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Wiedmann & Winz: Eine Fahrt ins Blaue

Die Spedition Wiedmann & Winz wirbt mit dem neuen Actros in Firmenfarben. Der Clou daran − den blauen Lkw gibt es so noch gar nicht. Das Unternehmen hat ein graues Testfahrzeug nach Spanien geschickt, dort in Szene gesetzt und die Bilder hinterher am Rechner bearbeitet.

Der Internetauftritt ist das Stiefkind in der deutschen Transportbranche. Es gibt Firmen, auf deren Homepage bereits verkaufte Lkw abgebildet sind, die mit rumänischem Kennzeichen von der deutschen Polizei längst aus dem Verkehr gezogen wurden. Die selben Unternehmen suchen gleichzeitig in sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. unter der netzaffinen Jugend Probanden als Nachwuchs für die Berufskraftfahrerausbildung. Das kann eigentlich nur schief gehen - selbst bei Hauptschülern, die oft nicht die Fittesten in Sachen Orthografie sein mögen, aber ihr Smartphone beherrschen. Keine Zeit, heißt es dann bei den Spediteuren immer als Argument. Das Tagesgeschäft geht vor.

Virtuelles Marketing 

Es geht aber auch anders. Auf raffinierte Art und Weise betätigen sich einige Spediteure bereits im Netz und nutzen die Möglichkeiten des virtuellen Marketings - mitunter mit mehr Schein als Sein. So wirbt auch der Logistikdienstleister Wiedmann & Winz aus Geislingen an der Steige bereits mit dem neuen Mercedes-Actros in Firmenfarben, obwohl das Fahrzeug noch gar nicht auf dem Hof steht. Geschäftsführer Dr. Micha Lege (45) begründet das wie folgt: »Dass wir im Internet bereits jetzt mit dem neuen Actros in unseren Hausfarben werben, ist für mich eine klare Qualitätsaussage.« Der Netzauftritt des mittelständischen Unternehmens legt die Messlatte bereits hoch. Flankiert wird die Außendarstellung von einer Kundenzeitschrift und zwölf Newslettern im Jahr. Beinahe legendär schon war die im Stil eines Formel 1-Teams gestaltete Suche nach 40 Kraftfahrern für 40 zu vergebende Arbeitsplätze auf einem Actros. »Der damalige Erfolg hat den Aufwand absolut gerechtfertigt«, bilanziert Lege. »Und auch jetzt wollen wir der Zeit wieder ein Stück weit voraus sein«, betont er. Daher der neue Actros. »Ein Argument, ihn mit unserem Haus in Verbindung zu bringen, ist der Mangel an qualifizierten und motivierten Berufskraftfahrern, der auch bei uns im Einzugsgebiet von Stuttgart deutlich zu spüren ist.« 

Vorsprung durch Bildtechnik

Diesmal heißt es nun: Vorsprung durch Bildtechnik. Der Actros 1851 Gigaspace, von Profifotograf Dieter Rebmann vor malerischer spanischer Kulisse in Szene gesetzt, trug eigentlich ein silberfarbenes Kleid. Doch da Lege schon seit Jahren traditionell im Rahmen einer Low Cost-Produktion etwas aus dem Marketingbudget für Spitzenfotos seiner neuen Fahrzeuge ausgibt, wurde dieser Actros Protagonist einer abenteuerlichen Reise auf die Iberische Halbinsel. Die Ausbeute: rund 50.000 Fotos, die der mit Lege befreundete Profi Rebmann mit seiner digitalen Hasselblad im HDR-Format schoss. »Der Actros wurde in silberner Lackierung mit Tarnung ausgeliefert, bei uns mit unserem Namenszug beschriftet und später hier in einer Schule für Bildbearbeitung am Rechner nachkoloriert«, berichtet Lege. »50 Fotos haben wir ausgesucht, einige haben fast 3D-Qualität. Farblich haben sie die Wahrheit fast getroffen.« 

Der Lkw in Blau existiert nur virtuell

Der Firmenchef macht gar keinen Hehl draus: Der Lkw im Unternehmensblau existiert nur virtuell. Zwar hat Wiedmann & Winz eine moderne Actros-Flotte, nach etwa 800.000 Kilometern werden die Lkw ersetzt. Nur den neuen Actros, der erst jetzt an die ersten Flotten ausgeliefert wird, den hat Wiedmann & Winz eben noch nicht - obwohl man ihn möglicherweise schon im kommenden Frühjahr in die Flotte integrieren möchte, wie Lege es vorsichtig formuliert. Die graue Zugmaschine für den Trip nach Spanien war nur ein Testfahrzeug. Natürlich beherrscht Fuhrparkleiter Carsten Effenberger im Auftrag seines Geschäftsführers das branchentypische Spiel: Derzeit testet er einen MAN TGX 18.440 und einen Scania R 420 Topline als Referenzfahrzeuge hinsichtlich Dieselverbrauch und Fahrerkomfort. Gegen sie musste auch der neue Actros 1851 mit Euro 5-Motor in einem Test bestehen. »Im August war ich bei der Kundenvorstellung des neuen Actros in Münsigen und war sofort begeistert. Dabei entstand auch die Idee mit der Fahrt nach Spanien.«

