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Wissenswertes: Alles über Standheizungen

Die Standheizung gehört zu den ganz unauffälligen Teilen, ohne die dennoch kein Fernverkehrs- Lkw vom Band rollt. Für mollige Wärme auch in frostigen Nächten ist sie unabdingbar.

Ladenhüter Nummer eins in vielen Lkw-Werkstätten ist ein schmaler blauer Plastiktank. Sein Fassungsvermögen beträgt zehn Liter und er ist für Standheizungs-Diesel gedacht. Denn mit dem Aufkommen von Biodiesel stellte sich schnell heraus, dass der umweltfreundliche Treibstoff die Angewohnheit hat, Standheizungen zu ruinieren. Heute nun gibt es zwar einige Standheizungen, die Biodiesel vertragen. Doch da die Steuer auf Biodiesel inzwischen so gestiegen ist, dass mit diesem Saft nicht mehr nennenswert gespart werden kann, war deren Entwicklung ziemlich für die Katz. So schnell kann’s gehen.
Ohne Standheizung rollt aber schon seit den 90er-Jahren kein Fernverkehrs-Lkw mehr vom Band. Damals wie heute schreibt die einschlägige Arbeitsplatz-Richtlinie vor, dass bei Vorhandensein von Liegen "bei einer Außentemperatur von minus 15 Grad Celsius in Raummitte eine Innentemperatur von mindestens 15° C" zu erreichen sei.

Unnötiges Laufenlassen des Motors ist eine Ordnungswidrigkeit

Bei den heutigen Dieselpreisen wäre diese Vorschrift aber gar nicht nötig. Der moderate Aufpreis (ab ungefähr 800 Euro im Handel) rechnet sich schnell: Schluckt eine gängige Standheizung zwischen 0,1 und 0,6 Liter Diesel pro Stunde, langt ein laufender Motor doch immerhin mit anderthalb bis zwei Litern im gleichen Zeitraum zu. Ganz zu schweigen davon, dass unnötiges Laufenlassen des Motors – selbst während des Freikratzens der Scheiben – als Ordnungswidrigkeit gehandelt wird. Drei Sorten Standheizungen gibt es: Luft, Wasser und Gas. Auf Flüssiggas basierende Systeme (Stichwort "Truma") sind zwar flüsterleise und glänzen durch besten Wirkungsgrad, gehören aber dennoch zu einer aussterbenden Art: Die dazugehörige Fünf- Liter-Gaspulle ist einfach zu sperrig. Und die alle zwei Jahre vorgeschriebene Gasprüfung für solche Anlagen kompliziert die Sache ein weiteres Mal. Luft- und Wasserheizsysteme, die ihren Sprit ganz einfach aus dem Dieseltank des Fahrzeugs schlürfen, sind da wesentlich einfacher in der Handhabung. Ihr Wesen ist so unkompliziert, dass sie im Rahmen von Wartungsplänen gar nicht erst auftauchen. Trotzdem treten auch diese Teile manchmal in Streik.

Luftheizungen mit einer Leistung von zwei bis vier Kilowatt sind in Europa gängig

Zwar gelten 3.000 bis 5.000 Betriebsstunden als Richtwert für die Lebensdauer, was ungefähr 350 bis 600 durchgeheizten Nächten entspricht. Doch kann Unachtsamkeit diese Spanne beträchtlich verkürzen. Wenn zum Beispiel der Vorhang oder Bettzeug über die Ansaugöffnung im Fahrzeuginneren hängen und so die Luft abschnüren, dann strapaziert das über Gebühr. Auch wenn die Ansaugung außen verstopft ist, läuft das System zu fett und wird auf Dauer verkoken.
Generell gilt außerdem: Je staubhaltiger die Kabine, desto eher setzen sich die Heizlamellen mit Gewölle zu. Wer bei laufender Standheizung mit der Luftpistole rumspielt, beschleunigt diesen Prozess erheblich. Denn damit erhebt sich der Staub zwar in die Lüfte. Aus der Kabine herausgeschafft ist er auf diese Weise aber keineswegs. Gängig sind in den gemäßigten Breiten Europas Luftheizungen mit einer Leistung von ungefähr zwei bis vier Kilowatt. Sie verfügen über zwei Kreisläufe für die Luft: Der eine saugt sie außen an, bedient damit den Brenner und bläst sie auch wieder nach draußen raus. Der andere saugt sie innen an, schleust sie durch die Wärmekammer und entlässt sie dann auch wieder ins Kabineninnere.

Die Lautstärke der Luftheizung hängt von ihrem Einbauort ab

Dass die Heizluft nicht außen angesaugt werden darf, geschieht aus gutem Grund: Nur zu leicht könnten Gauner ihr dann Gase zumischen, die den Bewohner der guten Stube außer Gefecht setzen. Wie stark sich das manchmal nervige Sirren der Luftheizung bemerkbar macht, hängt stark von der Einbauposition ab. Im Scania zum Beispiel sitzt sie unter der Liege und siedelt damit näher am Ohr des Schläfers als beim MAN, der das Ding unterhalb des Fahrzeugbodens spazieren fährt.
Hauptsächlich in Gegenden mit strengem Frost sind Wasserheizungen weitverbreitet. Diese Geräte klinken sich in den Kühlwasser- Kreislauf des Motors ein, indem sie dem Kühlmittel einheizen. Über den Wärmetauscher wird die Luft indirekt erwärmt. Die Düsen der Fahrzeugklimatisierung leiten dann die Wärme in die Kabine. Das bringt eine feinere Verteilung der Warmluft und ein besonders niedriges Betriebsgeräusch mit sich, ist aber in anderer Hinsicht nicht ganz ohne: Noch mehr als bei der Luftheizung sollten die Batterien schon über eine gewisse Standfestigkeit verfügen, damit der Motor am Tag danach noch anspringt. An elektrischen Verbrauchern herrscht kein Mangel bei den Standheizungen. Ob Kraftstoffpumpe, Gebläse, Glühstift oder Steuergerät: Sie alle brauchen Strom. Schluckt eine kleine Luftheizung zum Beispiel maximal ungefähr 1,3 Ampere pro Stunde, so kann eine Wasserheizung schnell auch mal das Drei- bis Vierfache in Anspruch nehmen.

