Der Western Star 5700 löst den Peterbilt 379 als Transformers-Hauptdarsteller Optimus Prime ab. 12 Bilder Zoom

Western Star 5700 OP: Probefahrt mit Optimus Prime

Der Western Star löst den Peterbilt 379 als Transformers-Hauptdarsteller Optimus Prime ab. Wir sind mitgefahren.

Ein Weltstar auf der IAA Nutzfahrzeuge! Kein Geringerer als Optimus Prime hat die weite Reise über den großen Teich nach Hannover unternommen, um der Messe und insbesondere dem Daimler-Stand zusätzlich internationales Promi-Flair zu verleihen. Was auf den ersten Blick wie ein exzessiv getunter Western Star 5700 aussieht, ist der Hauptdarsteller in einem der erfolgreichsten aktuellen Blockbuster. Dieser Western Star hört nämlich auf den Namen Optimus Prime und ist Anführer der Autobots in der mittlerweile vierteiligen Comic-Verfilmung Transformers. Die Autobots setzen sich im Kampf gegen andere Maschinenwesen, die Decepticons, auf der Erde für die Freiheit der Menschheit ein. Um sich unauffällig unter uns zu bewegen, verwandeln beziehungsweise transformieren sich die Autobots von der brachialen Robotergestalt in – nun ja – beinahe alltägliche Fahrzeuge. Während die vier Verbündeten von Optimus Prime im Film als Sportwagen, Pick-up und SUV auftreten, entschied sich Regisseur Michael Bay beim Anführer der Truppe für einen Langhauber.

Premiere für den Western Star

Ursprünglich war Optimus Prime als Frontlenker mit Auflieger konzipiert. Deshalb tritt der Hauptdarsteller im vierten Teil der Transformers-Reihe auch zunächst in Gestalt eines rostigen Kenworth K100 Cab-over von 1984 auf. Erst im Verlauf des Films wechselt er seine Erscheinung in den Western Star 5700 OP – „OP“ für Optimus Prime. Bislang stellte die Paccar-Gruppe den Alter-Ego-Lkw für Optimus Prime. In den ersten drei Teilen verwandelte sich der Autobot in einen Peterbilt 379. Dass Paccar nun nur noch einen rostigen Kenworth K100 im Film platzieren darf, spricht Bände über das Verhandlungsgeschick der Daimler-Tochter Western Star. Die US-amerikanische Marke hat gleich zwei identische Fahrzeuge für den Film aufgebaut: eines für Studioaufnahmen, das zweite für Fahrszenen. Letzteres hat seit Abschluss der Dreharbeiten nur einen Termin in Deutschland wahrgenommen – eben jenen auf der IAA. Diese einmalige Gelegenheit hat sich FERNFAHRER nicht entgehen lassen und für eine flotte Runde übers Messeareal im Filmhelden Platz genommen.

Spannung vor dem Einstieg in die Kabine

Die blau-rote Lackierung und der üppige Zierrat an allen Ecken und Enden lösen schon Glücksgefühle aus, bevor sich der Schlüssel im Zündschloss dreht – und das nicht nur bei Freunden des gut gelaunten Krawallkinos. Aber erst mal den Schlag geöffnet. Für europäische Augen ist der erste Blick in die Kabine des Langhaubers immer wieder eine Offenbarung: Das Raumangebot ist opulent, vor allem die große Sitz- und Liegeecke sowie der mehr als reichlich bemessene Stauraum sind überwältigend. Optimus Prime kann defi nitiv reichlich einstecken. Eher verwirrend als einladend fällt für europäische Fahrer der Blick auf den Armaturenträger aus, der mit einer Vielzahl an Displays, Uhren und Schaltern eher an ein Flugzeugcockpit erinnert. Wer genauer hinsieht, entdeckt, dass in Hollywood vieles mehr Schein als Sein ist. Kulissen gaukeln im Film eine vermeintliche echte Umgebung vor – das war schon immer so und ist auch bei Transformers der Fall. Rechts von den Instrumenten für Geschwindigkeit, Luft und Temperatur ist im Western Star ein Paneel verbaut, das lediglich als Filmkulisse dient. Funktionen erfüllt dieser Teil des Cockpits während der Fahrt auf echten Straßen keine. Alle echten Schalter finden sich dafür unterhalb des Armaturenträgers. Optimus Prime zu lenken ist so keine leichte Aufgabe. Aber wer erwartet das schon von einem exzentrischen, millionenschweren Filmstar. Eine echte Wohltat sind die Sitze. Sie sind so gemütlich, dass sie gut und gerne in einem Wohnzimmer stehen könnten. Eine komfortable Sitz- und Fahrposition ist daher schnell gefunden.

