Scania R 480 Topline im Fahrertest

Scania R 480 Topline - acht Kollegen testen

Fahrertest FERNFAHRER 01-2010, Scania R 480 Topline, Truck

Das neue R-Modell verspricht den komfortabelsten Scania aller Zeiten. Acht Kollegen gehen der Sache beim FERNFAHRER-Fahrertest mit dem R 480 Topline ausgiebig auf den Grund.

Standesgemäß hätten zum Test viele einen V 8 erwatet, doch zum heimlichen Star im Programm hat sich mittlerweile der 12,7 Liter große Reihensechser vom Typ DC13 entwickelt. Kann die 480 PS-Version mit Topline-Kabine die Kollegen überzeugen?

Urteil von Stefan Hoppert aus Mistelgau

Stefan ist mit seinem vollluftgefederten MAN TGX XXL, ein Dreiachs-Abrollkipper mit 540 PS, sehr zufrieden, aber Scania würde ihn schon reizen. „Mein Traum wäre ein V 8, aber der hier zieht mit 40 Tonnen auch schon einwandfrei. Und ruhig ist der! Ich bin ja schon vom neuen MAN verwöhnt, aber das ist noch mal was anderes. Für einen ausgeladenen Sattelzug macht auch die Federung einen guten Eindruck.“ Der Blick wandert durch die Kabine: „Von der Qualitätsanmutung her hat sich einiges getan. Dagegen ist der alte Scania R ein ‚Plastikbomber’. Ich bin zwar die große Busscheibe im XXL gewöhnt, aber die Sicht ist auch hier gut. Außerdem ist die Sitzposition überragend.“ Die überarbeitete Opticruise-Schaltautomatik sieht er auf einem Level mit seiner AS-Tronic, Extralob gibt es für den großen Lenkrad-Verstellbereich, die Lederausstattung inklusive Farbgebung („nicht so das Einheitsgrau, macht einen hochwertigen Eindruck“) und die Einbauküche („jedenfalls besser als McDonalds“). Das Schlusswort kommt wenig überraschend: „Den würde ich gleich mitnehmen.“

Urteil von Silke Bedla aus Osterkappeln

Silke rollt in einem DAF XF 95.480 mit Space Cab auf den Autohof und lässt sich zur Probefahrt nicht lange bitten: „Scania ist mein Lieblingsauto.“ Im Vergleich zu ihrem handgeschalteten, schon etwas älteren DAF liegt der Schwede schnell vorne: „Der zieht super, das Gewicht merkt man nicht. Die Übersicht ist besser als im DAF und abgesehen von einigen Windgeräuschen ist es sehr leise – da ist ja mein Opel lauter. Man hat schöne große Spiegel, der Sitz ist bequem und die Armaturen sind richtig chic.“ Weitere Punkte sammeln das Multifunktions-Lederlenkrad („handlich und alles drauf, was man ständig braucht“), das ausziehbare Bett („passen auch mal zwei rein …“) und der komfortable Einstieg. Der Rangiermodus („sehr fein, ruckelt nicht“) sowie das Sicherheitszubehör, insbesondere der Spurwächter und die Reifendruckkontrolle, kommen ebenfalls gut an. „Auch Lenkung und Federung sind sehr gut. Hier kippt auf holpriger Straße kein Kaffee um, das ist fast wie Pkw fahren.“ Ihr begeistertes Fazit sollte man aber nicht allzu wörtlich nehmen: „Das ist ein richtiges Frauenauto.“

