg ins ländliche Hinterland erzählt der MK zum rhythmischen Schlag der sechs Kolben aus seiner Kindheit: Die stolzen Besitzer, die für ihn damals astronomische 25.800 Mark investierten, bewegten das heiß begehrte Transportmittel zwischen den in Trümmern liegenden deutschen Städten. Anfangs gab es nur ein Einheitsmodell mit 4,6 Meter Radstand. Später folgten zahlreiche Varianten als Kipper, Pritsche oder Sattelzugmaschine – ein Allrad war tabu, die alliierten Besatzer trauten den Deutschen kurz nach dem Krieg noch nicht über den Weg. Dafür durfte der MK mit zwei Hängern im Schlepptau sogar bis zu 22 Tonnen über die ramponierten Straßen ziehen.

Auch im Verbrauch ein genügsamer Senior

Sein robuster, blattgefederter Rahmen, auf dem ein Hilfsrahmen aus Holz die Pritsche trägt, steckte das damals gut weg. Und wenn es hart auf hart kam, konnte man die Einspritzpumpe per Handhebel im Fahrerhaus auf volle Förderung verstellen. So schaffte der MK fast alle Steigungen – manche vielleicht auch nur im Schritttempo. An diesem Sommertag muss sich der Senior nicht mehr plagen. Auf flinkem Kurs der präzisen, servolosen Lenkung folgend, biegt der MK in den Innenhof eines altehrwürdigen Klosters ab. Ein einladendes Plätzchen für Mensch und Maschine zur wohltuenden Pause. Und so entspannt der Direkteinspritzer leise knisternd unter der kurzen Haube. Beim Verbrauch gibt sich der alte Herr übrigens sehr genügsam. Bei der unbeladenen Ausfahrt müssen rund 13 Liter auf 100 Kilometer in den Tank unter dem springfederbewehrten Beifahrersitzposter gefüllt werden. Damals als harter Arbeiter durften es auch mal 18 Liter sein, heute als Pensionist ist der MAN-Oldie zurückhaltender. Dabei kann der alte MAN durchaus einiges schultern. Zu seiner Blütezeit, jenen fünf Produktionsjahren, bevor ihn der weitaus bekanntere MK25 ablöste, war der MK geschätzt für seine hohe Nutzlast. Rund fünf Tonnen Fracht trägt der 10,5-Tonner auf seiner Holzpritsche. Möglich ist die hohe Zuladung durch die hohe Kunst des Verzichts. So verkleiden keine Kotflügel die voluminösen 10.00-20-Reifen, der schlanke Drucklufttank sitzt zwischen den Rahmenlängsträgern versteckt und als – durchaus wirksame – Klimaanlage fungieren Drehspindeln, mit denen sich die beiden Frontscheiben ausstellen lassen.

Den Rest an Klimatisierung erledigen die zahlreichen Durchbrüche im heimeligen Fahrerhäuschen. Heizung? Vorhanden, wenn man das Drehblech vor der kaffeetassengroßen Öffnung zum Motorraum öffnet. Dann bläst der stämmige Sechszylinder aus Nürnberg seine Abwärme ein wenig in die Kabine. Auch in puncto Elektrik gibt sich der Nachkriegsveteran minimalistisch. Sechs Sicherungen reichen, um den schlanken elektrischen Kreislauf der Maschine zu bedienen. Dazu gehören auch die zeitgenössischen Winker, die der MK beim Abbiegen freundlich ausklappt. Auf den letzten Kilometern des Ausflugs mit dem betagten Fahrzeug fühlt man förmlich, wie die Fahrt dazu beiträgt, Standschäden zu vermeiden. Der MK freut sich spürbar über die Abwechslung zum täglichen Leben als unberührbares Ausstellungsstück. Auf dem Weg zurück in die Dachauer Straße gibt er noch mal alles und schwingt sich unter melodischen Dieselklängen und mit keckem Fahrstil auf der Ausfallstraße auf flinke 65 km/h. Noch immer ganz schön fit, der alte Herr!

Autor

Foto

Alwin Berti

Datum

25. Juni 2015
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