Brennstoffzellenbus 3 Bilder Zoom

Werkstatt für Brennstoffzellenbusse: Das A und O ist Sicherheit

Das Autohaus Karl Russ in Nürtingen hat eine Werkstatt für Brennstoffzellen-Busse eingerichtet. Wir sprachen mit Firmenchef Stefan Russ über das Motiv.

Um innovative Antriebe ging es beim Werkstattgespräch von e-mobil BW, der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellen-Technologie in Baden-Württemberg. Das Gespräch mit hoch­karätigen Referenten aus Wirtschaft, Verkehrsbetrieben und Politik fand im Autohaus Karl Russ in Nürtingen statt. Nach der Veranstaltung sprach WERKSTATT aktuell mit Stefan Russ, dem geschäftsführenden Gesellschafter des Autohauses Karl Russ über die speziellen notwendigen Eigenschaften der Werkstatt.

Was war der Grund, eine Werkstatt für Brennstoffzellen-Busse einzurichten?

Die stetig steigende Zahl unserer Kunden, die bereits Fahrzeuge mit Brennstoffzellen-Technologie im Einsatz haben. Es war schon immer unser Bestreben, unsere Kunden mit modernster Technik zu betreuen. Als Vertragspartner von Daimler hatten wir außerdem bereits viele Berührungspunkte mit unterschiedlichen alternativen Antrieben, auch mit der Brennstoffzellen-Technologie, da Daimler ganz in der Nähe von uns, in Kirchheim-Nabern, eine Forschungseinrichtung betreibt.

Wie hatten Sie in diesem Bereich bisher Ihre Kunden betreut?

Aufgrund der besonderen Problematik beim Umgang mit Wasserstoff-Fahrzeugen haben wir seither unsere Serviceleistungen größtenteils im Freien durchgeführt. Das ist durchaus möglich, da nur das Arbeiten in geschlossenen Räumen ­eine Gefahr darstellt. Unsere neue Werkstatt ermöglicht uns nun auch ein sicheres Arbeiten in geschlossenen Räumen.

Wie viele Kunden haben Sie in diesem Bereich?

Von den Kundenzahlen her ist das Ganze überschaubar. Dabei muss man bedenken, dass ein normaler Linienbus 250.000 bis 300.000 Euro kostet. Brennstoffzellen-Busse kosten rund 1,3 Millionen Euro. Für ­einen Verkehrsbetrieb oder einen Unternehmer stellt sich dann die Frage: Rechnet sich die Anschaffung oder nicht? Wegen unserer Erfahrungen und unseres entsprechend gut geschulten Personals bringt auch Daimler Brennstoffzellen-Fahrzeuge zu uns. Aber auch hier ist die Zahl überschaubar. Wenn man also Kunden mit Fahrzeugen hat, kann sich die spezielle Werkstatteinrichtung lohnen. Rein wirtschaftlich darf man das allerdings nicht betrachten. Es geht ja auch darum, dass wir für unsere Kunden ein kompetenter und verlässlicher Partner für alle Produkte unseres Herstellers sein möchten.

Was hat die Einrichtung Ihrer Brennstoffzellen-Werkstatt gekostet?

Wir haben 70.000 Euro in Technik, Werkzeuge und Schulung der Mitarbeiter investiert.

Welche Anforderungen gab es für Sie an die Werkstattausrüstung?

Wir haben einen Teil unserer Werkstatt als Wasserstoffwerkstatt eingerichtet. Man benötigt dort vor allem Wasserstoffsensoren, die einen Alarm auslösen, wenn Wasserstoff austritt. Wasserstoff ist nicht ganz ungefährlich. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Werkstatt "stromlos" gemacht wird. Alles, was an Strom da ist, wird abgeschaltet. Die Geräte, die dort eingesetzt werden, sind geschützt, da entsteht kein Funkenflug. Die eigentliche Elektrik ist nicht direkt in dem Bauteil vorhanden, deshalb sind die Geräte sehr teuer. Und man benötigt in der Werkstatt große Belüftungsanlagen, die sehr schnell – innerhalb von Sekunden – den ganzen Raum umwälzen. Die speziellen Werkzeuge und Testsysteme haben wir von Daimler bekommen. Da gibt es bisher noch keine Standardwerkzeuge.