Interessierter Blick unter die Haube

Was aber kann der Antrieb des mächtigen Autobots? Also dem 16-Liter-Aggregat von
Detroit Diesel mit einem Schlüsseldreh – wie schnöde – Leben eingehaucht. Den Fahrmodus des automatisierten Zwölf-Gang-Getriebes eingelegt und die Hände ans vergleichsweise kleine Lenkrad mit todschickem Transformers-Logo in der Mitte gelegt. Damit – und auch mit dem riesigen Radstand der Zugmaschine – möchte man nicht durch einen Kreisverkehr zirkeln. Beim Tritt aufs Gaspedal setzt sich der Truck mit einem Ruck in Bewegung. Nein, fl iegen kann er nicht. Schade eigentlich. Welche Leistung das Aggregat aber tatsächlich auf die Kurbelwelle stemmt, dazu ließ sich von den Mercedes-Mannen kein Statement entlocken. Die wahre Identität der Autobots ist eben top secret. Megatron, der ewige Gegenspieler von Optimus Prime, soll es schließlich nicht erfahren. Fest steht jedoch: Den DD16 liefert das Werk mit Leistungen von 475 bis 600 PS. Ohne Gewicht auf der Sattelplatte lässt sich nicht mal vermuten, welche Leistungsstufe tatsächlich unter der Haube werkelt. Fahrzeugpapiere gibt es auch keine, Der Grund dafür ist, dass der Lkw für Filmzwecke so umgebaut wurde, dass er keine Straßenzulassung mehr bekommt. Nun aber setzt sich das spektakuläre Gefährt auf dem Messeareal in Bewegung – und eher enttäuschend, weil überaus rustikal, fällt der Fahrkomfort aus. Für Kenner von US-Trucks ist das keine große Überraschung. Das Fahrwerk der US-Langhauber kann traditionell nicht mit denen moderner europäischer Lkw konkurrieren. Auch die Geräuschkulisse in der Kabine könnte um einiges dezenter sein. Ein Autobot muss aber auch grimmig klingen. Transformers ist schließlich keine Schmonzette, sondern ein sattes Actionspektakel. Optimus Prime schmust nicht, er haut Decepticons weg.

Ein Truck für den amerikanischen Markt

Und doch ist nicht alles nur schöner Schein, was aus Hollywood kommt. Auch hinter Optimus Prime steckt mehr. Der echte Western Star 5700 XE, das Vorbild für Optimus Prime, soll ab 2015 in Amerika in den Verkauf gehen. Somit ist Optimus Prime nicht nur ein Hollywood-Star, sondern auch ein Ausblick auf die nächste Generation Fernverkehrs-Fahrzeuge aus dem Hause Western Star. Der Auftritt im Kino sollte den Fernverkehrs-Star gleich standesgemäß einführen. In Europa hätte das Fahrzeug als Alltagswerkzeug einen schwereren Stand, weil die Technik im Vergleich zu Mercedes Actros und Co. abfällt. Optisch ist das Fahrzeug dafür der Wahnsinn. Vor allem die sechs blitzenden Auspuffrohre hinter der Fahrgastzelle ziehen Blicke auf sich. Da spielt es auch keine Rolle, dass diese nicht mal an das Abgassystem angeschlossen sind. Hinzu kommen zahlreiche Chromelemente bis hin zur vollverchromten Sattelplatte. Die hätte wohl im Transportalltag auch einen schweren Stand. Das i-Tüpfelchen sind die Chromfelgen mit handgefertigten Transformers-Zierblenden. Die könnte sich manch ein europäischer Transformers-Fan wiederum am eigenen Truck vorstellen. Ohne die geniale Optik ist der Optimus Prime zwar eher nutzfahrzeugtechnisches Mittelmaß und schöner Schein. Mit seinem Auftritt im Kino hat er sich aber einen besonderen Platz im Herzen der Lkw-Liebhaber erarbeitet. Mal sehen, welcher Truck als Nächstes die Menschheit verteidigt.

Mehr Bilder von Optimus Prime finden Sie in der Ausgabe 12/2014 von FERNFAHRER, erhältlich am Kiosk oder ganz bequem in unserem Shop.

Technische Daten

MOTOR

Reihensechszylinder DD16 mit Turboaufladung; Einspritzung per elektronisch geregeltem Common-Rail-System und Druckverstärkung ACRS, EPA13 und GHG14 per AGR, SCR und DPF

Bohrung/Hub: 139/171 mm
Hubraum: 15.569 cm3
Nennleistung: 600 PS (330 kW) bei 1.800 U/min
Maximales Drehmoment: 2.780 Nm bei 1.100 U/min

KRAFTÜBERTRAGUNG

Getriebe: Automatisiertes Getriebe Detroit DT12
Achsen: Detroit-Single-Vorderachse mit Luftfeder, Air-Liner-Tandem-Hinterachse mit Luftfeder

Portrait

Autor

Foto

Joachim Mottl

Datum

2. Dezember 2014
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