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ZF-Zukunftsstudie 2016: Roboter bieten großes Potenzial in der Zustelllogistik

Die Anforderungen der Endkunden beeinflussen Abläufe auf der letzten Meile. 

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) hat im Auftrag von ZF Friedrichshafen AG in einem 360-Grad-Ansatz Erwartungen der Endkunden, gesetzliche und räumliche Rahmenbedingungen sowie technische Trends und deren Auswirkungen untersucht. In vier Kapiteln untersuchen die Autoren Faktoren wie Elektromobilität, Automatisierung und digitale Vernetzung und wie diese in Zukunft eine sichere, pünktliche und saubere Zustellung auf der letzten Meile mitgestalten könnten. Die ZF-Zukunftsstudie 2016 ist bereits die dritte Studie zum Thema Fernverkehr und entstand erneut in Kooperation mit der EuroTransportMedia Verlags- und Veranstaltungs-GmbH.

Die Paketdienste erwarten zu Weihnachten so viele Pakete wie nie zuvor. Das stellt sie vor allem auf der letzten Meile vor große Herausforderungen. Experten rechnen auch in Zukunft mit einem ungebremsten Wachstum des Online-Handels und weiter steigenden Sendungszahlen. Durch die Kundenanforderungen und unterschiedlichen Rahmenbedingungen wie Fachkräftemangel oder alternde Belegschaft in urbanen und ländlichen Räumen wird sich die letzte Meile stark verändern.

Das hat das Fraunhofer IML zum Anlass genommen, im Auftrag des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen die Zukunft der Zustelllogistik für Metropolen, mittlere Städte und ländliche Regionen zu untersuchen. "Nirgendwo sonst verdichten sich Zukunftsentwicklungen und mögliche Konzepte der Logistik wie auf der letzten Meile", sagte Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen vom Fraunhofer-Institut bei der Präsentation der ZF-Zukunftsstudie 2016 am 28.11.2016 in Berlin. "Ziel war es, ein Zukunftsbild zu entwickeln", so Clausen weiter. Die Studie zeigt eine Kombination aus Analysen und Fakten. Sie gibt aber auch eine Einschätzung über das Umfeld der letzten Meile sowie Handlungsempfehlungen bzw. Entscheidungsmöglichkeiten für Wirtschaft und Politik.
"Neu ist, dass die Untersuchung von der Kundenseite her gedacht ist, denn der Endkunde ist Ziel aller Aktivitäten auf der letzten Meile", erläutert Dr. Sebastian Stütz vom Fraunhofer IML und Mitautor der Studie. So nehme die demografische Verschiebung ebenso Einfluss wie auch der Trend in den Metropolen zur taggleichen Zustellung, etwa im Bereich der Frischelogistik. Auch auf dem Land und in der mittelgroßen Stadt wird die prompte Belieferung gewünscht. Hier sind die Dienstleister aufgrund der geringeren Besiedlungsdichte allerdings einem größeren Kostendruck ausgesetzt.  

Logistik soll grüner werden

"Aus Endkundensicht gibt es zudem das Verlangen, Logistik grüner und leiser zu machen", fügt er hinzu. Gerade Privatpersonen empfinden diese häufig als Störfaktor. Dazu kommt die EU-Vorgabe, bis 2030 in größeren Städten emissionsfrei zu liefern. Elektromobilität, Automatisierung und digitale Vernetzung werden daher künftig pünktliche und saubere Zustellung sichern, lautet ein Ergebnis der Studie. Technische Trends bieten Antwortmöglichkeiten auf die Herausforderungen. 

"Elektrisch angetriebene Lkw sind keine Science fiction mehr", betont Stütz. Nach Gesprächen mit Herstellern erwarten die Experten bereits Ende nächsten Jahres elektrisch angetriebene Serien-Nutzfahrzeuge. "Wir sehen bis 2030 die Möglichkeit, Stadtzentren zu elektrifizieren", sagt er. Bislang herrsche jedoch eine Kaufzurückhaltung, da viele Beschaffer und Flottenmanager, die die Depots für die letzte Meile bestücken, aktuell noch wenig über die Möglichkeiten der Technik wissen. Dennoch sind die Experten überzeugt, dass sich elektrische Lkw schnell durchsetzen, da sich gerade in Städten mit einem hohen Anteil an Start-Stopp-Verkehren ein großes wirtschaftliches Potenzial heben lässt. Bis zu 60 Prozent der Kraftstoffkosten lassen sich laut der Untersuchung zudem in der Stadt durch den Einsatz elektrischer Lkw einsparen. "Und wer leise ist, kann seinen Verkehre auch in die Tagesrandzeiten verlagern", erläutert Stütz. 

