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Hyundai H350 versus Ford Transit FT350: Konkurrenz aus Korea

Laderaum, Arbeitsplatz, Motor und Kosten – wie viel Transporter bieten der neue Hyundai H350 und der Ford Transit FT350?  

Sie zählen nicht zu den Lifestyle-Transportern, schon gar nicht als Kastenwagen, sind nicht die Vans mit prägnantem Design, eher die braven Malocher im blauen Anton. Die beiden 3,5-Tonner Hyundai H350 Cargo 2,5 CRDi und Ford Transit Kasten 2,2 TDCi setzen auf Praxistauglichkeit. Hier kommt es auf Laderaumvolumen, Nutzlast, Betriebskosten und Verbrauch an.

Auf den europäischen Markt zugeschnitten

Das Konzept des neuen H350 haben die Koreaner, die erstmals mit einem 3,5 Tonner in Europa antreten, auf die Anforderungen des hiesigen Transporter-Markts zugeschnitten. Bei den Varianten beschränkt sich der Hersteller vorerst auf Kastenwagen und Fahrgestelle mit 3,5 Tonnen, zwei Radstände und einen Turbodiesel in zwei Leistungsstufen. Mitte 2016 soll eine Busausführung folgen. Anders die Transit-Baureihe, die 2015 ihren 50. Geburtstag feierte und deren aktuelles Modell mittlerweile in verschiedenen Varianten und Tonnagen mit Vorderrad-, Heck- und Allradantrieb zu haben ist.

Fünf Europaletten

Der Transit FT 350 mit 3.750 Millimeter langem Radstand und mittelhohem Dach bietet mit serienmäßiger Klimaanlage und Reserverad eine Nutzlast um die 1.010 Kilogramm. Der Laderaum fasst rund elf Kubikmeter, die Ladefläche misst 3,49 mal 1,78 Meter. Etwa 40 Kilogramm weniger Nutzlast bietet der H350 mit 3.670 Millimeter langem Radstand, aber ohne Klimaanlage (1.050 Euro Aufpreis) und vollwertigem Reserverad (360 Euro Aufpreis). Beim Ladevolumen punktet er mit Raumökonomie. Die bis zu 12,9 Kubikmeter verteilen sich im Laderaum auf 3,78 Meter Länge, 1,96 Meter Höhe und eine Breite von 1,80 Meter. Damit schluckt der Hyundai fünf Europaletten, beim Transit  reicht es nur für vier. 

Zwei Ausstattungen

Für den Transit spricht ebenfalls vieles. Der FT 350 mit Heckantrieb und 155 PS steht mit einem Grundpreis von netto 34.250 Euro in der Liste. Für einen reichlich ausgestatteten 3,5-Tonner inklusive Audiosystem mit Fernbedienung, Geschwindigkeitsregelanlage, Nebellicht und Abbiegelicht ein erstaunliches Angebot. Einen Grundpreis von netto 33.700 Euro will Hyundai für den H350 mit 170 PS. Es gibt ihn in einer sparsamen Ausstattung namens "Eco" und etwas umfangreicher ausgerüstet als "Profi". Den 170-PS-Antrieb bietet Hyundai aber ausschließlich in Verbindung mit dem "Profi"-Paket an. Zudem sind nur dann Rückfahrkamera, Klimaanlage oder Einparkhilfe zu bekommen.

Gute Sichtverhältnisse

Innen punktet der Transit mit viel Pkw-Anmutung, genarbtem Kunststoff und einem kleinen, griffigen Lederlenkrad. Der H350 kommt indessen hemdsärmlicher daher, mit mehr Hartplastik, aber zufriedenstellender Verarbeitung. Die Sitze sind spärlich gepolstert, bieten wenig Seitenhalt. Die Sichtverhältnisse sind in Transit und H350 dank großflächiger Scheiben und Seitenspiegel mit Weitwinkelsegmenten gut.

Zwei oder drei Jahre Garantie

Bei der Sicherheitsausstattung beschränkt sich der Hyundai auf eine Fahrdynamikregelung, einen Bremsassistenten und eine Berganfahrhilfe. Auf Wunsch gibt es ein Spurhaltesystem. Der Ford bietet hier gegen Aufpreis zusätzlich einen Müdigkeitswarner, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Auffahrwarnsystem und einen Notrufassistenten. Hyundai gewährt im H350 eine dreijährige Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Für den Transit gilt nur die übliche Neuwagengarantie über zwei Jahre, ein Jahr Verlängerung bis maximal 60.000 Kilometer kostet 546 Euro. Beide Transporter zeichnen sich durch ihre starken Motoren aus.

