André Biwer Geschäftsführer Lebert-Grupp Zoom

Porträt: Beruf ist gleichsam Berufung

Stillstand ist seine Sache nicht. Das gibt André Biwer unumwunden zu. Beruflich ohnehin – aber auch privat – setzt der 51-Jährige auf Bewegung. Das war mithin ein Grund für seine Berufswahl.

Nach der Mittleren Reife an der Knabenrealschule in Kempten stand für ihn fest, dass er eine kaufmännische Ausbildung machen möchte. "Soweit ein 15-Jähriger überhaupt weiß, was er will", fügt Biwer mit einem Augenzwinkern hinzu.

Als Lehrling bei dem Logistiker Dachser in Kempten

Wobei für ihn auch die Entscheidung, zu einer Spedition zu gehen, auf der Hand lag. "Mir liegen Fremdsprachen. Zudem wollte ich auch noch Auslandserfahrung sammeln", sagt er. Sein Englisch sei schon damals ganz gut gewesen und auch die Geografie war einer seiner Steckenpferde. Also bewarb er sich bei dem Logistiker Dachser in Kempten als Lehrling. Danach arbeitete er als Disponent in verschiedenen Funktionen in dem Unternehmen.

Eigentlich gab es nur eine kurze Unterbrechung seiner logistischen Laufbahn – nämlich seinen Wehrdienst, den er von 1980 bis 1982 bei der Luftwaffe in Memmingen ableistete. Die einzig verzichtbare Station, wie er lachend einräumt.

Danach  begann er berufsbegleitend mit dem Studium als Verkehrsfachwirt in Frankfurt bei seinem Ausbildungsunternehmen, wo er dann anschließend noch ein Trainee-Programm durchlief.

Dadurch hatte er unter anderem die Chance, in Northampton in England zu leben und zu arbeiten: "Ich habe also wie jeder vernünftige Allgäuer die Welt bereist und dann festgestellt, dass es daheim doch am schönsten ist." Wobei er auch die Zeit auf der britischen Insel nicht missen will. "Abgesehen vom Essen, das wirklich furchtbar war", erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Beruflicher Wechsel

Zu seinem ersten und einzigen beruflichen Wechsel entschloss sich André Biwer 1987. Damals ging er zu Lebert + Co.,  einer mittelständischen, familiengeführten Spedition, die ebenfalls in Kempten beheimatet ist.

Der damals 27-Jährige startete zunächst als Importleiter. Bereits ein Jahr später hatte er die gesamte internationale Abteilung unter seiner Regie. Umgewöhnungsprobleme habe er keine gehabt. "Ich habe Dachser damals als mittelständisch organisiert erlebt. Bei Lebert haben sich die Abläufe folglich nicht dramatisch unterschieden", erzählt er rückblickend.

Dort allerdings bekam er schon bald Führungsverantwortung übertragen. Als er 1995 die Bereiche Vertrieb und Qualitätswesen für die gesamte Lebert-Gruppe übernahm, war das Biwers erste Häuser-übergreifende Position.

Wobei die darauf folgende Station im Betrieb in Ulm/Erbach dennoch kein Rückschritt war. Denn diesen durfte er als frisch gebackener Niederlassungsleiter sanieren. Für den damals 39-Jährigen eine gute Chance, sowohl seine Führungsqualitäten als auch sein betriebswirtschaftliches Know-how unter Beweis zu stellen.

Geschäftsführer mit operativer Verantwortung

Nachdem er die Niederlassung auf Vordermann gebracht hatte, berief ihn die Unternehmensleitung 2002  zum Geschäftsführer mit operativer Verantwortung für die Betriebe Kempten und Erbach. Darüber hinaus erhielt er die unternehmensweite Verantwortung für die Bereiche internationales Netzwerk, Vertrieb, Marketing und Kontraktlogistik.

Auch dabei bewies er ein glückliches Händchen, sodass er 2004 zum Sprecher der Geschäftsführung ernannt wurde.

