Der Iveco Strator ASN 440 S 45 ist ein waschechter Hauber und sein Name "Strator" setzt sich zusammen aus den Begriffen Stralis und Torpedo. Denn Torpedo steht im holländischen Lkw-Jargon schlichtweg für einen Haubenwagen. Und in den Niederlanden wird dieses gute Stück schließlich gebaut. Was meinen die Fahrer?
Urteil von Reiner Klumpp aus Sindelfingen:
Zur Testfahrt ist der 49-Jährige schnell überredet: „Ich wollte immer schon Hauber fahren.“ Mit der Länge käme er hin, er zieht mit einem DAF CF 85.410 Silocontainer. Im Strator gibt es Licht und Schatten: „Die Automatik schaltet sauber, ohne zu rucken. Auch der Rangiermodus und das Anfahren auf Schneematsch funktionieren gut. Mit der Lenkung bin ich aber nicht völlig zufrieden, er läuft nicht ganz sauber geradeaus. Außerdem dürfte für mich der Sitz weiter runtergehen. Wenn ich ganz unten bin, hab´ ich keine Federung mehr und spüre jeden Schlag. Die Spiegel und die Sichtverhältnisse sind aber einwandfrei und die Kamera ist eine gute Lösung – auch nützlich zum Rangieren.“ Ein ähnlich zwiespältiges Bild hinterlässt die Einrichtung: „Man hat zu viele Markierungen im Tacho, Fünferschritte würden reichen. Die Bedienung von Automatik und Tempomat ist okay, aber die Mittelkonsole würde ich umgruppieren. Der Schalter für die Sperre gehört zum Beispiel nach oben.“ Pluspunkte sammeln das obere Bett mit vielen Funktionen im Bedienteil und die Flaschenhalter in den Türen. Unterm Strich bleibt es aber dabei: „Optisch gefällt mir der Hauber sehr gut, aber aus der Kabine könnte man mehr machen.“
Urteil von Jesse James Jenkins aus Denkendorf:
Der 35-Jährige Deutsch-Amerikaner ist mit einem Actros unterwegs. Wie beim Megaspace würde er sich beim Strator für die Variante mit ebenem Boden entscheiden, außerdem für einen günstiger platzierten Adblue-Tank („kommt man schlecht dran“) und einen anderen Einstieg: „Der ist zwar niedrig, aber zu steil. Wenn ich es hier mal eilig hab´, ist die Hose dreckig und das Schienbein angeschlagen.“ Erst mal oben, entspannt sich die Lage: „Die Sitzposition passt und der Sitz bietet guten Seitenhalt. Die Haube ist zwar gewöhnungsbedürftig und die Weitwinkelspiegel wären mir unten lieber, aber die Rundumsicht und die Kamera sind super. Vorne müssten aber noch Peilstäbe dran. Auch die Instrumente könnte man übersichtlicher machen. Die Lenkradtasten finde ich aber sehr angenehm.“ Mit dem Wohnraum käme er hin: „Die Ausstattung mit Tisch finde ich gut, da kann man gescheit was essen. Auch das Platzangebot ist groß genug.“ Abgesehen von der brettharten Federung gibt´s beim Fahren wenig auszusetzen: „Die Getriebesteuerung ist sehr gut, die schaltet weich und logisch. Man hört den Motor ziemlich laut, aber sonst: Man muss ein wenig anders denken und lenken, aber ich könnte mich dran gewöhnen.“
Urteil von Dirk Brinkbäumer aus Lippstadt:
Der 430er Stralis des 42-Jährigen ist rund vier Jahre alt. Beim Weg über den verschneiten Parkplatz staunt er nicht schlecht: „Also, als Hauber hab´ ich den noch nicht gesehen – sieht gut aus.“ Gemessen am älteren Modell sieht er innen klare Fortschritte: „Die Staufächer über der Scheibe und das große Bett mit der stabilen Leiter sind viel besser. Auch die Kamera ist eine gute Sache, beim Hauber sowieso. Ich habe auch Automatik, aber noch den Joystick auf der rechten Seite. Die Bedienung mit dem Hebel ist besser, man hat mehr Bewegungsfreiheit.