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Iveco Eurocargo Hybrid 75E16 10 Bilder Zoom

Iveco Eurocargo Hybrid 75E16: Kostenkiller für die Stadt

Mit seinem serienreifen Hybridantrieb soll der Iveco Eurocargo 75E16 als Kostenkiller im City-Einsatz antreten. Geht die Rechnung trotz üppigem Aufpreis für den Elektroantrieb auf?

Mit dem Eurocargo scheint Iveco das Rezept für ewige Jugend entdeckt zu haben. Im 20. Jahr seines – immer wieder weiterentwickelten – Produktlebens wirkt der italienische Verteilerbestseller auch im Kreise der durchwegs jüngeren Konkurrenten vom Schlage eines MAN TGL, Mercedes-Benz Atego 
oder DAF LF45 so frisch wie ein sonnengegerbter Best Ager in Turnschuhen.

Eurocargo geht noch lange nicht in Rente

Die Fahrt in die Produktrente ist nicht abzusehen, so gut verkauft sich der Leicht-Lkw hierzulande immer noch. Zum praxisnah gestuften Antriebsangebot des Eurocargo gesellt sich seit Kurzem noch eine Hybridvariante, die dem quirligen Distributions-Truck zusätzliches Antriebsmoment für den Einsatz in den Häuserschluchten der Großstadt bieten kann. 44 kW und 
420 Newtonmeter Zusatzkraft zu überaus günstigen Verbrauchskonditionen stemmt der Eaton-Synchronmotor zwischen Motor und Getriebe zusätzlich auf die Kardanwelle.

Alimentiert wird der E-Motor von einer kompakten, 96 Kilo schweren Lithium-Ionen-Batterie, die ihren Platz links am Rahmen unter dem Aufbau findet. Daneben sitzt eine Box mit Regelelektronik und einem Notschalter zum Kappen des elektrischen Energieflusses. Rahmenseitig links unterscheidet sich der Eurocargo Hybrid durch einen recht freizügig montierten Lüfter-Wasserkühler, der dem Elektromotor Kühlung spendet. Diese Extras ergeben ein Zusatzgewicht von etwa 350 Kilo und nagen an der beim 7,5-Tonner ohnehin knappen Zuladung.

1.810 Kilogramm Zuladung beim Hybrid

Der Eurocargo Hybrid bringt trotz des schlanken 115-Liter-Tanks fahrfertig satte 5.690 Kilo auf die Waage. Bleiben also noch 1.810 Kilo an Zuladung. So liegt der 7,5-Tonner auf dem Niveau eines schweren Transporters vom Schlage des Daily aus gleichem Hause. Dafür bietet der Eurocargo mit Faltbordwand und stattlichem 
36 Kubikmeter fassenden Aluminiumkoffer waschechte Truck-Attribute. Die Vorzüge einer ausgereiften Lkw-Konzeption werden schon auf den ersten Metern im Eurocargo deutlich. Der Iveco punktet mit einem leichten Einstieg, einer freundlich gestalteten und pflegeleichten Kabinenausstattung und einem rundum ergonomischen Fahrerplatz. Wie für Hybridfahrzeuge üblich, gesellt sich auch hier in den Antriebsstrang ein sechsstufiges Getriebe mit automatisierter Schaltung, dessen Schaltstrategie perfekt zum avisierten Einsatz im Stadtgetümmel passt.

Knappe Batteriekapazität

Dort hinein wirft sich der Eurocargo Hybrid denn auch mit der recht knappen Batteriekapazität von etwa zwei Kilowattstunden, die den Elektroantrieb beim sanften Anfahren mit Antriebskraft versorgt. Der Motor läuft dabei im Leerlauf mit, um die Lenkhilfepumpe sowie Luftpresser zu betreiben und kuppelt sich erst bei höherer Leistungsabfrage mit ein. Volle Batterie und einen zarten Gasfuß vorausgesetzt, lässt sich der Hybrid-Eurocargo bis auf  20 km/h rein elektrisch beschleunigen und im Rangierbetrieb äußerst feinfühlig an die Rampe dirigieren. Am nächsten Ampelstopp wartet der Eurocargo-Lenker auf den Einsatz der Start-Stopp-Anlage, die sich lange drei Sekunden Zeit lässt, bevor der Motor ruht. Mit dieser Restriktion will man vermeiden, dass der Motor zu oft gestoppt und gestartet wird und in der Gesamtbilanz dabei vielleicht sogar mehr Diesel verfeuert als bei durchgehendem Leerlaufbetrieb.

Auch beim Start erfordert die Anlage einen gewissen Langmut, verhindert mit dem etwas trägen Ansprechen aber verbrauchsintensive Spurtstarts an der Ampel. Mit dem verzögerten Einsatz muss man sich arrangieren oder das System am Instrumenten-Panel des Iveco abschalten. Die Arbeit der Start-Stopp-Anlage trägt aber zum versprochenen Verbrauchsvorteil bei, den Iveco im Bereich von 10 bis 15 Prozent angibt. Die Hauptbürde des Sparpotenzials trägt aber der Synchronmotor. Seine Energie holt sich der 44-kW-Motor beim „Segeln“ zurück, indem er als Generator mit diskretem Bremsmoment der Batterie frischen Ladestrom einspeist.

Beim Bremsen wird Strom erzeugt

Tippt man leicht auf das Bremspedal, erhöht sich der Ladestrom und damit das Beibrems-Moment spürbar und füllt den Lithium-Ionen-Speicher schnell mit Energie. Hätte dieser eine etwas höhere Kapazität, so könnte das verbrauchsgünstige Zusammenspiel zwischen Vierzylinder und E-Motor noch mehr Sparpotenzial entwickeln. Größere Kapazität wäre aber gleichbedeutend mit einer schwereren Batterie und die kann sich der 7,5-Tonner schlichtweg nicht leisten.

Den Fahreigenschaften des Eurocargo tut die Zusatzlast keinen Abbruch. Er lässt sich dynamisch über Land- und Stadtstraßen lenken. Das Revier des Eurocargo ist vor allem die Innenstadt mit Zustellung von kleinteiligen bis voluminösen Frachtstücken. Dort kann er tatsächlich rund zehn Prozent Kraftstoff gegenüber dem herkömmlichen Modell sparen. Auf der Überlandrunde mit gemischten Landstraßenetappen und Autobahnanteil liegt der Verbrauch mit gut 15 Litern auf 100 Kilometer auf dem Niveau der Mitbewerber ohne Elektrozusatzantrieb.

Bleibt der Blick auf die Kostenbilanz: Iveco ist der einzige Hybrid-Lkw-Anbieter, der einen verbindlichen Kaufpreis für ein Hybridfahrzeug nennt. Atemberaubende 16.000 Euro Listenmehrpreis muss man verdauen, wenn man zur grünen Avantgarde gehören will. Mit zehn Prozent Verbrauchsminderung rentiert sich der Hybridantrieb also erst nach rund 750.000 Kilometer Laufleistung. Bis dahin sind allerdings die Lithium-Ionen-Batterien längst ein Fall für den teuren Austausch. Iveco nennt sechs Jahre Mindestlaufzeit.

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Kostenlos herunterladen Iveco Eurocargo Hybrid 75E16 (PDF)

Autor

Foto

Oliver Willms

Datum

31. Juli 2012
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