Thomas Rösch Zoom

ZF Openmatics: Mit offener Plattform die Zukunft im Griff

Mit Openmatics steigt ZF als einer einer der größten Zulieferer der Fahrzeugindustrie in die Telematik ein. Geschäftsführer 
Thomas Rösch betont, dass er mit der offenen Plattform die Zukunft im Griff hat.

Mit ZF Openmatics steigen Sie mit einer Telematiklösung in den Markt ein, die bisher ihresgleichen sucht. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

RÖSCH: Angefangen hat alles mit der Anfrage eines Herstellers für Sonderfahr­zeuge. Er wollte gern die Daten des Getriebesteuergerätes auslesen und übertragen, weil Fahrer in ihrer Freizeit mit den Sonderfahrzeugen über Schanzen gesprungen waren und dabei Fahrwerk und Antriebsstrang beschädigt hatten. Aus dieser Anfrage ist die Idee entstanden, das Wissen über den Antriebsstrang und die Vernetzung von Fahrzeugkomponenten auch für unsere Kunden bereitzustellen.

Das hätten Sie auch mit einer geschlossenen Plattform machen können. Warum kam es dann zu einer offenen?

RÖSCH: Bevor wir anfingen zu entwickeln, haben wir Marktforschung betrieben und festgestellt, dass es bereits unzählige Systeme, Diagnose- und Telematik-Produkte gibt, die in der Praxis in die Lkw eingebaut werden. Nach Gesprächen mit Intel und anderen Marktteilnehmern haben wir dann beschlossen, kein weiteres "Silo"-System für Getriebediagnose zu entwickeln, sondern eine Plattform zu schaffen, auf der eine Vielzahl unterschiedlichster Anwendungen gleichzeitig laufen können. Damit war Openmatics geboren. Bisher fehlten die nötigen Datenübertragungstechnologien und die Leistung der verfügbaren On-Board-Units war nicht ausreichend. Inzwischen ist die Zeit für eine solche Plattform reif und wir waren mit Openmatics einfach die Ersten, die sich an die Umsetzung gemacht haben.

Was macht Ihrer Meinung nach ZF Openmatics aus?

RÖSCH: Openmatics unterscheidet sich wesentlich von heute auf dem Markt verfügbaren Telematik-Produkten: Im Gegensatz zu diesen in der Regel proprietären Ansätzen, die sich jeweils nur um ein spezielles Problem der Spediteure kümmern und nicht erweiterbar sind, verfolgt Open­matics ein offenes und dadurch sehr flexibles Konzept.

Wie sieht dieses aus?

RÖSCH: Ähnlich dem App-Konzept, wie es auch Smartphones heute bieten, können bei Openmatics verschiedenste Anbieter ihre Produkte mit Hilfe eines Software Development Kits (SDK) als Applikationen (Apps) für die Openmatics-Plattform entwickeln. Diese werden dann über den App-Shop von Openmatics an Fuhrparkunternehmen vertrieben. So wird mit der Zeit ein großes Partnernetzwerk in der Branche geschaffen. Die Vorteile dieses App-Modells liegen also in einer schier endlos, einfach erweiterbaren Plattform. Nutzer können so von der Vielzahl an Funktionen und Expertenlösungen profitieren und die Plattform mit Hilfe von Applikationen an ihre Bedürfnisse anpassen.

Welche eigenen Anwendungen steuert ZF auf die Plattform?

RÖSCH: Es gibt Grundfunktionalitäten, die eine Telematiklösung im Transportgeschäft bieten muss. Sie beinhalten Fahrzeugortung, Tourenüberwachung, Fahrzeugnavigation und Auftragsverfolgung. Unsere fünf Apps Vehicles Overview, Work Advanced, Area Monitoring, Truck Navigation und Order Fullfillment Basic spiegeln diese Grundfunktionalitäten wider, bilden jedoch nur das Fundament, auf dem der Nutzer seine Telematik jederzeit weiter ausbauen kann.

Zusätzlich können auch Drittanbieter Ihre Anwendungen auf der Plattform anbieten. Das betrifft auch Hersteller mit eigenen Plattformen. Können Sie diese trotzdem für Ihre Plattform gewinnen?

RÖSCH: Es ist natürlich für jeden Anbieter ein Aufwand, seine Lösungen und Produkte für die Openmatics-Plattform zu adaptieren. Gerade jetzt am Anfang, wo auch unser Kundenstamm noch überschaubar ist, tun wir uns schwer, solche Partner mit einer eigenen, guten Plattform zu gewinnen. Damit wir neue Partner gewinnen, bieten wir das Programmier-Kit und die Zertifizierung der Programme in diesem Jahr kostenlos an.