“ Positiv fällt ihm zudem auf, dass bei der Luftstandheizung mittlerweile zwei Düsen Standard sind – bei ihm ist das noch eine einseitige Angelegenheit. „Ich bin mit der Automatik 100-prozentig zufrieden. Den Rangiermodus hab´ ich aber noch nicht. Das ist eine schöne Sache, wenn man an die Rampe fährt, gerade bei diesen Witterungsverhältnissen.“ Außen lobt er noch die größeren Klappen der Staufächer mit elektrischer Entriegelung („besser als der Seilzug, der reißt ab und zu“), bevor das letzte dicke Plus auf das Konto des Umbaus geht: „Mich stört beim Stralis, dass ich zum Ölnachfüllen die Kabine kippen muss. Das Problem hat man hier natürlich nicht.“
Urteil von Hubert Kröll aus Giengen/Brenz:
Der 42-Jährige fährt seit gut einem Jahr einen Strator als Tankzug: Sein Chef ist Hauber-Fan. Motor und Getriebe entsprechen dem Testfahrzeug, Einstieg und Tanks sind bei ihm aber eleganter angeordnet (Bild Seite 29). „Wobei die Vollverkleidung aber auch gut aussieht“, wie er findet. Bei der Federung kann er die übrigen Tester verstehen: „Der ist wirklich ziemlich hart gefedert. Voll beladen geht´s, aber leer schlägt es arg durch. Es wäre schon besser, wenn das Fahrerhaus komplett luftgefedert wäre.“ Beim Verbrauch schneidet der windschnittige Hauber gut ab und auch der Wohnkomfort passt: „Viele erwarten von außen betrachtet ein größeres Fahrerhaus, aber es ist ja die originale Stralis-Kabine. Für einen allein ist die aber geräumig genug, auch vom Stauraum und der großen Liegefläche her. Was mir ein bisschen fehlt, sind mehr Ablagen in der Mitte.“ Eine Frontkamera hat er zwar nicht („das ist hier eine gute Sache“), aber auch so war die Eingewöhnung schnell erledigt: „Die ersten ein, zwei Wochen musste ich aufpassen. Aber was schön ist: Man fühlt sich sicherer mit der Haube vorne dran, fährt irgendwie gemütlicher. Dazu kommt die gute Straßenlage, gerade im Winter auf Schnee: Da merkt man die gute Gewichtsverteilung und den langen Radstand.“
Urteil von Andreas Hesselmans aus Straelen:
Der 20-jährige Actros-Fahrer (1841 Megaspace mit EPS) nimmt die Einladung in den Strator gerne an. „Wie die Amerikaner!“, lautet der erste Kommentar vom Parkplatz weg. „Die Spiegel sind übersichtlich und die Kamera liefert ein ziemlich klares Bild. Das Lenk- und Fahrverhalten ist aber schon gewöhnungsbedürftig. Außerdem ist es von den Innengeräuschen her ziemlich laut. Ich dachte eigentlich, mit dem Motor vorne würde es eher leiser.“ Was das betrifft, macht ihm vor allem der Luftfilter auf der Fahrerseite einen Strich durch die Rechnung. Der Cursor-Motor und die Schaltung kommen besser weg: „Mit dem Gewicht zieht der gut, im Vergleich zu meinem 410er ist das schon ein großer Unterschied. Vom Schalten her geht das auch schnell und weich, da bin ich angenehm überrascht.“ Die Instrumente sind für seinen Geschmack zu bunt („wie ein kleiner Gameboy“), die rote Nachtbeleuchtung dürfte dezenter sein und zum Feierabend wäre ihm ein breites Bett unten lieber: „Die Sitzecke ist sicher praktisch, wenn man öfter länger stehen muss und auf Rückladung wartet, aber das kommt bei uns nicht vor.“ Der Hauptkritikpunkt liegt bei der Federung: „Die ist für den Fernverkehr auf Dauer viel zu hart.“
Urteil von Gerd Vogt aus Langenfeld:
Nach zuletzt drei Jahren DAF fährt der 56-Jährige einen neuen Actros 1844 Megaspace mit 12-Gang-Powershift. Beim Strator denkt er zuerst an die Sicherheit: „Bei einem Auffahrunfall ist die Schnauze ein Vorteil. Du hast mehr Knautschzone, außerdem sitzt der Motor ziemlich tief und würde sich beim Crash unter die Kabine schieben.“ Auf der
