Volvo FH16-750 11 Bilder Zoom

Fahrbericht: Im FH 16 werkelt ein großer Motor

Mehr als 16 Liter Hubraum, sechs Zylinder, rund 2,7 Liter pro Zylinder, vier Ventile pro Zylinder und Kolben in der Größe von Maßkrügen  – das sind die markanten ­Merkmale des großen Volvo-Motors.

Als er 1986 mit 470 PS und mehr als 2.000 Nm Drehmoment vorgestellt wurde, schüttelte die Fachwelt ungläubig den Kopf und stellte die Frage, wer denn so viel Leistung und Drehmoment braucht.


Im Jahr 2011 feiert der große Sechszylinder dann seinen beeindruckenden 25. Geburtstag: Mit 750 PS tritt der D16G genannte Big Block an und ehrt den Volvo FH16 als weltweit stärksten Serien-Lkw. Wenige Jahre zuvor hatte Volvo die Leistung schon auf 700 PS gesteigert. Dann konterte Scania mit dem R730. Ohnehin liefern sich die beiden schwedischen Hersteller seit Jahrzehnten einen Wettstreit in Sachen Leistung. Mal ist Volvo vorne, dann wieder Scania und jetzt eben wieder Volvo – mit einem ganz kleinen Vorsprung von 20 PS.

Bis zu 610 PS und 2.800 Nm lieferte der D16C-Motor

Geboren wurde dieser große Sechszylinder als TD162F. Eine Reiheneinspritzpumpe drückte den Kraftstoff damals mit beschaulichen 260 bar in die Brennräume. Mit der Vorstellung der FH-Baureihe (1993) gab es eine elektronische Regelung (EDC) und 520 PS. Eine grundsätzliche Renovierung stand erst im Jahr 2004 an: einteiliger Zylinderkopf mit oben liegender Nockenwelle statt Einzelköpfe und Pumpe-Düse-­Elemente statt Reihenpumpe. Bis zu 610 PS und 2.800 Nm lieferte der D16C. Es folgten der D16E mit maximal 660 PS und 3.100 Nm (im Jahr 2006) sowie der D16G mit 700 PS und 3.150 Nm (2009). Um die Leistung des weiterhin D16G bezeichneten Motors auf 750 PS zu steigern, war nur etwas Feinarbeit an Einspritzung, Elektronik und Turbolader nötig. Es sind aber nicht nur die Eckwerte für Motorleistung und Drehmoment, die aufhorchen lassen, es ist vielmehr die Charakteristik des D16G, der schon bei niedrigsten Drehzahlen viel Drehmoment liefert. 2.800 Nm liegen bereits bei 900/min an, das maximale Drehmoment von 3.550 Nm schon bei einer Drehzahl von 1.050/min.


Von 40 Tonnen Gesamtgewicht lässt sich ein solcher FH16 nicht beeindrucken. Er nimmt das Gewicht allenfalls zur Kenntnis und läuft mit ganz ruhigem Puls über die 300 Kilometer lange Rundstrecke – zumeist mit Drehzahlen zwischen 850 und 1.300/min. Dieses noch niedrigere Drehzahlniveau und das nochmals spontanere Ansprechen auf Gaspedalbewegungen als beim 700er sind dann auch die fühlbaren Unterschiede. Steigungen fast jeglichen Kalibers überrollt ein derart motorisierter FH16 einfach, die Topografie spielt keine Rolle mehr. 85 km/h in der Ebene, 85 km/h bergauf und dank kräftiger Motorbremse (425 kW) auch mit Tempo 85 bergab.

Der 16,1 Liter große Sechszylinder gilt als relativ sparsam in seiner Leistungsklasse

Natürlich stellt sich gerade bei solchen Lkw die Frage nach dem Verbrauch. Drei bis fünf Prozent mehr als bei den kleineren (13 Liter Hubraum) Sechszylindern im Volvo FH werden es wohl sein. Generell aber gilt der 16,1 Liter große Sechszylinder als relativ sparsam in seiner Leistungsklasse. Für den FH16-750 verspricht Volvo gar einen besseren Verbrauch als beim weiter gebauten 700er. Zwei Umstände könnten dies möglich machen: zum einen der nochmals kräftigere Motor, der das Drehzahlniveau in der Praxis weiter reduziert. Zum anderen die neue, einfach übersetzte Hinterachse mit einem besseren Wirkungsgrad als die zuvor verwendete Außenplanetenachse. Noch ein, zwei Prozent besser sein könnte der Verbrauch mit einem Direktgang-Getriebe. Doch als Konzession an die enormen Kräfte des D16G kommt ein Overdrive-Getriebe zum Einsatz. 0,78 zu 1 beträgt die Übersetzung im größten Gang des Zwölfganggetriebes (Volvo I-Shift ATO3512D), was mit der Achsübersetzung von 3,40 zu 1 rund 1.200/min bei Tempo 85 ergibt. Der Preis? Mit etwas zusätzlicher Ausstattung sind 120.000 Euro für einen FH16-750 schnell ausgegeben. Als Gegenwert erhält der Käufer einen enorm leistungsfähigen, relativ sparsamen, komfortablen und sehr sicheren Lkw, der aber auch recht schwer ist. Unter acht Tonnen Leergewicht geht nichts. Es handelt sich beim FH16-750 also nicht nur um ein großes, sondern auch ein schweres Kaliber.


Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

5. März 2012
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