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ZF Zukunftsstudie: Beruf muss attraktiver werden

Die "ZF-Zukunftsstudie Fernfahrer – Der Mensch im Transport- und Logistikmarkt" der Hochschule Heilbronn zeigt, wo es Handlungsbedarf gibt. Denn mit Perspektiven allein lassen sich Jugendliche nicht mehr locken.

Der Fachkräfte- und besonders der Fahrermangel sind in aller Munde. Grund genug für den Getriebehersteller ZF Friedrichshafen, eine Studie über die Zukunft des Fernfahrer-Berufs in Auftrag zu geben. Dabei sieht es für die Branche eigentlich gut aus: "Logistiker schaffen 50.000 Jobs", hieß es etwa in einem Handelsblatt-Artikel mit Bezug auf eine Umfrage der Bundesvereinigung Logistik (BVL), auf den sich die Forscher beziehen.

250.000 Fahrer gehen in den Ruhestand

Doch die Freude über das prognostizierte überdurchschnittliche Wachstum ist deutlich getrübt. Denn es ist immer schwieriger qualifiziertes Personal zu finden.
Der Studie zufolge ist davon auszugehen, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren rund 250.000 Fahrer in den Ruhestand gehen. Zwar wurden im Ausbildungsjahr 2010/2011 nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung mehr als 3.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen (plus 32,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Doch dieser Nachwuchs reiche bei weitem nicht aus, um die Abgänge zu kompensieren – geschweige denn, einen steigenden Bedarf zu decken.

Das gewinnt an Brisanz, wirft man einen Blick auf den Modalsplit: Während der Lkw-Anteil an der Beförderungsleistung 1950 noch bei 20,3 Prozent lag, stieg die Quote bis zum Jahr 2000 auf 67,7 Prozent. Mit 3.244 Millionen Tonnen wurde im Jahr 2000 nahezu die achtfache Menge im Vergleich zu 1950 (408 Millionen Tonnen) auf der Straße transportiert. Die Gründe hierfür liegen laut der Studie ganz eindeutig im Wandel der Güterstruktur begründet. Dort gehe es weg vom Massengut und hin zu hochwertigen Stückgütern.

Hinzu kommen außerdem die steigenden Anforderungen der produzierenden Industrie, des Handels und der privaten Haushalte an Flexibilität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit des Transports. Nicht zu vergessen seien aber auch der hohe Internationalisierungsgrad der Wirtschaft sowie die mit diesen Effekten einhergehende zunehmende Kleinteiligkeit von Sendungen in Verbindung mit relativ geringen Sendungsgewichten.

Der Lkw-Verkehr nimmt weiter zu

Laut den Experten bedeutet die wachsende Verkehrsleistung bei einem fast gleichbleibenden Modalsplit vor allem eines: Der Lkw-Verkehr nimmt weiter zu. Außerdem werde es gerade auf den kurzen und mittleren Distanzen auch zukünftig keine Alternative zum Lkw geben.

Rosige Aussichten für die Fahrer also, deren Beruf so gefragt wie noch nie sein wird. Dem gegenüber steht allerdings das denkbar schlechte Image der Branche. Und dies sei zum Teil hausgemacht: Ein kontinuierliches Unterbieten der Konkurrenz als wesentliches Wettbewerbsinstrument oder die schlechte Behandlung von Mitarbeitern in einzelnen Unternehmen seien zwar nicht verallgemeinerbar, hätten das Image der Branche aber mit geprägt, heißt es in der Studie.

Kosten in der Logistik werden steigen

Dabei sind sich die Experten einig: Die Kosten der Logistik werden steigen, vor allem im Transport. Verantwortlich hierfür sind steigende Energiekosten, die Verteuerung des Verkehrs durch die Politik sowie steigende Personalkosten. Bei letzterem Punkt ist vor allem auch eine bessere Entlohnung der Fahrer gemeint.

Weitgehende Einigkeit unter den Experten besteht hinsichtlich der Einschätzung der Auswirkungen des Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetzes (BKrFQG): »Das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetzes verbessert das Image und steigert die Attraktivität des Berufs Kraftfahrer«, heißt es in der Studie.
Das wiederum ist dringend vonnöten. Das Durchschnittsalter der für die Zukunftsstudie befragten Fahrer lag bei 46 Jahren. Die Spannweite beträgt 55 Jahre: Der jüngste Befragte war 20 Jahre alt, der älteste 75 Jahre – der Anteil der Fahrer, die 50 Jahre und älter waren, lag bei 37 Prozent. Erschreckend ist hierbei, dass damit etwa 40 Prozent der Fahrer in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen werden.

Spaß am Fahren ist entscheidend für Berufswahl

Wie bereits erwähnt, kommen aber viel zu wenig junge nach. Dabei ist der Spaß am Fahren weiterhin der entscheidende Punkt für die Berufswahl. Für 53 Prozent war das der zentrale Punkt, für weitere sieben Prozent war es zumindest ein entscheidender Faktor. 42 Prozent sehen den Job als insgesamt interessant an, gefolgt vom selbstständigen Arbeiten mit 39 Prozent.

Während die gestandenen Fahrer keine Auswirkung des BKrFQG auf die Attraktivität ihres Berufsbilds sehen, ist das bei den angehenden anders: Immerhin 40 Prozent der Befragten erwarten, dass damit das Berufsbild attraktiver wird.

Fahrer wollen Verantwortung übernehmen

Noch spannender ist allerdings ein anderer Kontrapunkt: Denn für die Auszubildenden spielen die Vielfalt des Berufs und der Wunsch nach Verantwortung und Respekt eine große Rolle. Das gehe aus deren Antworten hervor. Wie die Antworten der Experten zeigen, gibt es aber genau an diesen Punkten Probleme. Wollen die Verantwortlichen dem Fachkräfte- und insbesondere dem Fahrermangel entgegen wirken, gilt es, an diesen Punkten anzusetzen.

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Datum

7. September 2012
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