Testrunde droht aber keine Gefahr: „Vom Fahren her ist das nicht schlecht, der lenkt sich gut. Man muss sich halt dran gewöhnen, dass man in der Kurve eher rumziehen muss. Auch die Sichtverhältnisse sind gut, vor allem mit der Kamera: Erwachsene siehst du vor der Haube auch so, Kinder nicht.“ Kritik setzt es bei Einrichtung und Einstieg: „Ich würde mir mehr Stauraum wünschen, das viele Plastik im Armaturenbrett gefällt mir nicht und die Türgriffe sind ein bisschen zu kantig. Mir wäre auch die Variante mit ebenem Boden lieber. Auf jeden Fall sollten die Einstiegsstufen versetzt sein, das ist zu gerade hier.“ Das Fazit zum Fahrkomfort: „Die Automatik schaltet super und reagiert auch prompt auf den Kick-down. Es ist etwas lauter als im Actros, aber noch okay. Auch die Windgeräusche sind normal. Aber die Federung ist zu hart: Da schüttelt es dich schon heftig durcheinander.“
Urteil von Pascal Ziemes aus Wachtendonk:
In der Ausbildung zum Berufskraftfahrer fährt der 18-Jährige einen XF 105.410 mit Super Space Cab und AS-Tronic. Im abendlichen Schneeregen steht zunächst die Sicht im Mittelpunkt: „Die Scheibenwischer sind gut, im Vergleich zum DAF hat man eine große Sichtfläche. Auch die Scheinwerfer und die Übersicht rundum sind in Ordnung.“ Beim Handling macht der Hauber keine Probleme: „Kein großer Unterschied, nur Gewöhnungssache.“ Bei Instrumenten, Innengeräuschen und Federung urteilt er ähnlich wie sein Kollege Andreas Hesselmans: zu bunt, zu laut und zu hart. Auf der Fahrt fühlt er sich jedoch im Großen und Ganzen wohl: „Beim Ausrollen macht das die Automatik richtig gut und schaltet direkt runter, um gleich wieder anziehen zu können. Im Sitz hat man guten Seitenhalt und das Lenkrad würde ich zwar gern noch etwas steiler stellen, aber es liegt gut in der Hand.“ Einwandfrei verläuft der „Soundcheck“ der Lautsprecher und des Drucklufthorns, letztlich trüben aber auch für ihn die harten Stöße auf unebener Autobahn das Bild: „Von außen finde ich den geil, aber für den Fernverkehr möchte ich den nicht haben.“
Urteil von Armin Weißer aus Waiblingen:
Mit dem 53-Jährigen ergänzt ein Fahrlehrer (auf TGX und Actros) die Riege der Tester. „Die Spiegel sind etwas kleiner als beim MAN, aber für die Sicht an der A-Säule vorbei ist das sogar besser. Die Haube ist übersichtlich nach vorne; besser als beispielsweise beim Mercedes Zetros, den ich vor Kurzem gefahren habe. Die Rundumsicht ist einwandfrei. Aber die Instrumente könnte man etwas höher anbringen, man muss ziemlich tief nach unten schauen.“ Fahren und Rangieren passt: „Das Schalten gefällt mir gut, die Übergänge sind schön weich und für das Gewicht zieht der gut weg. Die Automatik-Bedienung ist bequem und der Rangiermodus klasse.“ Geräuschkulisse („nicht zu leise, genau richtig“), Handling („besser als beim Frontlenker“) und Servicefreundlichkeit („man kommt überall gut dran“) sind ebenfalls nach seinem Geschmack. „Das Lenkrad ist angenehm griffig und die Lenkradtasten sind gut zu bedienen. Auch die Armaturen rechts und die Schalter auf der abgeschrägten Türbrüstung sind leicht zu erreichen. Die Sitzfläche dürfte etwas breiter sein, aber vom Rücken her fühlt sich der Sitz sehr angenehm an. Dass der Sitz automatisch runtergeht, gefällt mir auch gut.“ Ganz im Gegensatz zum Preis: „40.000 Euro allein für den Umbau sind schon heftig.“






