MAN TGM 13.250 7 Bilder Zoom
Foto: owiMedia

Allrounder MAN TGM 13.250

Ein ernstzunehmender Unimog-Konkurrent

Mit dem hoch geländegängigen Allrad-Geräteträger auf Basis TGM 13.250 4x4 offeriert MAN einen ernst zu nehmenden Unimog-Konkurrenten.

Dreiseitenkippbrücke, Ladekran, voll durchsperrbarer Offroad-Allradantrieb, Nebenabtrieb, Kommunal-Anbauplatte, Winterdienst-Hydraulik und vieles mehr: Dieser TGM präsentiert sich in seiner Multifunktionalität als Schweizer Messer. MAN nennt ihn folglich nicht nur einfach Lkw, sondern einen Allrad-Geräteträger, der es mit den vielfältigen Herausforderungen im kommunalen Einsatz aufnehmen soll.

Dass er dies durchaus zu leisten vermag, beweist der hochbeinige Münchner, wenn es abseits asphaltierter Straßen zur Sache geht. Mit permanentem Allradantrieb, Einzelbereifung an allen Rädern und der empfehlenswerten Tipmatic-Getriebeautomatisierung kennt der 13-Tonner im Gelände fast keine unüberwindbaren Hindernisse. Kommt es ganz dick, lassen sich neben Untersetzung und der Zentralsperre noch beide Achssperren über den bediensicheren Drehschalter nacheinander aktivieren. An der Bedientastenklaviatur im Armaturenträger lassen sich zusätzlich Offroad-Spezialitäten wie Gelände-ABS und Kletterbremse für die kontrollierte Talfahrt aktivieren.

Im Gelände bewegt sich der TGM behände wie ein Steinbock

So auf maximale Kraftübertragung programmiert, bezwingt der TGM tatsächlich auch schwierige Aufstiege. Die Einzelbereifung mit kräftig dimensionierten 365/80ern auf 20-Zoll-Felgen bietet weniger Rollwiderstand als ein Zwilling hinten. Auch auf engen ausgefahrenen Spuren halten die vier Super-Singles den Kommunalarbeiter sicher auf dem eingeschlagenen Kurs.

Dank des kurzen Radstands von 3.250 Millimetern und einer kurzen 4,59er-Übersetzung der Außenplanetenachsen durcheilt der TGM das Gelände behände wie ein Steinbock. Das Limit setzt hier – wie so oft im Offroad-Einsatz – höchstens unzureichend geschultes Fahrpersonal. Der im österreichischen MAN-Werk in Steyr gefertigte Generalist dürfte im kommunalen Arbeitsalltag allerdings nur selten auf derlei anspruchsvolles Terrain entführt werden. Sein Job ist saisonabhängig variabel. Im Sommer kann das Straßendienste, Erdbewegungen und Leitungsbau abseits der Straße bedeuten, während im Winter die Stunde der Fronthydraulik schlägt. Mit einem Schneeschild an der Front und dem Streuaufsatz auf der Wechselbrücke kann der TGM rund um die Uhr bei jedem Wetter ausrücken. Die Sitzposition in der höhergelegten C-Kabine und das größtenteils aus dem großen Bruder TGS übernommene Armaturendesign lassen den TGM auch vom Fahrerplatz aus als ausgewachsenen Lkw erscheinen. Entsprechend steil fällt der Aufstieg in die gute Stube aus.Der permanente Allradantrieb gilt als bediensicher. Was nicht eigens zugeschaltet werden muss, kann man auch nicht in einem Moment der Unachtsamkeit fehlerhaft bedienen. Diese Erkenntnis gilt genauso für die Gangwahl.

Erfreulicher Gesamteindruck dank Sechszylinder und Fahrkomfort

Hier regelt der Getrieberechner der ZF-Box souverän die Auswahl zwischen den zwölf Fahrstufen und die Offroad-Getriebesoftware sorgt für angepasste, sprich leistungsbetonte Schaltmanöver abseits asphaltierter Wege. Ebenso verkneift sich das Getriebe in Steigungen unnötige Schaltungen. Zum insgesamt erfreulichen Gesamteindruck des TGM trägt auch der muntere Sechszylinder mit knapp sieben Liter Hubraum bei. Der D08-Reihensechser wuchtet wie auch Aggregate des Wettbewerbs ab 1.200 Touren 1.000 Newtonmeter maximales Drehmoment auf die Kurbelwelle. Der Leistungsverlauf des Common-Rail-Triebwerks passt zum Einsatz. Die vergleichsweise gleichmäßige Leistungsabgabe zählt bei kommunalen Aufgaben, zu denen auch die extreme Langsamfahrt im Straßendienst gehört, zu den Pluspunkten.

Die breite Spreizung der Gänge erfordert im Gelände und bei der Arbeit nur wenige Kompromisse. Wegen der kurzen Achsen dreht der TGM beim Ritt von Depot zu Arbeitsstätte im zwölften Gang bei Autobahn-Marschtempo 85 km/h aber bei 1.600 Touren. Erfreulich stimmt die Tatsache, dass der 13-Tonner auf der Straße nicht den harten Hund raushängen lässt. Unbeladen, wegen seiner üppigen Sonderausstattungen knapp sieben Tonnen schwer, liegt der TGM mit seinem gemäßigten Traktionsstollenprofil auf Asphalt nahezu so souverän auf der Straße wie seine Straßenbrüder im Verteilerverkehr. Die Luftfederung an der Hinterachse und die gelungene Leer-/Last-Abstimmung der Zweiblatt-Parabelfedern vorne sind das Geheimnis des in dieser Fahrzeugkategorie überraschend guten Fahrkomforts.

Viel Geld für viel Können

Auch der nicht zuletzt wegen des Palfinger-Ladekrans und der hochgelegten Aufbauten veränderte Schwerpunkt macht sich bei Kurvenfahrten kaum bemerkbar. Die Leistung der EBS-geregelten Scheibenbremsen an beiden Achsen ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Die Lenkung wirkt in Präzision und Bedienstärke sympathisch.

Bleibt bei so viel Ausstattung und Funktionalität letztlich der angstvolle Blick in die Preisliste. Stramme 135.400 Euro laut Bruttoliste ruft MAN für den Alleskönner auf. Eine Summe, die an Unimog-Dimensionen heranreicht. Dafür bietet der MAN neben seiner ausgewiesenen Geländetauglichkeit auch verhältnismäßig hohen Fahrkomfort auf der Autobahn, selbst dann, wenn sich ein knapp 15 Tonnen schwerer Anhänger am Haken befindet. Viel Geld für viel Können also – genauso wie bei einem Original Schweizer Taschenmesser.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

15. April 2016
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