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DAF XF105.460 ATe: Umfassendes Sparprogramm

Mit ATe hat DAF ein Paket zum Dieselsparen geschnürt, das teilweise auf Verzicht, aber vor allem auf spezielle Technik setzt. Beides zusammen verspricht deutlich weniger Verbrauch.

Es war auf der  IAA 1985, als die drei Buchstaben ATi zum ersten Mal auf der Front eines DAF-Lkw zu sehen waren. Das Kürzel  stand für Advanved Turbo Intercooling. Tatsächlich waren die Holländer die Ersten, die mit Hilfe der Ladeluftkühlung (Englisch: Intercooling) die Leistung nach oben und den Verbrauch nach unten drückten. Das taten sie schon seit 1973. ATi stand für die Weiterentwicklung dieser Technik.

ATe bedeutet Advanced Transport Efficiency

Jetzt, im Jahr 2012, präsentiert DAF das Kürzel ATe, das für Advanced Transport Efficiency steht und dokumentiert, dass sich in diesen 27 Jahren etwas verändert hat. Stand ATi noch ausschließlich für verbesserte Motorentechnik, so steht ATe für ein umfassendes Paket von verbrauchssenkenden Maßnahmen: optimierte Motoren, rollwiderstandsarme Reifen, verbesserte Dachspoiler, eingeschränkte Schaltfunktionen der AS-Tronic, auf 85 km/h reduziertes Tempo, lange Achsübersetzung und die obligatorische Fahrerschulung. Hinzu kommt eine Motorstoppfunktion – nach fünf Minuten im Leerlauf schaltet der Sechszylinder ab.

Auf der IAA 2012 steht zwar schon der Nachfolger des aktuellen XF105,  der aber erst im kommenden Frühjahr in Produktion geht. Bis dahin gibt es weiterhin den aktuellen XF105 zu kaufen. Dessen Markenzeichen ist nach wie vor die große kubische Kabine, die durchaus praxisgerecht eingerichtet ist, mit viel Stauraum und Bewegungsfreiheit. Aber das Haus trägt inzwischen deutliche Spuren der langen Bauzeit.

Testverbrauch nicht wesentlich geringer

Einen guten, aber keinen Bestwert markiert der Eco-DAF mit 35,9 l/100 km – er kann sich vom Standardfahrzeug nur mit einem halben Liter absetzen. Das wiederum hat eine einfache Ursache: Beim Test gilt seit jeher Tempo 85, rollwiderstandsarme Reifen und alle lieferbaren Spoiler sind grundsätzlich montiert. Die Fahrer kennen ihre Teststrecke bestens, woraus eine vorausschauende und sparsame Fahrweise resultiert.

All dies sind optimale und immer wieder vergleichbare Bedingungen für einen guten Verbrauch, die allerdings in der Transportpraxis nicht immer so gegeben sind. Ein ganz anderer Grund, warum der Verbrauch nicht weiter nach unten sackt, liegt darin, dass DAF den Motor hauptsächlich im Teillastbereich deutlich verbessert hat, die Teststrecke aber überwiegend aus bergiger Topografie besteht.

Die 510-PS-Variante gibt es nicht als ATe

Die ATe-Spezifikation setzt an zwei Stellen an. Zum einen mit einer gewissen Beschränkung bei Motorleistung, Fahrerhaus und Ausrüstung, zum anderen bei vielen kleinen und großen technischen Maßnahmen. Zum Thema Beschränkung gehört beispielsweise, dass es 
510 PS als ATe nicht gibt. Diese Leistungsstufe wurde erst gar nicht optimiert. Die Leistungsstufen darunter profitieren von neuen Kolben, Kolbenringen, optimiertem Gaswechsel und verbesserter Einspritzung. Auch ein Super Spacecab ist in Kombination mit ATe nicht zu bekommen – zu schwer und zu schlechter Luftwiderstand. Aus gleichem Grund (Luftwiderstand) fehlt die Sonnenblende, was rund ein Prozent Verbrauchsvorteil verspricht. Eingeschränkt ist auch die maximale Tankkapazität – statt generell 1.495 Liter gibt es im ATe nur 1.190. Wer die 305 Liter nicht an Bord hat, der spart Pi mal Daumen 0,1 l/100 km. So spitz können die Holländer rechnen. Und einen Retarder – der verbraucht des Schleppmoments wegen auch den einen oder anderen Liter Diesel – gibt es im ATe erst gar nicht. Dafür aber serienmäßig eine verstärkte Motorbremse, die es auf 320 kW Bremsleistung bei 2.100/min bringt.

Die Motoroptimierungen sind aber nur ein Aspekt. Hinzu addieren sich eine Leerlaufabschaltung, serienmäßige automatisierte Getriebe mit spezieller Schaltstrategie, eine lange Achsübersetzung, ein auf 85 km/h begrenztes Tempo, ein neuer Dachspoiler und – als mahnender Appell ans Fahrergewissen – ein Display, das nach dem Einschalten der Zündung konsequent Verbrauchszahlen zeigt.

Leerlaufabschaltung stoppt Motor nach fünf Minuten

Stellt sich die Frage, was diese Maßnahmen bringen? Die Leerlaufabschaltung stoppt den Motor nach fünf Minuten. 0,15 Liter sind in dieser Zeit durch die Einspritzdüsen gegangen. Mehr, so DAF, sollte es nicht sein. Dieser Motorstopp also zielt auf jene Fahrer, die den Diesel in der Kaffeepause einfach weiterlaufen lassen. Sei es aus Gewohnheit oder sei es, um die Klimaanlage in Betrieb zu lassen.