Als schließlich der ehemalige Eigentümer  Franz Lebert starb, war die Nachfolge zunächst unklar. Damals entschlossen sich einige Mitarbeiter, Anteile an der Lebert-Gruppe zu übernehmen. Auch André Biwer kaufte sich in das Unternehmen ein und ist seitdem geschäftsführender Gesellschafter.

Tätigkeit im Beirat der Cargoline

Darüber hinaus ist er im Beirat der Cargoline tätig. Der Mittelstandskooperation gehört die Lebert-Gruppe seit 1999 an. "Cargoline lebt davon, dass sich die Gesellschafter einbringen – und wir sind einer davon." Daher sei es für ihn auch keine Frage, dass er sich dort bestmöglich einbringt.

Nach dem Geheimnis seines beruflichen Erfolgs gefragt, zeigt sich Biwer bescheiden. "Ich habe eigentlich immer nur Schritt für Schritt gemacht. Große Sprünge waren keine darunter. Dafür hatte ich allerdings die Chance, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln", erklärt er.

Eine Möglichkeit, die er auch für heutige sowie zukünftige Auszubildende im Speditions- und Logistikgewerbe nach wie vor sieht. "Abgesehen von der Übernahme von Geschäftsanteilen. Das ist ein Zufall, wie man ihn normalerweise eher nicht hat", sagt er.

Für ihn sei sein Beruf allerdings auch gleichsam Berufung. "Das war schon immer mein Traumberuf." Daher würde er auch rückblickend nichts anders machen. Nun würde er zwar nicht so weit gehen, dass er von Beginn an wusste, was er genau wollte. "Aber immerhin hatte ich meine Jobauswahl schon auf etwas Kaufmännisches eingeengt."

Beim Blick in heutige Bewerbungen zeige sich allerdings bisweilen eine ziemliche Orientierungslosigkeit. "Da ist vom Praktikum als Bankkaufmann bis zum Friseur in einer einzigen Vita oftmals alles dabei." Zwar finde er die Chance, in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern, durchaus vorteilhaft. Doch zu viele Optionen könnten eben auch mehr verwirren als nützen, ist er überzeugt. Da habe es seine Generation sicherlich leichter gehabt.

Die Unternehmensgruppe bietet weit reichende Perspektiven

Dennoch kann sich André Biwer nicht über mangelnde Nachfrage nach Ausbildungsplätzen beschweren – den Fahrerbereich einmal ausgenommen. Das komme wohl auch daher, weil die Unternehmensgruppe weit reichende Perspektiven bietet. Denn wer möchte, kann sich immer weiter qualifizieren und bei neuen Aufgaben bewähren.

Sicherlich auch deshalb finden sich in den Führungspositionen ehemalige Auszubildende. "Das ist Stil des Hauses", erklärt er. Und so ist er sich sicher, dass wenn eines Tages der Wechsel in der Unternehmensführung ansteht, diese Position von einem Lebert-Mann übernommen wird.

Bis dahin wird dem  Kemptner bestimmt nicht langweilig. Um sich fit zu halten, betreibt er den "Allgäu-Triathlon": Joggen, Berg wandern und Ski fahren. Zur Entspannung gibt er in einer Jazz-Band als Gitarrist den Ton an. Denn wie gesagt: Stillstand ist seine Sache nicht.


Zur Person

André Biwer ist Jahrgang 1960 und in Kempten geboren. Nach der Knabenrealschule begann er am dortigen Standort des Logistikdienstleisters Dachser eine Lehre zum Speditionskaufmann. Es folgten einige berufliche Stationen, die von seiner Grundwehrausbildung bei der Luftwaffe unterbrochen wurde. 1987 wechselte er zu Lebert und Co. und übernahm dort die Importleitung. Es folgten weitere Funktionen bis er 2002 zum Geschäftsführer mit operativer Verantwortung für die Betriebe in Kempten und Erbach berufen wurde. Ab 2004 war er Sprecher der Geschäftsführung. 2007 übernimmt er schließlich Geschäftsanteile der Lebert-Gruppe und ist fortan geschäftsführender Gesellschafter.

Portraits

Autor

Foto

Cargoline

Datum

3. Februar 2012
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