Luft- und Wasserheizungen lassen sich sinnvoll kombinieren

Wer damit ein Wochenende lang heizt, mutet damit auch potenten Batterien unter Umständen schon zu viel zu. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Parkplätze in Skandinavien mit einer Stromversorgung gesegnet sind, wie sie hierzulande nur auf Campingplätzen anzutreffen ist. Zu den weiteren Vorteilen einer Wasserheizung gehört im Gegenzug, dass sie dem Motor verschleißintensive Kaltstarts erspart. Je kälter die Temperatur beim Starten ist, desto mehr schlaucht das die Maschine. Ein Kaltstart bei minus 30 Grad entspricht dem Verschleiß von etlichen tausend Kilometer Fahrt mit warmem Motor. Luft- und Wasserheizung lassen sich beim Lkw durchaus auch sinnvoll kombinieren.
MAN zum Beispiel bietet eine zweigleisige Lösung, bei der das Fahrerhaus in erster Linie mit einer Luftheizung temperiert wird. Auf Wunsch heizt dabei ein in den Kühlmittelkreislauf integriertes Wasserheizgerät zudem die Kühlflüssigkeit auf. Dieses Wasserheizgerät kann außerdem während der Fahrt zuheizen, wenn lange Talfahrten oder Stopand-go-Verkehr dies erfordern. Der neue Actros wiederum arbeitet ganz ohne Luft-Standheizung, bedient sich für kurzzeitige Heizperioden aber trotzdem nicht gleich seiner Wasserheizung. Eine Restwärmepumpe nutzt im neuen Actros das nach dem Abstellen des Motors vorhandene Wärmepotenzial der Maschine so aus, dass es für maximal 1,5 Stunden Heizbetrieb reichen soll. Das spart auf elegante Weise Sprit.

Ein Schläfer kann zwei Liter Feuchtigkeit alleine über seinen Atem abgeben

Was auch immer die Kabine heizt: Besser wird die umgepumpte Luft im Laufe einer Matratzensession bestimmt nicht. Selbst wenn er nicht schwitzt, gibt der Mensch allein schon über den Atem jede Menge Feuchtigkeit ab. Es kann sich unter Umständen auf zwei Liter oder sogar mehr addieren, was der Schläfer im Laufe einer Nacht an die Umgebung weiterreicht. Dicke Luft in der Kabine ist die logische Folge. Und da warme Luft mehr Wasserdampf als kalte Luft aufnehmen kann, kondensiert die in der warmen Luft enthaltene Feuchtigkeit an allen jenen Teilen der Umgebung, deren Temperatur unter dem Taupunkt liegt.
An solchen Stellen herrscht im Lkw mit seinen vielen Kältebrücken überhaupt kein Mangel. Zweimannbetrieb, nasse Klamotten oder in die Kabine reingeschlepptes Schneewasser: Das sind zusammen mit dem Handtuch nach dem Duschen die Haupursachen dafür, dass es schwül wird innen. Folge: Feuchtigkeit schlägt sich praktisch überall im Innenraum nieder. Wer damit zu lässig umgeht, könnte sich auf kurz oder lang mit einem gewissen Muffeln konfrontiert sehen.

Ausgiebiges Durchlüften erspart eine Menge Ärger

Als Gegenwehr bietet sich an: zum einen schon während des Schlafens für eine gewisse Belüftung sorgen. Wo ein leicht geöffnetes Fenster zu riskant ist, tut es dann genauso gut eine leicht geöffnete Dachluke. Das verbessert das Raumklima schon einmal erheblich. Und nach dem Aufstehen die Bettwäsche kurz mal über die Liege zu hängen ist immer eine gute Idee. Sollte sich trotzdem zu viel Dunst in der Kabine angesammelt haben, gibt es zwei Methoden, ihr die Feuchtigkeit dann wieder auszutreiben. Nummer eins: durch Heizen plus Trocknerfunktion der Klimaanlage. Sie ist vor allem dann zu empfehlen, wenn draußen feuchtes Wetter herrscht.
Methode Nummer zwei, die nach alter Väter Sitte vorgeht und vor allem bei trockenem Wetter unter fünf Grad bestens funktioniert: Die Bude – ganz wie zu Hause das Schlafzimmer – einfach mal eine gute Weile durchlüften. Dieses Verfahren bringt als zusätzlichen Vorteil mit sich, dass ganz nebenbei der Herr des Hauses sich ein wenig die Beine vertreten kann. Und obendrein selbst eine schöne Portion Frischluft abbekommt.

Autor

Foto

Michael Kern, Werk

Datum

15. Februar 2012
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