Urteil von Henry Noack aus Haßloch

Henry fährt noch einen der ersten Scania R, einen rund fünf Jahren alten R 500 Topline mit V 8 und Handschaltung. Er lobt noch beiläufig die neuen, „Getränkekisten-tauglichen“ Außenstaufächer, dann geht es im R 480 auf die Straße: „Das ist ein schönes Fahren mit dem Gewicht, muss man schon sagen. Die Automatik schaltet super, das hab´ ich mir so gut nicht vorgestellt. Kein ‚Klack-Klack’, der nächste Gang ist direkt drin. Außerdem ist es leise und das Fahrerhaus ist schön gefedert.“ Deutliche Fortschritte sieht er zudem bei Armaturen und Display, dem seitlichen Rollo anstelle der Klappe, den neuen Ablagen und Flaschenhaltern rund um den Fahrer sowie der Liege („größer geworden, mit guter Matratze und neuen Ablagen an den Flanken“). Einen tadellosen Eindruck hinterlassen auch Handling, Spurverhalten, Rangiermodus („hervorragend, da haben sie sich echt was einfallen lassen“) und Lenkradverstellung („im Scania eh optimal“). Dem Fahrer-Eco-Modul steht er ebenfalls positiv gegenüber: „ Da sieht man mal, was man mit dem Auto so schafft. Außerdem hilft es, den Verschleiß abzuschätzen und den Verbrauch runterzubringen.“

Urteil von Christian Michler aus Landau

Im Vergleich zu seinem TGX 18.480 XLX mit AS-Tronic gibt es für Christian im Scania Licht und Schatten: „Für meinen Geschmack geht der Sitz nicht weit genug zurück und das Lenkrad ist ein bisschen dünn. Die Einrichtung ist von der Aufteilung und den Materialien her aber schön. Auch das Innengeräusch ist angenehm.“ Beschleunigung, Spurverhalten („der läuft sehr gut geradeaus“), Ansprechverhalten der Bremsen („gutes Gefühl am Bremspedal“) und Rangiermodus („geht wunderbar“) können ebenfalls überzeugen. Andernorts ist die Meinung wieder geteilt: „Die Instrumente sind gut lesbar und die Sicht ist ok, aber die Spiegel flattern.“ Auch die Federung dürfte für ihn etwas weicher sein, obwohl er zugibt: „Die straffe Federung vermittelt schon einen guten Fahrbahnkontakt.“ Weitere Plus und Minus: „Die Farbauswahl macht echt was her. Auch die neuen Seitenverkleidungen sehen viel besser aus als vorher – der Aufstieg hinten ist dafür nicht der Hit. Außerdem kannst du mit dem Kopf an die Ecken der offenen Frontklappe knallen.“ Kurzum: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, mit den beiden letzten Punkten hat er aber sicher nicht unrecht.

Urteil von Roland Singer aus Wolfsbach

Gemessen an seinem Scania Longline mit 500-PS-V 8 (siehe FERNFAHRER 12/2008) nimmt sich der R 480 Topline eher bescheiden aus. Dennoch zeigt sich Roland beeindruckt: „Ich hab´ ja einen V 8-Spleen, aber man kann mit dem Sechszylinder sehr zufrieden sein. Der zieht beladen sehr gut weg und hat eine hohe Laufruhe.“ Auch der Fahrkomfort passt: „Der liegt schön auf der Straße. Etwas härter als meiner, aber gut. Opticruise schaltet optimal, das Anfahren an der Steigung ist auch ohne Kupplung einwandfrei. Ich hatte meinen mit Handschaltung bestellt, weil ich vorher mit Opticruise nicht zufrieden war. Aber jetzt bin ich angenehm überrascht.“ Die Zusatzfunktionen wie Rangier- und Powermodus runden das positive Bild ab. Mit der unteren Liege hadert er immer noch etwas („gut, dass man die ausziehen kann, aber schlecht, dass man immer noch die Sitze verstellen muss“) und den Abstandsregler findet er prinzipiell klasse, kritisiert aber die zeitabhängige Regelung. Im Detail können das Radio im Doppel-DIN-Format, der stabile Klapptisch rechts und auch das Eco-Modul überzeugen: „Ich merke ja jetzt schon, dass ich automatisch stärker auf die Fahrweise achte."