Wie können Sie noch überzeugen?

RÖSCH: Das wird nicht nötig sein. Wir glauben, dass sich Insel-Plattformen auf Dauer nicht durchsetzen und nicht wettbewerbsfähig betrieben werden können. Dem Nutzer bietet eine universelle Plattform einfach mehr Komfort und Kostenvorteile. Über kurz oder lang wird daher der Markt eine Konsolidierung der Vielzahl an Silo-Plattformen zu wenigen großen, offenen und universellen Plattformen herbeiführen.

Sie arbeiten mit zukaufbaren kleinen Anwendungen. Wie viele haben Sie denn bereits im Angebot?

RÖSCH: Aktuell befinden sich 24 Apps in unserem Shop. Dazu kommen etwa zehn weitere, die bisher entweder nur intern von ZF genutzt werden, kundenspezifische Apps sind oder sich noch im Feldtest befinden. Aktuell arbeiten wir außerdem mit unseren ersten Partnern an der Fertigstellung unserer ersten "Third-Party-Apps".

Wie wird diese Art des Vertriebs von den Kunden angenommen?

RÖSCH: Mit unserem App-Shop haben wir die aus der Smartphone-Welt bekannte App-Idee auf Telematikleistungen übertragen. Diese Botschaft im Markt verständlich abzusetzen erfordert einen hohen Kommunikationsaufwand und viel Aufklärungsarbeit. Diese betreiben wir gern, weil wir an das Konzept glauben. Wir rechnen nicht mit Millionen von Telematik-Apps, wie in den App- Stores für Smartphones. Den Vorteil des Shop- Systems sehen wir vielmehr in der Übersichtlichkeit der Angebote für den Endnutzer und der Einfachheit des automatischen Bestell-, Installations- und Abrechnungssystems. Mit Hilfe der einheitlichen App-Struktur von Openmatics-Apps ist sichergestellt, dass Funktionen unterschiedlichster Anbieter auf der Openmatics-Plattform miteinander kompatibel sind und ohne Probleme nebeneinander in den Kundenfahrzeugen genutzt werden können.

Apropos Kompatibilität – existieren denn bereits Schnittstellen zu Dispositions- oder Warenwirtschaftssystemen?

RÖSCH: Auch hier werden wir Schnittstellen anbieten. So ist EuroTelematik aktuell dabei, ihre Schnittstelle OT2I für Openmatics zu adaptieren. Zudem arbeiten wir gerade an einer Schnittstelle zu Soloplan und bieten  eine offene Web-Service-Schnittstelle an. Damit wird es einfacher, Dispositionssoftware an Openmatics anzubinden.

Werden die offenen Systeme die Überhand gewinnen und die geschlossenen Systeme zurückdrängen?

RÖSCH: Ja, durch die Verbreitung von Smartphones und die Möglichkeit seine Anwendungen bedarfsgerecht zu installieren, werden offene Systeme in allen Branchen Einzug halten. "Kontrollierte Offenheit" heißt hierbei das Stichwort. Denn die Sicherheit muss auch bei offenen Systemen sichergestellt sein – insbesondere und vor allem bei Fahrzeuganwendungen. Bei Openmatics gibt es deshalb einen Zertifizierungsprozess für Apps. Jedes App, das in den Shop und damit ins System gelangen möchte muss einen Prüfprozess durchlaufen, bei dem sichergestellt wird, dass das Gesamtsystem durch die neue Anwendung keinen Schaden nehmen kann.

Kurz-Vita von Thomas Rösch

Thomas Rösch ist Geschäftsführer von Openmatics. Der Ingenieur mit über 30 Jahren Erfahrung in der Automobil- und IT-Branche ist verantwortlich für die Gesamtentwicklung des Unternehmens Openmatics – für Produkt, Technologie und Finanzen im Besonderen. Seine Karriere bei ZF Friedrichshafen AG begann der 47-Jährige als Testingenieur. Die berufliche Laufbahn führte ihn dann durch Stellen in der Entwicklung, im Vertrieb und Business Development über die Position als Manager "New Markets" hin zum Leiter der 
ZF Geschäftseinheit "Telematik". Im Jahr 2010 übernahm Rösch die Geschäftsführung bei Openmatics s.r.o., als die Tochtergesellschaft der ZF in Pilsen, Tschechien, gegründet wurde.

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© Johanning

Datum

31. Juli 2013
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