Auch bei Profis gibt es keine Garantie

Und die barg so manche Überraschung: Denn auch bei Logistikprofis, deren Tagesgeschäft die Tourenplanung ist, gibt es keine Garantie, dass alles reibungslos abläuft. Die Ladung, Messegut für Barcelona, stand bereits parat, doch der Actros kam zu spät. Und so mussten Fuhrparkleiter Effenberger sowie der langjährige Fahrer und Betriebsrat Salvatore Billeci die verlorene Zeit erst mal wieder einholen, während Lege und Rebmann in den Billigflieger stiegen und den Lkw vor Ort mit einem Peugeot Cabrio erwarteten. »Nach der Entladung sind wir am Wochenende mehr oder weniger auf Verdacht in die Stadt und ins nähere Umland gefahren, nachdem wir vorher mit dem Pkw als Locationscouts die besten Plätze für gute Hintergründe gesucht haben.« Womit das Team aber nicht gerechnet hatte: ein Marathon in Barcelona, Lkw-Parkverbot im Hafen, ständig alte Laster oder quirlige Mopeds, die durchs Bild fuhren, dazu eine auch für Lege fast unglaubliche Neugier anderer Lkw-Fahrer, die sich selber vor dem neuen Mercedes fotografieren ließen. Dann rein die Berge rund um Barcelona, steile Straßen hoch zum Kloster Montserrat, 40 Kilometer nordwestlich der katalanischen Hauptstadt. Und das bei 37 Grad im spanischen September. Lege immer vorne im Cabrio, auch über die futuristische Brücke bei Valencia und bei Gerona runter ans Meer, Rebmann den nachfolgenden Actros im Sucher. Die Bilanz des Tages: »Abends waren wir immer fix und fertig.« 

Die schönsten Actros-Bilder in Unternehmensfarben

Doch die Mühe hat sich gelohnt. Man  muss wohl neidlos anerkennen: Herausgekommen sind, neben den Werbebildern, die Mercedes-Benz selber veröffentlicht, die derzeit wohl schönsten Fotos, die es mit dem neuen Actros in Firmenfarben gibt. Kein Wunder, denn Rebmann arbeitet als freier Fotograf auch für den Nutzfahrzeugkonzern, sucht auf der ganzen Welt nach den schönsten Motiven. »Es macht immer wieder Spaß, mit ihm zusammen auf Tour zu gehen«, lobt Spediteur Lege. Fast schweren Herzens flog er schließlich nach Abschluss der Fotosession wieder heim.

26,8 Liter Diesel verbraucht

Für Fuhrparkchef Effenberger ging das Abenteuer weiter: Er lud danach eine acht Meter lange und zehn Tonnen schwere Maschine für Calw zurück, lieferte sie am Freitag aus und brachte noch aus dem eigenen Standort Nürtingen zum Abschluss der Tour 25 Tonnen Stahl ins Logistiklager nach Geislingen. So gibt es immerhin die Aussage, dass der Actros auf 4.300 Kilometern im Schnitt 26,8 Liter Diesel verbraucht hat und einen fantastischen Fahreindruck hinterlassen hat. Ob es am Ende reicht, gegen die beiden Referenzfahrzeuge zu bestehen, wird sich zeigen. Aber die Bilder im Internet sind so gut wie ein Versprechen. Nur ein Problem hat Lege jetzt noch: »Es fällt mir wirklich schwer, mich jetzt von den Bildern zu trennen, die wir gerade erst von der MP3-Serie gemacht haben.« Ein Gutes hat das Ende der Fotosession aber auch: »So habe ich wieder Zeit für das Tagesgeschäft.«

ÜBRIGENS: Wem die Bildergalerie der "Fahrt ins Blaue" gefallen hat, kann sich die Bilder hochauflösend von Wiedmann & Winz-Homepage herunterladen .






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Wiedmann & Winz - Das Unternehmen

Der Logistikdienstleister Wiedmann & Winz wurde 1941 von Hugo Wiedmann gegründet. Die Geschäftsführung des Familienunternehmens mit rund 200 Mitarbeitern, sechs eigenen Standorten, einer in Sibiu (Rumänien), sowie 30.000 Quadratmeter großen Logistikfläche liegt heute in den Händen von Gerd Wiedmann und Dr. Micha Lege. Schwerpunkte sind Kontraktlogistik und Stahltransporte. Täglich sind 150 Fahrzeuge auf Europas Straßen unterwegs, davon 100 eigene Lastzüge. Die ziehenden Einheiten stammen ausnahmslos von Mercedes-Benz. Wiedmann & Winz hat seine Zentrale in Geislingen (Steige), beschäftigt 120 Lkw-Fahrer und bildet kontinuierlich Nachwuchs aus. Mehr unter www.wiedmann-winz.de.

Foto

Dieter Rebmann

Datum

30. November 2011
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