Scania R 730 V 8 Topline im Fahrertest

Scania R 730 V 8 Topline - acht Kollegen testen

Fahrertest FERNFAHRER 01-2011, Scania R 730 Topline, Truck

Mehr PS geht nicht - der Scania R 730 V 8 Topline ist aktuell der stärkste Serien-Lkw der Welt.  Acht Kollegen testen die Schwedenpower auf Bestand und innere Werte.

16,4 Liter-V 8, 730 PS. Noch Fragen? Das der Überschwede wohl zu Höherem berufen ist, als mit einigen Paletten Stückgut durch die Lande zu rollen, bestätigen die Testeilnehmer unisono. Aber überzeugt der R 730 auch durch innere Werte und nicht nur durch bloße Stärke?


Urteil von Dirk Kappesser aus Rutsweiler

Dirk fährt für sein Unternehmen Volvo, Scania und MAN im Bereich von 440 bis 510 PS. Nach kurzer Hörprobe im Leerlauf („so ein V8 klingt einfach klasse“) geht´s auf die Piste. „Ein Teil, das so abgeht, bin ich noch nie gefahren. Der hört berghoch ja gar nicht mehr auf zu ziehen! Die Motorleistung ist beeindruckend, sagenhaft. Man glaubt nicht, dass der 24 Tonnen geladen hat.“ Bei aller Begeisterung sieht er die Sache aber auch nüchtern: „Für den normalen Einsatz ist das wenig vernünftig. Das ist ein Auto für viele Steigungen mit voller Ladung. Ich würde mit dem gern mal durch die Dolomiten fahren.“ Einstweilen steht jedoch holprige deutsche Landstraße auf dem Programm: „Der Scania liegt unheimlich gut auf der Straße und vermittelt ein sicheres Gefühl. Die Federung ist klasse, der Sitz komfortabel und die Lenkung schön leicht und direkt.“ Gute Noten gibt es auch für die Innengeräusche („leise und es klappert nichts“), die Opticruise-Automatik („man nimmt die Schaltvorgänge kaum noch wahr“) und die Abstandsregelung: „Kombiniert mit Tempomat und Retarder ist das eine sehr gute Sache – eigentlich ein Muss im Fernverkehr.“

Urteil von Ursula Brecht aus Vaihingen/Enz

Von der Leistung her kann sich die Ursula nicht beklagen: Sie fährt einen R 620 Topline Euro 4. „Beim Neuen hier passt endlich eine Getränkekiste durch die Staufachklappe. Allerdings hat man innen jetzt zwar mehr Ablagen in Fahrreichweite, aber insgesamt immer noch nicht genug Stauraum. Die Schränke vorne müssten zumindest ganz zu sein, was die offenen Ablagen drunter sollen, versteh´ ich nicht. Außerdem wäre ein einteiliges Sonnenrollo besser als die Klappen, an die rechte kommt man während der Fahrt sowieso kaum dran.“ Weitere Fortschritte sieht sie immerhin beim ausziehbaren unteren Bett, dem seitlichen Rollo, dem Klapptisch rechts und den Instrumenten („schöner als vorher“). Anschließend steht der Motor im Blickpunkt – mit gut sechs Prozent Steigung geht es die Landstraße hinauf: „Der geht ja ab! Ich fahr jetzt knapp 70, und der würde immer noch weiter beschleunigen, wenn ich dürfte.“ Generell schätzt sie den starken Retarder („muss drin sein“), den variabel einstellbaren Bremstempomat und Opticruise: „Ich bin mit meiner Drei-Pedal-Variante schon sehr zufrieden, aber ohne Kupplungspedal ist noch besser.“ Ihr Fahreindruck, kurz gefasst: „Hervorragend, macht richtig Laune.“