Inwieweit mussten Ihre Mitarbeiter für Arbeiten an Brennstoffzellen-Bussen qualifiziert werden?

Man braucht speziell ausgebildete Mitarbeiter. Unsere Mitarbeiter haben Hochvolt- und Wasserstoffschulungen absolviert. Die Wasserstoffschulungen haben sie bei Daimler besucht.

Wer übernahm die Kosten für die erforderliche Ausrüstung und Qualifizierung?

Die Kosten wurden komplett von uns selbst getragen. Es gibt weder Fördermittel vom Staat noch einen Zuschuss vom Hersteller. Das gilt sowohl für die Ausrüstung der Werkstatt als auch für die Schulungen der Mitarbeiter.

Ist beim Thema Sicherheit noch mehr zu beachten?

Es gibt Bereiche an einem Brennstoffzellen-Fahrzeug, die dürfen auch wir nicht sehen. Da kommen Mitarbeiter von unserem Hersteller direkt. Es gibt genaue ­Sicherheitsabstufungen, was in unseren Zuständigkeitsbereich fällt und was nicht.

An welche Bereiche dürfen Sie nicht ran?

Wir arbeiten an Gasanlagen, an der Elektronik und der Steuerung. Nicht aber an der Brennstoffzelle direkt. Die Arbeit an den Gasanlagen ist hochsensibel. Sie riechen das Gas nicht. Wenn es hier zu einem Austritt kommt, bekommt man dies unter Umständen gar nicht mit. Ein Wasserstoff-Luft-Gemisch und ein Zündfunken reichen aus, um unsere Mitarbeiter in Lebensgefahr zu bringen. Sicherheit ist also das A und O! Bei Arbeiten an den Brennstoffzellen-Fahrzeugen müssen die Sicherheitsvorkehrungen exakt eingehalten werden.

Was sind dann typische Werkstattar­beiten?

Es sind Entwicklungsfahrzeuge, da gibt es viele Fehlermeldungen. Änderungen, die nötig sind, führen wir ebenfalls durch.

Welche Chancen haben sich Ihrer Werkstatt durch die Ausweitung auf Brennstoffzellen-Busse eröffnet?

Wir sind eine neue Anlaufstelle außerhalb des Herstellernetzes. Ein Kunde, der solche Fahrzeuge hat, kann unsere Werkstatt nutzen.

Wie sieht es deutschlandweit aus mit solchen Werkstätten?

Eine Handvoll Werkstätten gibt es bereits. Das sind aber keine Werkstätten von Händlern, sondern eher von Herstellern und Verkehrsbetrieben. Wir sind meines Wissens die erste private Werkstatt in Deutschland. Deshalb haben wir unsere Werkstatt auch „erste deutsche Händler-Markenwerkstatt“ genannt. Unser Vorteil ist das spezielle Umfeld. Wir haben Kunden in der Nähe, wir haben Daimler in der Nähe. Und auch eine Wasserstoff-Tankstelle ist nicht weit weg.

Ihre Prognose zur Brennstoffzellen-Technologie?

Daimler ist ein führender Entwickler bei diesem Thema. Die Serienfahrzeuge der B-Klasse mit Brennstoffzellen sollen demnächst auf den Markt kommen. Je mehr Solarenergie wir in Deutschland haben, umso wichtiger ist die alternative Speichermöglichkeit von Energie, wie sie mit Brennstoffzellen möglich ist. Fossile Brennstoffe sind endlich, Sonnenenergie werden wir immer haben. Heute allerdings können wir mit Brennstoffzellen noch nicht wirtschaftlich arbeiten. Ich gehe aber davon aus, dass das ein großes Thema für die Zukunft ist. 

Autor

Foto

Carsten Lange

Datum

16. Dezember 2015
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