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Fahrbericht: DAF CF 85.410 mit schlanker Kabine

Fahrbericht: Der DAF CF 85.410 kommt mit schlanker Kabine, temperamentvollem Motor und einem außergewöhnlichen Layout der Vorderachsen. Der Vierachser tritt als solides Arbeitstier mit hohem Fahrkomfort an.

Auf dem Bau ist ein DAF zumindest in Deutschland ein seltener Gast. Der Name DAF steht hierzulande eben in erster Linie für Sattelzugmaschinen vornehmlich für den Fernverkehr. Dass der DAF sich so rar auf deutschen Baustellen macht, liegt weniger am heute sogar ziemlich eng gestrickten Servicenetz als vielmehr an der traditionellen Ausrichtung des DAF-Konzepts. Straßentransport ist hauptsächlich dessen Metier – Allradler zum Beispiel sind im Sortiment der Holländer erst gar nicht zu finden.

So kommt es, dass DAF sich trotz beachtlicher Erfolge im Segment der Straßenfahrzeuge bei Kippern hierzulande immer noch sehr schwer tut. Zwar mühen sich die Holländer redlich: Sie geben dem CF-Kipper dachmontierten Handlauf und seitlichen Tritt am Fahrerhaus ebenso mit auf den Weg wie eine an massiven Gummilitzen aufgehängte erste Stufe des Einstiegs. Als einziger Vierachser neben dem Mercedes Actros fährt der CF-Kipper gar mit einem mechanischen Vorderachsausgleich vor. Doch wer darüber hinaus etwa nach einem dreiteiligen Stoßfänger verlangt, der wird nicht fündig.

Beim Radstand des Vierachsers belässt es DAF gar gleich bei dem, was in Holland gang und gäbe ist: Satte 2.005 Millimeter beträgt der Abstand zwischen den Achsmitten der beiden Lenkachsen. Damit sind in den Niederlanden 36 Tonnen Gesamtgewicht für den Vierachser möglich. In Deutschland hingegen bleibt es bei 32 Tonnen Gesamtgewicht. Verschenkt ist damit aber Platz zwischen zweiter und dritter Achse, sodass Adblue- und 330-Liter-Tank trotz 5.050 Millimeter Gesamtradstand schon nicht mehr in brüderlichem Schulterschluss auf einer Fahrzeugseite hausen können.

Fahrkomfort

Beim Fahrkomfort profitiert der Vierachser im Gegenzug nicht schlecht vom eigenwilligen Abstand zwischen den ersten beiden Achsen. Ein wenig an den Hauber gemahnt das sänftenhafte Fahrgefühl im CF 85.410, obwohl der Mann am Steuer vor der ersten Vorderachse sitzt. Die gut abgestimmten Zweiblatt-Parabelfedern vorn tun ein Übriges, den Fahrer in jeder Lebenslage zufriedenzustellen. Die Fahrwerksabstimmung des Vierachsers CF 85.410, dessen Hinterachse an Fünfblatt-Parabelfedern aufgehängt ist, verdient ohne Wenn und Aber das Prädikat tadellos.
Auch der Reihensechszylinder XM 300 lässt keine Wünsche offen. Er kennt mit Ausnahme einer kleinen Grauzone von nur 90 Touren nur zwei Zustände: entweder maximales Drehmoment oder Nennleistung. Damit bringt er die Fuhre flott voran. Die im Test-Lkw eingebaute Automatik, die AS-Tronic von ZF, spielt im Allgemeinen gekonnt mit den Gängen und macht manuelle Eingriffe in der Regel überflüssig.

Aus dem Konzept bringen können sie manchmal allerdings enge Kehren am steilen Berg: Da kommt es schon mal vor, dass sie weiter runterschalten muss als nötig gewesen wäre – weil sie eben den Ernst der Lage verkannt und den Motor einen Tick zu lange ziehen lassen hat. Und: Wer der DAF’schen AS-Tronic sodann per Kickdown auf die Sprünge helfen will, der drückt das Pedal vergebens bis ans Blech. Den Kickdown hat DAF mittlerweile wieder amputiert, um unsittlichem und somit verbrauchstreibendem Umgang mit dieser Funktion ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben.