Motoren mit ausreichender Leistung

Den neuen Hyundai treibt ein 2,5 Liter großer Common-Rail-Dieseldirekteinspritzer mit üppigen 170 PS (125 kW) an, sein maximales Drehmoment von 422 Nm entwickelt er zwischen 1.500 und 2.500 Touren. Der 2,2 Liter große TDCi mit Common-Rail-Einspritzung im Ford leistet 155 PS (114 kW), er bringt es auf ein maximales Drehmoment von 385 Nm zwischen 1.600 und 2.300/min. Zum Service muss der Transit nur alle 50.000 Kilometer. Der ist beim H350 bereits alle 30.000 Kilometer fällig. 

Passend gestuftes Getriebe

Die Übertragung der Leistungen in den beiden Hecktrieblern übernehmen Schaltgetriebe mit sechs Gängen. Auf der Straße zeigt der Diesel im H350 eine enorm kraftvolle Leistungsentwicklung. Auch an steilen Autobahnsteigungen geht ihm nie die Puste aus. Daran dürfte sich auch im Hängerbetrieb wenig ändern – immerhin kann der H350 bis zu drei Tonnen an den Haken nehmen. Bereits bei knapp 1.500 Touren beschleunigt er mit unheimlichem Schub und lässt sich dann dank passend gestufter Gänge ohne viel Schaltarbeit bewegen. Bei Tempo 100 im sechsten Gang liegt das Drehzahlniveau aufgrund langer Übersetzung bei nur knapp 1.800 Touren. Drehzahlen ab 2.500/min quittiert der Motor mit lautem Krakeelen und deutlichen Vibrationen.

Wenig Laufkultur

Dass 155 PS und ein maximales Drehmoment von 385 Nm für einen 3,5-Tonner völlig ausreichen, zeigt der TDCi im Transit. Auch er hält auf der Autobahn bestens mit. Seine Leistung entfaltet er aber weniger harmonisch. Bei niederen Drehzahlen lässt es der Motor zunächst gemütlich angehen, ist das maximale Drehmoment erreicht, stürmt er aber unbändig los. Auch der Ford-Motor begeistert nicht unbedingt mit Laufkultur. Unter Last bei niederen Drehzahlen prasselt die Einspritzung, dreht der Motor höher, kommen Vibrationen und Dröhnen ins Spiel.

Feinfühlige Lenkung

Unterschiedliches Temperament legen auch die Fahrwerke der beiden Transporter an den Tag. Der Hyundai zeigt sich eher ausgewogen. In schnell durchfahrenen Kurven reagiert er gutmütig, das ESP greift wirksam ein. Auch gröbere Unebenheiten bügelt die Federung wirksam glatt. Ohne oder mit nur wenig Ladung mit hohem Tempo auf schlechter Straße beschwert sich der Hyundai H350 mit Fahrwerkspoltern. Die Lenkung ist stramm und präzise, der Wendekreis beträgt nur 12,85 Meter. Die Federung des leeren Transit gibt Stöße auf schlechter Straße fast ungefiltert weiter. Mit zunehmender Ladung ist sie aber nachsichtiger. Im Grenzbereich regelt das ESP rechtzeitig und mit Nachdruck. Auch die Lenkung ist ausreichend feinfühlig und präzise. Mit einem Wendekreis von 13,3 Metern braucht er beim Rangieren etwas mehr Platz als der H350. Bei schnellen Spurwechseln bricht der heckgetriebene Transit hinten leicht aus, fängt sich aber sofort wieder.

Konkurrenz auf dem europäischen Markt

Angesichts der langen Ausstattungsliste des Transit wirkt der H350 asketisch. Vor seiner Entwicklung hat sich Hyundai das Segment der 3,5-Tonner in Europa aber ganz genau angesehen. Der Koreaner konzentriert sich aufs Wesentliche. Alles Praktische und Sinnvolle ist vorhanden oder zumindest als Extra zu bekommen. Bei der Qualität kann sich der H350 mit dem Transit messen, bei den Kosten ist er ihm leicht überlegen. Nicht nur Ford, sondern auch den restlichen Transporter-Herstellern steht mit dem Hyundai eine ernsthafte Konkurrenz ins Haus.

Andreas Wolf lastauto omnibus

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

3. Februar 2016
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