Alles über 100 Jahre ZF
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ZF Innovation Truck: Ferngesteuert

Der ZF Innovation Truck erleichtert den Fahreralltag und BLE-Funkchips an der Ladung machen Transporte transparent. ZF eröffnet neue Perspektiven für die Logistikbranche.

Stefans Arbeitstag beginnt früh am Morgen. Um vier Uhr fährt er seinen vorgeladenen Sattelzug vom Hof der Firmenzentrale der Spedition Ansorge. Das Allgäu schläft noch, auch Biessenhofen. Hier sind höchstens ein paar Bäcker unterwegs. Stefan steuert in der beginnenden Morgendämmerung mit seinem Lang-Lkw den Kombibahnhof München an. An Bord sind Lebensmittel, zurück eine Ladung Sanitärmöbel. Nach 4,5 Stunden ist er wieder an seinem Heimatstandort, gerade rechtzeitig für die vorgeschriebene Pause. Stefan freut sich auf den wohlverdienten Kaffee. Er stellt den Motor ab, nimmt das Tablet aus der Halterung am Armaturenbrett, reicht es Sebastian. Der wartet schon. Und während Stefan im Pausenraum verschwindet, steuert Sebastian den unbemannten Lkw per Tablet quer über den Hof rückwärts an die Rampe.

Ein schönes Szenario, aber gleichzeitig noch   Zukunftsmusik. Denn ZF hat zwar die technischen Voraussetzungen geschaffen, aber noch fehlt die Umsetzung in der Realität der Logistikwelt. Wolfgang Thoma, 59, der in Biessenhofen die Geschicke der Spedition Ansorge leitet, war aber zu einem ersten Praxistest bereit. Er hat gute Gründe: „Fossile Energien gehen irgendwann zu Ende. Deshalb müssen wir beim ­Güterverkehr die Ressourcen schonen, Prozess­abläufe schlanker organisieren und verschiedene Verkehrsträger intelligent miteinander verknüpfen.“ So sieht Thoma im Nahverkehr ein großes Potenzial für Elektromobilität. Die mittlere Etappe sei für den Einsatz von Lang-Lkw ideal. Nach der Formel „aus drei Fahrzeugen mach zwei“ ließen sich beispielsweise Fahrer intelligenter einsetzen, auch das sei eine knappe Ressource. Die Lösung für die lange Strecke heiße „Intermodalität“, die Kombination aus Lkw plus Bahn. Thoma: „Da ergänzen sich die Vorteile der Feindistribution des Lastwagens mit den Stärken der Bahn, bei der etwa nur ein Mann 27 Trailer bewegt.“

Die Friedrichshafener haben durch das ausgeklügelte Zusammenspiel des Getriebesystems TraXon Hybrid, bei dem in der Kupplungsglocke eine elektrische Maschine integriert ist, die 120 kW Leistung und 1.000 Nm Drehmoment liefert, sowie mit einer intelligenten Lenkung und der Telematik von Openmatics verblüffende neue Funktionen geschaffen: einen Lang-Lkw, der sich zum Rangieren mit einem handelsüblichen Tablet-PC fernsteuern lässt und sich dabei lokal emissionsfrei bewegt.

Lkw wird durch Fingertippen gesteuert

Sebastian steuert den Lkw im Schritttempo durch Fingertippen. Der Innovation Truck setzt sich ohne Fahrer nahezu geräuschlos in Bewegung. Auch das Zurückstoßen des Lang-Lkw mit zwei Knickwinkeln geht kinderleicht: Sebastian zieht einfach das Fahrzeugsymbol auf der App in die gewünschte Richtung. Für die Lenkmanöver ohne Fahrereingriff ist eine elektrifizierte Lenkung verantwortlich. Das Zusammenspiel der Technik klappt in der Praxis einwandfrei. Die für das Parallel-Hybridsystem benötigte Hochvoltbatterie verfügt über einen Energieinhalt von vier kWh. Somit lassen sich mit einer Batterieladung mehrere elektrische Rangiermanöver ausführen.

Eine besondere Funktion übernehmen die BLE-Tags (Bluetooth Low Energy-Funkchips) von Openmatics. Sie sind am Innovation Truck verteilt angebracht. Insbesondere an den Ecken von Auflieger und Anhänger. Über die Änderung der Feldstärke können zum einen die Knickwinkel des Gespanns berührungslos bestimmt werden. Andererseits wird damit die Position des Bedieners samt Tablet erkannt, um dort die Videobilder der abgewandten Seite anzuzeigen. BLE-Tags befinden sich aber auch an der Ladung und registrieren dort Beschleunigung und Luftfeuchtigkeit. Diese Information ist stets zur Verfügung, im Logistiksystem und auch auf dem Tablet. Sie dient zum Beispiel der Dokumentation der Tour oder dem Nachweis von Stürzen während des Transportes.

Komplimente vom Spediteur

Thoma ist begeistert und hat sichtlich Freude daran, den Lang-Lkw selber über seinen Hof zu dirigieren: „Kompliment an ZF. Eine intelligente und eindrucksvolle Lösung.“ Was er sich aber noch wünscht, ist eine Vollautomatik. „Das Fahrzeug müsste ohne Fahrer im Speditionshof auf einem Abrufort stehen und wird dort mit GPS oder Radar erfasst. Der Disponent setzt nach Rücksprache mit dem Lagermeister den Lkw vollautomatisch zum richtigen Rolltor, das sich rechtzeitig öffnet, mit der passenden Ladung in Bewegung.“

Thoma sieht in der Technologie, die ZF mit dem Innovation Truck anbietet, einen guten Ansatz, um spezifische Probleme der Branche zu lösen, etwa den drängenden Mangel an qualifiziertem Personal: „Der Fahrer soll sich auf das konzentrieren, was er am besten kann. Und dazu gehört bestimmt nicht das Be- und Entladen.“ Andererseits ist dem visionären Unternehmer aber auch der Lagerarbeiter viel zu wertvoll. „Der hat schon genug anspruchsvolle Aufgaben und Funktionen. Auch den möchte ich entlasten, dass er sich auf seine Kernarbeit beschränkt.“

Thoma liebt die Innovation, wenn sie wirtschaftlich Sinn macht und wäre jederzeit gerne ein Partner für weitere Projekte mit dem ZF Innovation Truck. „Wir versuchen, andere Wege zu gehen und verfolgen langfristige Strategien, die für jedes Unternehmen wichtig sind.“ Ansorge tickt eben ein bisschen anders als die meisten in der Branche und hat in ZF einen kongenialen Partner gefunden, der mit ihm das Rad der Zukunft weiterdreht.

Hammermeister

Autor

Foto

Volker Martin

Datum

3. August 2015
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