Urteil von Thomas Janssen aus Schöppingen

Thomas parkt seinen Volvo FH 12/460 mit I-Shift-Getriebe und macht es sich im Scania bequem. „Die Sitzposition ist gut und man hat Platz ohne Ende. Die Küche ist schon Luxus, aber natürlich auch eine finanzielle Frage. Mit sind nur die offenen Ablagen oben etwas weit weg, wenn man da während der Fahrt reingreifen möchte.“ Letzteres ist er vom Globetrotter eben anders gewohnt, beim Getriebe sieht er dagegen kaum Unterschiede: „Die Automatik schaltet so schnell und sachte wie bei meinem Volvo auch. Für 40 Tonnen zieht der Scania unwahrscheinlich gut und ist vom Fahrgeräusch her extrem leise. Auch die Lenkung reagiert sehr gut, auf holpriger Landstraße fährt der sich besser als der Volvo. Ein bisschen stört mich das Turbopfeifen, aber sonst ist das ein sehr gutes Auto.“ Sämtlich für prima befunden: die dimmbare Instrumentenbeleuchtung, der neue Klapptisch, die Kabelfernbedienung im Schlafabteil, das ausziehbare Bett und die separat schaltbaren Leselampen an der Decke. Für Heiterkeit sorgt zum Schluss ein Blick über die Beifahrertür: „Das ist mein erstes Auto“, lacht er, „in dem auch ein Nothämmerchen drin ist.“

Urteil von Marco Ewin aus Plüderhausen

Der rund drei Jahre alte R 500 Topline von Marco ist mit Opticruise samt Kupplungspedal, Zwei-Balg-Luftfederung an der Hinterachse und Halogenscheinwerfern ausgestattet. Wie geschaffen für den abendlichen Vergleich: „Mit Xenon-Licht merkt man schon, dass die Fahrbahn anders ausgeleuchtet wird. Da kommt alles klarer rüber und man sieht mehr. Vom Anzug her ist das kein großer Unterschied zu meinem V 8, für einen Sechszylinder geht der richtig gut. Es ist ziemlich leise und mit der Vier-Balg-Luftfederung ist das auch ein ruhigeres Fahren.“ Opticruise gibt sich ebenfalls keine Blöße: „Die Schaltlogik ist gut, die Drehzahlen passen. Ich finde die Abstimmung besser als bei mir, da ist auch kein Rucken mehr drin. Die Schaltvorgänge sind super, man merkt kaum noch, dass er schaltet.“ Die neue Ausstattung punktet mit dem Farbdisplay, seitlichem Sonnenrollo, größerer Liegefläche und auch dem Design („gut, dass mehrere Farben für den Innenraum lieferbar sind“). „Vor allem aber gefallen mir jetzt die Außenstaufächer und der untere Teil der Mittelkonsole mit den neuen Ablagen und Flaschenhaltern viel besser. Beim Stauraum hat Scania schon einiges gemacht.“

Urteil von Patrick Zeh aus Reichenbach

Der vollluftgefederte Actros 2541 mit L-Fahrerhaus von Patrick ist mit 16-Gang-Automatik, Spurwarner, Abstandsregler und Retarder sehr gut ausgestattet. Nur am Platz hapert es etwas: Neben den über zwei Metern Stehhöhe lobt er im Scania spontan die Betten („dass man das untere ausziehen kann, ist topp“), die großen Staufächer, Verarbeitung und Materialien sowie die runde Cockpit-Form („genial, da kommt man leicht an alle Schalter ran“). „Die Schaltvorgänge sind präzise, da ist kein Rucken drin. Mir gefällt auch die kompakte Bedienung mit allen Funktionen an einem Hebel.“ Angetan haben es ihm im Scania außerdem die niedrigen Innengeräusche, Sicht und Spiegel („die sind schön groß und bleiben auch hier im Regen noch ziemlich sauber“), Lenkung („leichtgängig und direkt“) und nicht zuletzt die SCR-freie Technik: „Ich denke, Euro 5 ohne AdBlue rechnet sich. Man verliert keine Zeit beim Tanken, und das AdBlue an sich und die Tankstelle auf dem Hof kosten ja auch Geld.“ Auch die Gummiverlängerungen an den Spoilern zwecks besserer Aerodynamik fallen ihm positiv auf. Sein Gesamteindruck: „Wenn ich mein eigener Chef wäre, würde ich den kaufen.“

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Ralf Becker

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