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Foto: Zentis

Zentis im Porträt

Süßes aus Aachen

Zentis Logistik ist auf die Lieferkette für Lebensmittel spezialisiert. Ladungssicherung ist ein wichtiges Thema. 

Als das Aachener Unternehmen Zentis seinen Werkverkehr in eine eigene Logistiktochter ausgliederte, brach für die Mitarbeiter eine neue Zeit an: "Wir mussten ihnen vermitteln, dass sie ihr Geld fortan nicht mehr mit Konfitüre, sondern mit Kilometern verdienen", sagt Andreas Biermeier, einer von zwei Geschäftsführern von Zentis Logistik Service. Das Logistikunternehmen ist heute das fünfte strategische Geschäftsfeld der Zentis Gruppe. 

Der Endverbraucher kennt Zentis vor allem als Hersteller von Konfitüren sowie Marzipan und anderen Süßwaren. Ohne Zentis gäbe es aber auch keinen Fruchtquark und keinen Joghurt mit Knusperflakes: 70 Prozent seines Umsatzes macht das Familienunternehmen mit der Milchindustrie, die aus Aachen Fruchtzubereitungen und Cerealien bezieht. Die Fruchtzubereitungen, außerdem Gelees und süße Cremes, gehen zudem an die Back- und Süßwarenindustrie. 150 Lkw sind daher täglich im Auftrag von Zentis Logistik Service unterwegs und steuern sowohl die Handelsläger als auch die Produktionswerke der Milch-, Back- und Süßwarenindustrie an. Insgesamt erfolgen rund 50 Prozent der Logistikdienstleistungen bereits für externe Kunden.  

Temperaturgeführte Transporte sind die Spezialität

"In der Lebensmittellogistik sind wir auf temperaturgeführte Transporte spezialisiert, von Tiefkühl- bis zu Frischewaren", sagt Logistik-CEO Biermeier. Alle Fahrzeuge sind spezielle Kühlauflieger, die etwa über eine eigene Telematik und spezielle Features verfügen. Biermeier legt Wert darauf, Synergien zu nutzen – etwa durch Cross-Docking, das Bündeln von Transporten oder die inhaltliche oder zeitliche Synchronisierung. "Eine ausreichende Flexibilität und Dynamik ist vor allem bei der Belieferung von Frischekunden wegen der Absatzschwankungen sehr wichtig."

Darüber hinaus bietet die Logistiksparte der Muttergesellschaft und mehr und mehr auch anderen Kunden Dienstleistungen im Bereich Supply-Chain-Management (SCM) und Prozessoptimierung an. "Das fängt bei Dritten zumeist mit einem Transportauftrag an", sagt Biermeier, "bis man zunehmend über integrierte Prozesse und eine andere Zusammenarbeit redet. So werden wir vom Dienstleister zum Partner."

Wenn dem Kunden die Fruchtzubereitung für sein Produkt geliefert wird, dann spreche doch alles dafür, ihm auch für das fertige Produkt Dienstleistungen anzubieten und sich somit weiter in die Wertschöpfungsprozesse des Kunden zu integrieren. "Konfitüre und Joghurt haben zwar als Trockensortiment beziehungsweise Frischeprodukt unterschiedliche Temperaturansprüche, aber dennoch ein gewisses Maß an identischen Anforderungen. Wir haben das Verständnis dafür und können uns so beim Kunden in Position bringen."

Durchgängige Supply-Chain

Dabei gehe es laut Biermeier nicht mehr allein darum, Produkte von A nach B zu bringen, sondern um Themen wie Materialfluss, Produktion und die Wertschöpfungskette. "Supply-Chain-Management heißt für uns, einen durchgängigen Prozess für unsere Kunden abzubilden – von der Absatzplanung über den Wareneingang und die Produktion bis hin zu Lagerung und Versand", sagt der Logistikexperte. Über Leistungskennzahlen werden die entsprechenden Prozesse durch den Logistikdienstleister gesteuert und kontrolliert. Für die Molkereiindustrie ist die Zentis Logistik bereits seit zwei Jahren im Prozessbereich aktiv, in den anderen Bereichen läuft die operative Umsetzung erst noch an.

Wer sich in dieser Tiefe mit Prozessen beschäftigt, der kommt an Maßnahmen zur Steigerung von Effizienz und Produktivität nicht vorbei – oder, wie Biermeier sagt, gibt sich nicht mit vorhandenen Lösungen ab. Der Logistikchef tüftelt dafür mit dem Leiter der Zentis-eigenen Kfz-Werkstatt an neuen Ideen. "Wir erhöhen so nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern wir kommen auch rechtlichen Anforderungen nach."

Patent angemeldet

Beispiele dafür sind im Rahmen des Produktschutzes ein neues Verschlusssystem für die Kühlauflieger, um den Zugriff von Fremden auf die Nahrungsmittel unmöglich zu machen. Oder die Entwicklung von Hubgestellen, die selbst einen Transport von Leercontainern effizient machen: Dabei werden die Hubgestelle mit den leeren Containern, in denen die Fruchtzubereitungen befördert werden, unter die Decke des Aufliegers hochgefahren. Der so entstandene Platz unter den Containern bietet Raum für 33 Paletten mit einer Höhe von je 1,85 Metern.

Auch das Thema Ladungs­sicherung steht für Biermeier an vorderer Stelle. Bereits 2011 hat Zentis ein Patent angemeldet, das die Ladungssicherheit bei Kühltransporten deutlich verbessert. Das Problem: Die in der Industrie verwendeten Edelstahlcontainer – rund, mit einem Meter Durchmesser – sind mit einem reinen Formschluss nicht zu sichern. Bei Standard-Kühlaufliegern fehlen zudem entsprechende Voraussetzungen zum Verzurren der Ladungsträger. Die Folge sei, dass bei vielen Transporten sich die Ladungssicherung auf einen "Pseudo-Formschluss" beschränke – nach dem Muster "zwei links, zwei rechts und vorne drei Tauschpaletten".  Damit ist sowohl eine richtige und sichere Ladungssicherung als auch eine Lastverteilung kaum möglich. 

Ladungssicherung: Kühlauflieger aufgerüstet

Die von Zentis angemeldete Patentlösung ermöglicht es, den Kühlauflieger mit technischen Möglichkeiten zum Nieder- und Schrägzurren der Ladung auszustatten. "An die Aufliegerwand gezurrt und mit einem erhöhten Reibwert entspricht diese Form der Ladungssicherung von Containern den gesetzlichen Normen", sagt Biermeier. 

Das Patent wird aktuell weiterentwickelt und die Zentis-Auflieger laufend an den neuesten Stand angepasst. "Die intensive Beschäftigung mit der kompletten Transportkette hat zu einer Sensibilisierung und letztlich zu einer deutlich erhöhten Sicherheit für die Mitarbeiter und alle anderen Personen auf der Straße geführt", sagt Biermeier.

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Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 06/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Ilona Jüngst

Autor

Datum

3. März 2016
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