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Zeitfenster an der Rampe: Reibungsloser Ablauf

Mit gebuchten Zeitfenstern entspannt sich die Lage an der Rampe. So bewahren Sie Flexibilität.

Lange Schlangen vor der Rampe und entsprechend genervte Fahrer sowie gestresste Lagermitarbeiter sind keine Seltenheit. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich sogar das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit dem Handbuch "Schnittstelle Rampe" dieses Themas angenommen hat. Die Ansätze, wie die Situation beim Be- und Entladen entschärft werden kann, sind vielfältig. 

Eine Möglichkeit sind IT-Systeme für das Zeitfenstermanagement, sogenannte ZMS. Diese Lösungen können dabei helfen, den buchstäblichen Ansturm auf die Rampen zu entzerren. Sind doch Informationsdefizite laut BMVI eine der Hauptursachen für die Staus vor den Rampen.

Um die Lager- und Transport­aktivitäten effizienter planen und steuern zu können, hat beispielsweise der Logistiksoftware-Spezialist Inconso ein Zeitfenster-Management-System (ZMS) namens Inconso DSM (Dock & Slot Management) entwickelt. Dabei haben die Bad Nauheimer nach eigenen Angaben die Vorteile eines intelligenten Organisations- und Informationssystems in einer Anwendung vereint. Hierbei bezieht Inconso DSM sowohl Arbeitsschichten als auch Werkskalendarien ein und differenziert Gebäude, ebenso wie einzelne Gebäudebereiche, sowie Tore und Rampen entsprechend ihrer spezifischen Eigenschaften. Gemeint sind damit etwa Rampen für die Kran-, die Seiten- oder aber die vollautomatische Container-Entladung.

Per Webportal buchen

"Inconso DSM arbeitet mit einem autonomen Datenmodell und kann prinzipiell an alle Fremdsysteme über Schnittstellen angebunden werden", erklärt Inconso-Marketingleiterin Sigrid Jung-Salzinger auf Anfrage von trans aktuell. Standardmäßig erfolgt die Kommunikation via Webservice. Aber auch andere Schnittstellen sind technisch grundsätzlich möglich.

Die Buchung eines Zeitfensters funktioniert per Webportal. Eine Anmeldung mittels App ist schon bald ebenfalls möglich. Die Lösung dazu befindet sich derzeit in der Testphase.

In dem Webportal finden Verlader einen entsprechenden Übersichtsdialog, einen sogenannten Gantt-Chart. Dort sind alle Aktivitäten in ihrer zeitlichen Abfolge und Dauer durch Balken abgebildet. Die Logistikdienstleister wiederum bekommen freie Zeitfenster in Form einer Liste angezeigt. Abhängig vom Zeitpunkt, kann der Logistikdienstleister eigenständig stornieren oder umbuchen. "Ab einem gewissen Zeitpunkt ist dies aber nur noch dem Verlader erlaubt", sagt Jung-Salzinger.

Mit Carlo Exchange hat auch der Logistik-Software-Anbieter Soloplan ein entsprechendes ZMS im Portfolio. Die Plattform ist ebenfalls für Verlader und Transporteure gedacht. Damit können sich die rund 15.000 Anwender der Logistiksoftware Carlo miteinander vernetzen und gegenseitig in ihre Prozesse integrieren. Die Funktionalitäten stehen allerdings nur den Mitgliedern von Carlo Exchange zur Verfügung. "Es kann sich aber natürlich jeder registrieren – auch Selbstfahrer", sagt Soloplan-Chef Wolfgang Heidl gegenüber trans aktuell.

Die Anmeldung erfolgt abermals über ein Webportal. Dort kann der Nutzer sich ein kostenloses Profil anlegen. "Anschließend laden sie ihre Partner ins Netzwerk ein und können ab dann mit diesen ihre Aufträge über Carlo Exchange managen", erläutert Heidl. Ein einsprechendes Tool sorgt dafür, dass alle wichtigen Daten in die jeweilige ERP- oder TMS- Lösung übertragen werden.In der Webanwendung wiederum ist ein Zeitplaner je Rampe sichtbar. Dort kann der Nutzer sehen, ob eine Rampe für einen bestimmten Zeitraum belegt ist oder ob noch freie Slots verfügbar sind. 

Storno möglich

Gegebenenfalls können Reservierungen einer Rampe aber auch wieder storniert werden. "Der Besitzer der Rampe kann jedoch einen Zeitraum festlegen, ab dem eine Stornierung nicht mehr möglich ist, um zu verhindern, dass beispielsweise eine Reservierung eine halbe Stunde vor Termin storniert wird", erläutert Heidl. 

Bei den rund 850 Kunden, bei denen die Speditionssoftware Carlo im Einsatz ist, ist die ZMS-Funktionalität bereits integriert. Ein Unternehmen, das diese Funktion nutzt, ist die Spedition Dischner in Weiding. Und das nicht ohne Grund: "Die Zukunft wird einen noch detaillierteren Datenaustausch nicht nur mit dem Fahrer bringen, sondern auch die Kommunikation mit dem Kunden auf eine neue Ebene stellen. Die Vernetzung von Büro zu Fahrer sollte daher bereits beim Kunden beginnen", sagt Dischner-Geschäftsführer Josef Dischner. Allein das Übertragen der Positionsdaten einer Sendung sei einfach nicht genug.

Bereits realisiert ist bei Soloplan die vollkommene Synchronisation von der Auftragserteilung durch den Kunden bis hin zur automatisierten Online-Rückmeldung nach Zustellung. "Soloplan bietet hierfür mit dem Produkt Carlo Exchange eine durchdachte Lösung", berichtet Dischner aus seiner Praxiserfahrung. Schließlich hört es mit dem Be- beziehungsweise Entladen an der Rampe noch lange nicht auf.

Schnittstelle Laderampe

  • Die "Optimierung der Abläufe an Verladerampen" ist Teil des Aktionsplans Güterverkehr und Logistik des BMVI
  • Das Handbuch "Schnittstelle Rampe" zeigt Problemlagen auf und dokumentiert anhand von Praxisbeispielen, wie diese gelöst werden können
  • Das Handbuch sowie weitere Infos können hier heruntergeladen werden: www.bmvi.de/rampenoptimierung

Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 16/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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Datum

11. August 2016
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