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Zukunft des Nürburgrings: Kein Sanierungsfall

Gasgeben und dabei vorausschauend Fahren – so kann man die Vorgehensweise von Landesregierung und neuem Eigentümer der Renn-Legende in der Eifel beschreiben.

Es war eine nachdenkliche Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die da am Nürburgring vor geladenen Gästen aus der Region und der Motorsportszene die Zukunft des Problemfalles Nürburgring skizzierte. Zuversichtlich, was Rolle und Konzept des neuen Eigentümers Dr. Robertino Wild angeht und dabei klar die Verantwortung für die Region betonend. Es schien, als seien ihr die von der Vorgängerregierung verantworteten größenwahnsinnigen Bauten körperlich unangenehm.

RingRacer verkauft

Dr. Wild unterstrich den Bestand des Konzeptes, mit dem man sich um den Ring beworben hatte. Die wichtige Nachricht zuerst: "Nach sechs Wochen gibt es kein neues Konzept!" Man wolle genau das realisieren, was man vorher dargestellt habe. "Unser Konzept beruht auf der Historie des Rings. Für mich die bedeutendste Rennstrecke der Welt", untermauert Unternehmer und Motorsportler Wild die Redlichkeit seiner Absichten. Auffallend: Wild spricht stets aus der Sicht als Motorsportler, weniger als Unternehmer.

Dabei ist gerade die unternehmerische Sicht entscheidend: Der Nürburgring sei ein operativ gesundes Unternehmen: "Wir sind kein Sanierungsfall!" Allerdings müsse man das Geschäftsmodell weiterentwickeln. "Die falschen Entscheidungen liegen hinter uns. Wir bemühen uns, künftig richtige Entscheidungen zu treffen", so Wild selbstbewusst.
Zu diesen Entscheidungen gehört die baldige Einrichtung eines Beirates mit Vertretern der Region oder die sofortige Abschaffung der RingCard als bargeldlosem Zahlungsmittel. "Ab morgen kann wieder mit Geld bezahlt werden. Es wird wieder einfacher, ein Bier zu bekommen!" Die Achterbahn RingRacer sei bereits verkauft und zieht um in einen Freizeitpark: "Im nächsten Jahr ist der nicht mehr da."

Noch ein wenig ratlos ist der umtriebige Chef eines Automotive-Unternehmens, wenn es um die Zukunft der Multifunktionshalle "RingArena" geht. Die sieht Wild im Grundsatz bereits als "unglücklich konzipiert". Außerdem fehlte für Veranstaltungen in einer so großen Halle schlicht das Einzugsgebiet. Diese Baustelle wird wohl noch ein wenig länger auf ihre Fertigstellung warten müssen.

Neues Industriegebiet

In anderen Fragen ist Wild erheblich konkreter. So sichert er uneingeschränkt zu, dass der öffentliche Nutzen erhalten bleibt.  Rennsport, Touristen-Fahrten ("Die bringen Geld in die Region"), Rock am Ring, aber auch Marathonläufe oder Radrennen – das alles soll auch künftig uneingeschränkt möglich sein. "Wir werden genau überlegen, was zu uns paßt", umreißt Wild die künftige Veranstaltungsphilosophie. Für den Hobby-Rennfahrer wichtig: "Die Nordschleife bleibt wie sie ist. Genau das sind doch die Herausforderung und der Spaß, wegen deren die Leute herkommen. Hier wird es lediglich Nachbesserungen geben." Zumal aus Sicht des Nordschleife-erfahrenen Neu-Eigentümers dieser Teil der Gesamtanlage nicht gefährlicher als andere Straßen. "Die alte Dame Nordschleife ist nur gefährlich wenn man hier Dinge tut, die man auch auf anderen Straßen nicht tun sollte."

Geld will er in die Teilsanierung der Fahrbahn und in einige Sicherheitsdetails stecken. Geld, das woanders verdient werden muss. Der Schlüssel ist der so genante Industriepool. "Wir haben mit dem Nürburgring die seltene Kombination und das Glück der Kombination von Test- und Rennstrecke", so Wild weiter, der mit einer Dependance seines Düsseldorfer Unternehmens im Industriepark Meuspath angesiedelt ist. Für ihn ein "Erfolgsmodell, das heute mehr Beschäftigte hat als Einwohner." Aber Meuspath ist voll. Deshalb plane man Meuspath 2 oder Nürburg 1 und zwar genau dort, wo heute das Disco- und Kneipendorf Grüne Hölle stehe. Das muss – zumindest teilweise – der neuen Verwendung weichen. Konkrete Anfragen zur Ansiedlung neuer Industriepartner liegen laut Dr. Wild bereits vor und die Planung laufe bereits: "Das Industriegebiet 2 kommt!"

E-Autos auf der Nordschleife

Schließlich habe der Nürburgring eine echte Zukunft. Dazu zitiert Wild die Auto-Legende Henry Ford mit dem Spruch: "Das letzte Auto, das gebaut wird, ist ein Sportwagen." Wobei Autokönig Henry Ford noch nicht wusste, dass dieser Sportwagen eventuell mit einem anderen als einem Verbrennungsmotor unterwegs sein könne. Anders der neue Ring-Chef: "Warum keine Rennen mit Elektro-Autos auf der Nordschleife? Es wird immer Motorsport geben. Und solange es Motorsport gibt wird es den Nürburgring geben!" Die Verbindung Wild-Nürburgring kann jetzt nur noch durch Brüssel verhindert werden. Das Risiko einer Ablehnung des Kaufs durch die EU-Kommission stufen aber sowohl Ministerpräsidentin Malu Dreyer als auch Dr. Robertino Wild als gering ein.

Autor

Foto

Klaus-Peter Kessler

Datum

22. Mai 2014
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