Verkehr, LNG-Tankstelle Zoom

Was treibt Lkw in Zukunft an?: Gas als günstiger Ersatz

Was treibt Lkw in Zukunft an? Antworten liefert die neue Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung. Der Einsatz von Erdgas und Bioerdgas spielt darin eine 
wichtige Rolle und lohnt sich für Spediteure.

Im Juni 2013 lag der Dieselpreis für Großverbraucher laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung bei 110,88 Euro für 100 Liter. Im Jahresdurchschnitt hat sich Diesel seit 2005 um 26 Prozent verteuert. Autogas (LPG) hat in den letzten fünf Jahren um fünf Prozent, verdichtetes Erdgas (CNG) um 12 Prozent zugelegt. Der Preis liegt aktuell bei rund 0,75 Euro je Liter und 1,06 Euro je Kilo. Zudem hat Gas einen um ein Drittel höheren Energiegehalt als Diesel. Trotzdem lag der Anteil von gasbetriebenen Fahrzeugen hierzulande 2010 bei nur 0,4 Prozent.

EU und Bund wollen mehr Gas-Fahrzeuge

Damit sich das ändert, legen sich die Europäische Union (EU) und die Bundesregierung ins Zeug. Die EU-Kommission hat im März ihre Initiative "Saubere Energie für den Transport" vorstellt, während Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer mit der Studie zur Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) erklärt, wie die Energiewende im Verkehr aus Sicht von Politik, Verbänden und Experten gelingen kann. Es gibt viel zu tun: einheitliche Preisauszeichnung für Kraftstoffe, bessere Absatzmöglichkeiten für Kraftstoffalternativen, Schnittstellenharmonisierung zwischen Fahrzeug und Tankstelle, Netzentgelte-Rabatt.

Einige Flottenbetreiber schreiten beim Erdgas schon zur Tat: etwa Budnikowsky aus Hamburg. Zur Belieferung seiner mehr als 170 Drogerie-Filialen setzt das Traditionsunternehmen drei mittelständische, regionale Spediteure ein. "Budni steht seit Jahren für Nachhaltigkeit. Es ist auch für die Logistik unabdingbar, die Transporte so ökologisch nachhaltig wie möglich zu gestalten", sagt Logistikchef Michael Quitmann. In einem Feldversuch, begleitet von Erdgas Mobil (siehe Interview), setzt jeder Spediteur seit einem Jahr einen Iveco CNG-Lkw auf allen Ausliefertouren ein.

Erdgas-Lkw sind deutlich sauberer unterwegs

Die Vorteile für Umwelt und Geldbeutel liegen für Quitmann auf der Hand: "Die Erdgas-Lkw emittieren gegenüber einem Diesel-betriebenen Lkw rund 20 Prozent weniger CO2, die Beimischung von Biogas senkt den Ausstoß weiter. Stickoxide nehmen um rund 95 Prozent ab, der Rußpartikelausstoß ist quasi auf null. Die Lärmemission konnte ebenfalls reduziert werden", sagt der Flottenprofi. "Die höheren Anschaffungskosten der Erdgas-Lkw haben sich durch erheblich geringere Kraftstoffkosten spätestens nach rund vier Jahren amortisiert", bilanziert Quitmann.

Auch beim Verbrauch punkten die leisen Lkw: Auf den überwiegend innerstädtisch geprägten Touren brauchen sie 16 bis 19 Liter auf 100 Kilometer, täglich fahren sie rund 250 Kilometer. Jede Tour sei mit 25 bis 32 Rolleinheiten ausgelastet, sagt der Fuhrparkmanager.

Biomüll treibt Müllwagen an

Zurzeit plant Budni den Einsatz von LNG. "Hierzu gibt es im August zusammen mit der Logistikinitiative Hamburg, Lkw-Herstellern und Spediteuren einen Workshop bei uns im Hause", verrät Quitmann. Auf die Ergebnisse sei er gespannt.

Clever geht die Berliner Stadtreinigung vor. Sie will bald 16 Prozent ihrer Müllfahrzeugflotte auf Erdgasbetrieb umstellen. Die gesammelten Bioabfälle werden in einer Spezialanlage fermentiert, um damit mehr als 100 Müllfahrzeuge Mercedes-Benz Econic NGT mit Bio-Erdgas zu betreiben, wie Fuhrparkleiter Bernd Sackmann erklärt. So werden 2,5 Millionen Liter Diesel jährlich gespart. Auch die Spedition HTL Logistik spart. Weil ein Mercedes-Benz Econic NGT die Flotte mit 18 Lkw ergänzt, sinkt der CO2.-Ausstoß bei einer Jahresleistung von 1,5 Millionen Kilometer um ein Viertel, teilt HTL mit. Und leiser ist der Erdgas-Lkw außerdem.

Auch die Einführung von LNG im Lkw gewinnt an Fahrt. Mit Fördergeldern will die EU LNG im Praxiseinsatz testen. Zurzeit gibt es rund 30 Tankstellen. In Holland rüsten einige Speditionen Trucks mit LNG-Technik aus, vier Tankstellen existieren, weitere sind geplant. In Deutschland fährt Hellmann mehrere LNG-Lastwagen und will auf dem Betriebsgelände eine eigene Tankstelle dafür bauen

In der Warteschleife

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"Wer in Umweltschutz investiert, verdient es, gefördert zu werden." Dies hat die EU bereits 2007 mit ihrem Lkw-Innovationsprogramm beschlossen. Maximal 4.250 Euro pro Fahrzeug wurden anfangs bewilligt. Ab Januar 2014 müssen alle neu zugelassenen Lkw die Euro-6- oder EEV-Norm 
erfüllen – womit die Förderung entfällt. Der Kauf eines emissionsarmen Lkw ab zwölf Tonnen wurde unabhängig vom Kraftstoff über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit bis zu zehn Millionen Euro pro Vorhaben unterstützt.
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Am 4. Oktober 2012 hat die KfW einen Antragsstopp verhängt, weil der Fördertopf komplett ausgeschöpft war. 22 Millionen wurden zusätzlich ausbezahlt (siehe trans aktuell 11/2013) "Seit dem Start des Innovationsprogramms im Jahr 2007 wurde die Anschaffung von etwa 86.000 emissionsarmen Lkw mit einem Zuschussvolumen von rund 196 Millionen Euro gefördert", teilte eine Sprecherin gegenüber trans aktuell mit (Stand: 30.06.2013).
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Weitere Anträge in Höhe von 16 Millionen Euro hängen in der Warteschleife. Das Bundesverkehrsministerium sei bestrebt, diese noch zu bewilligen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, so die Sprecherin. Ob nach 2013 ein neues Programm aufgelegt wird, sei noch offen.
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Bis 2016 laufe das Programm zur Förderung der Elektromobilität mit Wasserstoff- und Brennstoffzelle (NIP), so die Sprecherin.
Dieser Fördertopf sei mit 1,4 Milliarden Euro gefüllt.
Portrait

Autor

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Iveco-Schouten, Alexander Lammel, Quelle: Statistisches Bundesamt

Datum

21. August 2013
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