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ZF-Zukunftsstudie 2016: Lernfeld Zukunft

Eine gut funktionierende letzte Meile braucht neue Konzepte und Technologien.

In der Logistik sind heute neue Technologien, Kundenbedürfnisse und Rahmenbedingungen im Spiel, die vor wenigen Jahren selbst Experten nicht auf dem Schirm hatten. Dabei spielt die Musik für Logistiker zunehmend auf der letzten Meile.

Spediteure und KEP-Dienstleister müssen sich neue Geschäftsfelder erschließen, um alte und neue Kunden optimal bedienen zu können, und gewissermaßen aus der Zukunft lernen. Die dazu nötigen Fakten und Prognosen will die ZF-Zukunftsstudie 2016 zum Warenverkehr auf der letzten Meile liefern, die Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen vom Fraunhofer IML gemeinsam mit Fredrik Staedtler, Leiter der ZF-Division Nutzfahrzeugtechnik, am 28. November in Berlin vorstellen wird.

Letzte Meile unterscheidet sich von Stadt zu Stadt

Schon jetzt lässt sich sagen, dass die Analysen und Prognosen der Forscher auf die nächsten zehn bis 15 Jahre beziehen. Zum Einsatz kommt unter anderem die Szenariotechnik, die alternative Antriebe, autonomes Fahren und Elektromobilität einbezieht. Auch den Begriff der letzten Meile stellen die Experten in ihrer Studie auf den Prüfstand. Demnach ist diese längst kein starres Gebilde mehr. Ihre Form und Gestalt unterscheidet sich von Stadt zu Stadt. Sie hängt von der Umgebung, der Dichte der Besiedelung und dem Verkehrsaufkommen ab.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Beschränkungen der Städte und Kommunen für den Lieferverkehr. Schon heute gibt es in Europa rund 500, in Deutschland knapp 100 Städte, die mit handfesten Restriktionen für die Einfahrt in Umwelt- und Fußgängerzonen aufwarten. Dieser Trend wird sich in naher Zukunft noch verstärken. Die Studie zeigt zudem, dass auch die Bedürfnisse der Endkunden über die Gestaltung des Transports auf der letzten Meile entscheiden. Verändern diese sich, verändert sich auch Form und Struktur der dort ablaufenden Prozesse.

Die ZF-Zukunftsstudie 2016 macht vor allem die demografischen Verschiebungen in der Gesellschaft und ein verändertes Einkaufsverhalten als maßgebliche Treiber für diese Entwicklung aus. Die Menschen werden deutlich älter, leben aber auch immer öfter allein in einem Haushalt. Sie gehen nicht mehr zum Supermarkt um die Ecke, sondern bestellen ihren täglichen Bedarf im Onlinehandel. Jüngere Kundengruppen wiederum entwickeln zunehmend einen Bedarf nach Convenienceprodukten. Sie erwarten, dass die Lieferungen innerhalb weniger Stunden frisch und mit der richtigen Temperatur an der Haustür ankommen. Diese Veränderungen sind mit den heutigen Mitteln und Methoden der Logistik nicht zu schaffen. Eine gut funktionierende letzte Meile braucht demnach neue Konzepte und Spielräume. Der Schlüssel dazu sind technische Innovationen.

Roboter entlasten Straßen

Eine neue Dimension der Zustellung könnten der Studie zufolge kleine autonome Roboter eröffnen, wie sie der Paketdienstleister Hermes derzeit in Hamburg testet. Sie sind nicht auf die Straße angewiesen und nutzen den Bürgersteig als Infrastruktur. Damit tragen sie zur Entlastung des Verkehrs bei. Einer Karriere der Zustellroboter in der Logistik stehen nach Ansicht der Forscher allerdings noch Akzeptanzprobleme bei den Empfängern und technische Hürden bei der Interaktion entgegen.

Auch den Transportdrohnen räumt die Studie nur in bestimmten Nischen eine Perspektive ein. Hier geht es um zeitkritische Warenlieferungen, eventuell kombiniert mit räumlich bedingten Hindernissen. Generell gilt bei diesem Transportmittel das Primat der Sicherheit. Der Einsatz von Drohnen könnte daher in bestimmten Regularien stattfinden, die luftverkehrs- und haftungsrechtlich gut abzusichern sind, etwa bei der Versorgung von abgelegenen Gebieten wie Inseln, Einsiedlerhöfen oder schwer zugänglichen Katastrophengebieten. So wurde etwa kürzlich das DHL Paketkopter-Forschungsprojekt von der Initiative "Deutschland – Land der Ideen" und dem Verkehrsministerium als eine von zehn herausragenden digitalen Innovationen für intelligente Mobilität mit dem Deutschen Mobilitätspreis geehrt.

Lagerfahrzeuge zirkulieren in Ballungszentren

Die ZF-Zukunftsstudie 2016 räumt dagegen den autonomen Fahrzeugen und der Elektromobilität einen hohen Stellenwert ein. Gerade auf der letzten Meile sehen die Forscher autonome Lieferwagen im Einsatz. Also genau dort, wo sich dichter, komplexer und heterogener Verkehr konzentriert. Denkbar wäre demnach zum Beispiel, dass in Ballungszentren Lagerfahrzeuge mit gefragten Gütern an Bord zirkulieren, die eine Same-Day- oder Same-Hour-Lieferung unterstützen, wie es die japanische Onlineplattform Rakuten mit ihrem Rakubin Service bietet. Diese Fahrzeuge hätten dann auch einen Elektromotor an Bord, da die letzte Meile ohnehin emissionsfrei und leise bedient werden müsste. Die Elektrofahrzeuge würden auch einer Verlagerung von Transporten in Tagesrandzeiten oder in die Nacht einen kräftigen Schub geben. Hier wäre ein deutlicher Zuwachs an Sicherheit zu erwarten, zudem würden Stoßzeiten und Parken in zweiter Reihe weitgehend entfallen.

Die Paketdienste wissen längst, dass sich der Markt verändert, und stellen sich mit immer neuen Services darauf ein: Von der Packstation, Shops, Paketkästen, Paketbutlern und Kofferraumzustellung über Zeitfenster-, Samstags- oder Abend- bis hin zu taggleicher Zustellung ist alles bereits möglich. Kunden können Sendungen, die sich schon in der Zustellung befinden, umleiten – an einen Nachbarn oder ihre Büroadresse – oder auch einen ganz neuen Liefertag wählen. KEP-Dienste setzen Elektrotransporter oder Lastenräder ein, um die Umwelt zu entlasten. Erst kürzlich hat UPS für sein Projekt City Logistics den Hanse Globe für nachhaltige Logistik erhalten. DPD forscht gegenwärtig zum Thema autonomes Fahren.

Auch marktfremde Anbieter warten ständig mit innovativen Angeboten für die letzte Meile auf. So hat Kobi Shikar, ein israelischer Entwickler, das Projekt Transwheel ins Leben gerufen. Die von ihm konzipierten Einräder sollen straßenverkehrstauglich sein, dabei Pakete autonom zustellen und anhand der hinterlegten Daten Empfänger von Paketsendungen identifizieren. Im Schwarm sollen sie sogar in der Lage sein, Container zu transportieren. Last, but not least etablieren sich Crowdshipping-Services, bei denen Privatpersonen als Bote agieren, auf Strecken, die sie ohnehin zu Fuß oder in ihrem Pkw zurücklegen.

Autor

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Foto

Andreas Techel

Datum

12. November 2016
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