Urteil von Norbert Berger aus Bodenwöhr

Der 730-PS-Scania wäre bei Norbert bestens aufgehoben: Er fährt mit einem Volvo FH16/610 Globetrotter XL Schwertransporte bis 110 Tonnen. An V8 und Opticruise findet er schnell Geschmack: „Der zieht richtig bissig von unten raus und bringt nach dem Hochschalten gleich wieder volles Drehmoment. Das Automatikgetriebe fährt wirtschaftlich, überspringt Gänge und je nachdem kann man auch mal den Gang halten oder selbst schalten. Ich hatte noch keine Automatik, wenn man das richtig beherrscht, ist das wunderbar. Auch der Rangiermodus ist gut, da schiebt der schön langsam zurück.“ Rundum positiv bewertet er außerdem den starken Retarder, der die angebremste Geschwindigkeit automatisch hält, Spurwächter und Abstandsregler: „Es passiert schnell, dass man versehentlich zu nah dran kommt. Ich hab´ schon mal bei 47 Meter Abstand drei Punkte gekriegt!“ Schließlich passt auch der Topline: „Schön, dass man die obere Liege während der Fahrt unten lassen kann. Es ist innen alles sehr freundlich gemacht, mit übersichtlichen Instrumenten und gut angeordneten Schaltern ohne viel Schnickschnack. Doch, man sitzt gut hier drin. Das ist ein sehr angenehmes Fahren.“

Urteil von Manfred Lange aus Wertheim

Manfred ist mit einem TGA 18.440 mit 12-Gang-AS-Tronic, schmalem LX-Fahrerhaus und Siloauflieger unterwegs. Der R 730 bietet völlig neue Eindrücke: „Der zieht schön leicht weg, schaltet sehr fließend und die Lenkung spricht gut an. Das macht Spaß, hier Gas zu geben: Vom Anzug her fährt der sich wie ein Pkw, läuft spielend den Berg hoch und strengt sich nicht mal an. Das kann man mit meinen 440 PS gar nicht vergleichen.“ Bei Opticruise lobt er insbesondere noch Berganfahrhilfe und Rangiermodus („läuft ohne Rucken zurück“). Auch bei der Verarbeitung des Topline gibt es kaum was auszusetzen: „Das Lenkrad ist sehr handlich und hat einen großen Verstellbereich. Die Matratzen machen einen guten Eindruck und auch die Farben hier drin sind angenehm, man hat nicht so das Einheitsgrau. Zur schönen Lederausstattung sollten aber auch noch die Armlehnen an den Sitzen mit Leder bezogen sein. Außerdem wären statt der Klappen vorne elektrische Rollos komfortabler.“ Unterm Strich aber festigt sich das Bild, nicht zuletzt dank Abstandsregler („halte ich für sehr sinnvoll“) und Spurwächter: „Das Auto kann ich mir für lange Strecken sehr gut vorstellen.“

Urteil von Lars Stephan aus Kustavi/Finnland

Der gebürtige Finne Lars ist selbstständig mit zwei Lastzügen, er selbst fährt einen 480er MAN TGA XXL („Ich bin sonst immer Scania gefahren, aber wir haben ein großes Fahrerhaus gesucht“). Im Vergleich zu seinem älteren Euro-3-Scania sieht er einige nützliche Veränderungen: „Das ausziehbare Bett ist besser und das Layout vom Display gefällt mir sehr gut. Der Klapptisch vorm Beifahrer ist ideal zum Essen und man kommt drunter gut an die Sicherungen ran. Auch die Küchenausstattung ist schön gemacht.“ Der starke Motor tut sein übriges: „Die ersten Meter machen jetzt schon Spaß. Ich fahre in Skandinavien auch mit 60 Tonnen, da wäre so ein Auto natürlich nicht schlecht.“ Anfreunden könnte er sich außerdem mit dem Abstandsregler („Den sollten die Typen, die einem dicht hinten drauf hängen, auch haben“), dem neuen Zwei-Pedal-Opticruise, dem LED-Tagfahrlicht, der straffen Federung und der direkten Lenkung – alles bestens. Entsprechend eindeutig fällt sein Schlusskommentar aus: „Einfach überwältigend. Ich möchte das Auto gar nicht mehr hergeben.“