Fürs Fahren abseits des Asphalts aber gibt es immerhin einen speziellen Geländemodus, der generell eine geringere Scheu vor hohen Drehzahlen zeigt. Typisch für den Geländemodus des DAF ist zudem ein sogenanntes progressives Kupplungsverhalten. Die Kupplung schließt und öffnet schneller, was allerdings auch einen herzhaften Umgang mit dem Gaspedal voraussetzt, soll die Sache harmonieren. Weitere Eigenart des DAF-Vierachsers im Geländemodus, der per Kippschalter einzulegen ist: Er bedient sich einer toleranteren ASR (Radschlupfregelung), die bei Geschwindigkeiten unter 45 km/h einen größeren Radschlupf zulässt.

Schaltung

Auch gehen die Schaltungen im Geländemodus zackiger vonstatten, sofern die Elektronik die Situation richtig einschätzt. Das schafft sie wiederum auch nicht immer und bringt es obendrein nicht fertig, bei solchem Vertun den ersten Gang als Notanker noch fix zu werfen. Stattdessen verharrt sie untätig im Leerlauf. Nützlich wären vor allem ein fixeres Erkennen der Gegebenheiten sowie ein schnelleres Wechseln der Gangstufen. Und: Auch wenn Motor und Getriebe auf der Straße bestens mit der relativ lang übersetzten Hinterachse (i = 4,05, Endgeschwindigkeit 118 km/h) auskommen – im Gelände erweist sich diese Kombination als etwas optimistisch. Der erste Gang reicht bis 7,5 km/h, der Rückwärtsgang gar bis 8,1 km/h.

Nicht nur in dieser Hinsicht ist der CF 85.410 eben ein braves Arbeitstier, der seine Sache zwar insgesamt gut macht, dem die letzte Finesse aber oft noch fehlt. So gibt es zum Beispiel für die Sperren zwei Kippschalter statt eines einzigen Drehschalters mit logischer Anordnung der Funktionen. Umständlich zu entriegeln sind die Kippschalter für die Sperren obendrein. Fürs Aktivieren des Nebenabtriebs muss die Hand weit ums Lenkrad herum greifen, bevor sie an den Schalter gelangt, der seinen Sitz in nächster Nähe zum Zündschlüssel hat. Die Motorbremse wiederum hat zwar mächtig Biss, aber sie kennt nur die zwei Zustände An oder Aus. Feindosierung: Fehlanzeige. Mit einer Bremsomat-Funktion kann der DAF CF ebenfalls dienen. Doch lässt sich die Hysterese nicht einstellen, sondern bleibt stets bei zwei km/h.

Anerkennung verdient insgesamt, was DAF aus dem kleinen Fahrerhaus namens Day Cab gemacht hat. Es gibt die große DAF-typische Ablagekonsole mittig auf den Armaturen, einen Stock tiefer auf dem Motortunnel noch eine offene sowie eine geschlossene Konsole. Doch dann ist – mit Ausnahme des Türfachs – praktisch auch schon Schluss mit Ablagen, die in direkter Reichweite des Fahrers liegen. Eng bemessen und Brachland ist obendrein der Platz hinter den Sitzen.

440 Millimeter weit ragt der Motortunnel ins Fahrerhaus hinein, das Seitenfenster öffnet nur ausschnittsweise – und die Materialien des Interieurs sind eher auf Nutzen denn auf Noblesse getrimmt. All dies macht die eh beengten Verhältnisse gewiss nicht besser. Aber eine etwas großzügiger ausgelegte, verlängerte Kabine wie die M-Typen von Mercedes gibt es bei DAF nun einmal nicht. Unterm Strich resultiert daraus auch keineswegs ein konkurrenzlos günstiges Leergewicht. Knapp 10,5 Tonnen bringt das Chassis mit Stahlfelgen und Bereifung 315/80 R 22,5 auf die Waage. Das ist ein standesgemäßer Wert für einen Vierachser mit 36 Tonnen Gesamtgewicht und zeugt von robustem Knochenbau.

Schlanke, leicht rustikale Kabine, moderate Überladefähigkeit sowie hoher Fahrkomfort und gute Fahrleistungen: Wer genau das sucht, der kommt mit dem vierachsigen DAF-Kipper  CF 85.410 auf seine Kosten.

Autor

Foto

Michael Kern

Datum

12. Februar 2011
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