Längst haben automatisierte Getriebe unter Beweis gestellt, dass sie Kraftstoff sparen. Und zwar umso mehr, je weniger der Fahrer sein Handwerk versteht. Die ATe-Version der AS-Tronic von ZF zielt mit den fehlenden Eingriffsmöglichkeiten und einer Vorliebe für niedrige Drehzahlen auf weitere Verbrauchseinsparungen. Ganz konsequent also schaltet das Getriebe bei fallender Drehzahl erst knapp über 1.000/min abwärts, um bei 1.300/min im nächstkleineren Gang wieder Kraftschluss herzustellen. Relativ schnell folgt dann die nächste Schaltung. Besser wäre es manchmal, früher zu schalten und damit die zweite Schaltung zu vermeiden. Das setzt voraus, dass Eingriffe möglich sind. DAF lässt dem Kunden immerhin die Wahl – ohne oder mit Eingriffsmöglichkeiten zu fahren.

Tempo 85 ist guter Kompromiss aus Verbrauch und Zeit

Tempo 85, seit jeher die Marschgeschwindigkeit bei allen Tests, hat sich als wirklich guter Kompromiss aus Verbrauch und Zeit erwiesen. Mehr kostet überproportional viel Kraftstoff, weniger passt einfach nicht zu den heute üblichen langen Achsen mit Übersetzungen von 2,7 bis 2,5 zu 1. Die Marschdrehzahl sinkt dann so weit, dass schon kleinste Hügel nach einen kleineren Gang verlangen.

Schneller als 85 km/h zu fahren ergibt aber durchaus Sinn. Etwa vor Steigungen, um mehr Bewegungsenergie mit in den Berg zu nehmen und eventuell eine Schaltung zu sparen. Auch hier gilt: ATe lässt sich auch mit 89 km/h ordern.

2,69 zu 1 heißt die Standard-Übersetzung im XF105.460 ATe, was 1.270/min bei Tempo 85 und – bei Volllast – 415 PS entspricht. Der kräftige MX-Motor, der seine Nennleistung schon bei knapp über 1.400/min erreicht, kommt mit dieser Achse gut zurecht.

Als recht praktisch – zumindest wenn der DAF unterschiedlich hohe Auflieger ziehen muss – erweist sich der verstellbare Dachspoiler. Die Verstellung arbeitet mit einer Kurbel sowie diversen Umlenkungen und lässt sich vom Boden aus bedienen.

Momentanverbrauch soll Fahrer erziehen

Bleibt noch das Display, das – auch wenn es schlecht ablesbar ist – dem Fahrer seine Verbrauchswerte stetig vor Augen hält. Es zeigt in aller Regel drei Werte: den Momentanverbrauch, den Verbrauch der vergangenen 15 Minuten und den Verbrauch seit dem letzten Reset. Es ist hauptsächlich der Momentanverbrauch, der den Fahrer letztlich zu einer verbrauchsbewussten Fahrweise führen soll. Jede Bewegung des Gaspedals lässt die Zahlen wachsen oder fallen, jede Abwärtsschaltung führt zu 10 oder 20 Prozent höheren Werten als zuvor. Jedes Rollen schlägt sich dagegen als Nullverbrauch nieder.

Der 15-Minuten-Wert führt hingegen zur Verwirrung, weil es durchaus sein kann, dass der Verbrauch sinkt, obwohl es gerade bergauf geht. Das liegt dann beispielsweise daran, dass der Rechner einen vor 15 Minuten gemeisterten Steilhang gerade aus seinem Gedächtnis löscht. Auf überwiegend flachen Rollstrecken könnte diese Anzeige allerdings den Ehrgeiz des Fahrers wecken, die Werte im Viertelstundentakt nach unten zu korrigieren.

DAF bietet dem Fahrer Komfort

Bei allem Sparen kommt der Fahrer im ATe auch nicht zu kurz. Ein DAF XF105 bietet zwar nicht die Perfektion im Detail, wie sie Scania und Mercedes vormachen, aber die Konzentration auf das Wesentliche, also relativ viel Raum, gut gemachten Stauraum innen, vorbildliche Ablagen und genauso vorbildliche Ordnung unter der Liege. Dazu kommen wirklich gute Sitze, gute Liegen, ein gutes Fahrverhalten und ein hoher Fahrkomfort, den einzig das relativ hohe Grundgeräusch etwas eingeschränkt.

Die elektronischen Helfer sind einfach programmiert und gleichfalls auf das Wesentliche beschränkt. Sei es das Getriebe mit der recht starren Schaltstrategie, sei es die feste Hysterese der Bremsgeschwindigkeit oder sei es die konsequente Abwärtsschaltung um exakt einen Gang beim Einsatz der Motorbremse. Manchmal resultiert daraus zu viel Motorbremsleistung, oft aber zu wenig.

Das Fazit: Auch wenn ein Test das Sparpotenzial nur teilweise zeigt, so liefert DAF mit ATe ein durchdachtes, teilweise auch spitzfindiges Konzept zum Dieselsparen mit recht großen Sparmöglichkeiten.

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Kostenlos herunterladen DAF XF105.460 ATe Spacecab (PDF)

Autor

Foto

Jacek Bilski

Datum

29. Oktober 2012
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Rechtsanwältin Judith Sommer ist Fachanwältin für Arbeitsrecht. Seit über 10 Jahren berät und… Profil anzeigen Frage stellen
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