Urteil von Stefan Lindinger aus Kemnath

Auf Actros-Fahrer Stefan (1846 Megaspace mit Euro-4-Motor und 16-Gang-Automatik) wartet eine ganz neue Erfahrung: „Ich bin noch nie Scania gefahren, keinen Meter. Wobei ich schon immer fand, dass die allein vom Aussehen her richtig gut rüber kommen.“ Der Aha-Effekt im R 730 lässt nicht lange auf sich warten: „Der Anzug ist der Hammer. Du meinst, du sitzt im Pkw und gibst Gas. Wir sind auch meistens mit 40 Tonnen unterwegs, von daher würde das Auto schon Sinn machen. Unsere Hausstrecke ist die A3 Emmerich-Nürnberg, da könnte man einige Zeit gut machen, wenn´s läuft.“ Am Steuer des Topline („der erste Eindruck ist gut, man hat viel Platz“) stimmt auch der Komfort: „Die Anzeigen sind übersichtlich, die Sitzposition ideal und die Schaltvorgänge schön sachte. Den Sitz würde ich etwas härter einstellen, aber insgesamt ist die Federung sehr angenehm und man hört innen drin fast nix. Auch die Lenkung ist genau richtig eingestellt und spricht direkt an. Die Weitwinkelspiegel sind mir unten lieber, aber die Hauptspiegel sind voll in Ordnung.“ In seinem Fazit bleibt er realistisch: „Das ist schon ein bisschen ein Traumauto. Jetzt braucht man nur noch einen Spediteur, der das kauft.“

Urteil von Jan-Peter Korinth aus aus Gescher

Der 420er Scania von Jan hat Handschaltung und ein Highline-Fahrerhaus der ersten Generation. „Die Außenstaufächer sind jetzt viel besser, das Tischchen rechts ist praktisch und an die Sicherungen kommt man einfach ran. Das rote Nachtlicht ist auch schön. Ich würde mir aber nach wie vor einen Kühlschrank für stehende Flaschen wünschen. Auch das ausziehbare Bett ist noch nicht optimal, was passende Bettlaken anbelangt. Ich bin ja normalerweise Scania-Fan, aber es gibt halt immer so ein paar Kleinigkeiten …“ Auf der Straße ist die Sachlage klarer: „Vom Arbeitsplatz und vom Fahren her ist das einfach ein schönes Auto. Der Automat ist was Feines, schaltet gut und schnell, und die Motorbremse hat viel mehr Dampf als bei mir – da merkt man die Maschinengröße. Gut ist auch die Berganfahrhilfe. Der Spurwächter ist okay, wäre mir aber nicht so wichtig. Am Wichtigsten für die Sicherheit sind der Retarder und der Abstandsregler.“ Beim Motor bleibt er ziemlich sachlich: „Natürlich zieht der gut durch, mit 730 PS muss ja auch was kommen. Ich denke, der V8 ist was für Bergstrecken oder Schwertransporte. Ansonsten ist das mit 40 Tonnen eher Spaß an der Freud´.“


Urteil von Rüdiger Bohneberg

Ein DAF XF 105.410 mit AS-Tronic ist fahrbarer Untersatz von Rüdiger. Noch, denn im Frühjahr soll es einen Scania geben. „Ich bin mit dem DAF und dem Super Space Cab zufrieden, könnte aber ein paar PS mehr gebrauchen. Ich freu´ mich auch schon auf den Scania. Das einzige, was mich stört, ist das untere Bett. Und was ich jetzt gerade sehe: Das seitliche Rollo mit Scherenmechanik ist im DAF besser, das hier verhakt sich leicht.“ Wie vom DAF gewohnt hat er den Retarder lieber nicht mit auf dem Bremspedal liegen („gut, dass man das im Scania zu- und abschalten kann“) und macht es sich bequem: „Sitzposition und Übersicht sind sehr gut, die Anzeigen und Instrumente ebenfalls. Der Sitz ist angenehm und das Lenkrad nicht zu dick und schön griffig. Dass das Armaturenbrett nach vorn steil abfällt, ist auch gut. Dadurch sieht man direkt vom Fahrzeug mehr.“ Die steile und kurvige Landstraßenpassage hinterlässt bleibenden Eindruck: „Der zieht geschmeidig hier hoch, ohne dass man zum Verkehrshindernis wird. Du brauchst noch nicht mal den Kickdown. Handling und Federung sind topp, der läuft ruhig und die Gänge gehen ganz weich rein. Ein schönes Fahren – wir können direkt umsatteln.“

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Ralf Becker

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