Zustellroboter in Hamburg und Düsseldorf

In Hamburg und Düsseldorf werden derzeit kleine Zustellroboter eingesetzt und erprobt. "Diese Roboter haben aus unserer Sicht großes Potenzial, die letzte Meile sehr stark zu beeinflussen, weil sie das Push- durch das Pullprinzip ersetzen", fügt er hinzu. Zurzeit fährt der Paketzusteller noch auf Glück zum Empfänger. Bei Robotern ist das umgekehrt: Der Kunde informiert ihn, dass er bereit ist für die Zustellung. Die Pakete werden in seiner Nähe in einem lokalen Lager gepuffert und auf Abruf die letzten drei bis fünf Kilometer mithilfe eines Roboters gebracht. Hermes oder Metro versprechen sich dadurch eine Zustellquote von 100 Prozent. Bis zu 400 Millionen Zustellungen jährlich könnten Transportroboter laut der ZF-Studie bis 2030 in Deutschland erledigen. "Diese Dimension war auch für uns überraschend", sagt Prof. Uwe Clausen gegenüber eurotransport.de.
Auch dem autonomen Fahren schreiben die Experten eine wichtige Rolle zu – ohne dass der Zusteller überflüssig wird. Vieles sei technisch schon möglich, häufig hapere es noch an der Akzeptanz und ethisch-moralischen Fragen in Bezug auf Sicherheit und Haftung. Dennoch sind die Experten überzeugt, dass sich größere autonome Fahrzeuge, die eher dem heutigen Lkw entsprechen, stufenweise in Richtung fahrerloses Fahren entwickeln. Das könnte das Problem des Fahrermangels entschärfen. Vorstellbar ist, dass in städtischen Räumen das Fahrzeug dem Zusteller während der Paketzustellung folgt. In ländlichen Regionen, die gegenwärtig für die Logistik der letzten Meile besonders kostenintensiv zu bedienen sind, könnte Platooning zum Einsatz kommen. Dabei fahren mehrere Fahrzeuge mithilfe eines technischen Steuerungssystems hintereinander her. Gebraucht wird dann nur noch ein statt zwei oder mehrerer Fahrer. 

Transportdrohnen: Nur für Sondereinsätze

Transportdrohnen werden hingegen auch künftig ein Nischendasein führen, heißt es in der Studie. Ihr Einsatz dürfte sich aufgrund bestehender Sicherheitsbedenken und restriktiver Regulierung auf Sondereinsätze wie die medizinische Versorgung schwer erreichbarer Regionen oder Inseln beschränken. Außerdem sei für die Drohne ein wesentlich größerer Energiebedarf im Verhältnis zur Nutzlast nötig als bei jedem anderen Transport auf dem Boden. "Daher sind wir überzeugt, dass die Innovationen vor allem auf dem Boden in Form von Transportrobotern zunehmen", sagt Clausen. 

Und auch dem 3D-Druck schreiben die Experten gewisse Chancen zu, die Nahversorgung zu verbessern – etwa im Segment der Ersatzteillogistik oder Zahntechnik. Denn mithilfe der neuen Technik lassen sich die gewünschten Produkte im Sinne einer taggleichen Zustellung vor Ort produzieren. Verkehre fallen nicht an – zumindest nicht für die Auslieferung der Ware – und somit werde mit dieser Innovation auch die Ökobilanz verbessert. "Wichtig ist, Innovationen vor allem als Chance zu sehen", betont der Professor. Daher empfiehlt die Studie Dienstleistern auf der letzten Meile, ihre Mitarbeiter und Organisationsstrukturen für Veränderungen zu öffnen und den Wandel in der Logistik mitzugestalten.

Die ZF-Zukunftsstudie 2016 "Die letzte Meile" steht als Download unter www.zf-zukunftsstudie.de zur Verfügung.

Autor

Foto

Andreas Techel

Datum

29. November 2016
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