Volvo FM 450 18 Bilder Zoom
Foto: Wolfgang Gruber

Volvo

Fahrerhausvergleich FH und FM

Zwei Frontlenker (F) mit mittelhoch (M) und hoch montierter Kabine (H): In der Formelsprache von Volvo entstanden so einst die Namen FM und FH. Die grundlegenden Konzepte gelten bis heute.

Das ist schon erstaunlich, wie konsequent sich Volvo im Fernverkehr auf den FH konzentriert. Während es anderswo zumindest auf Wochentouren guten Gewissens eine Nummer kleiner sein darf, beispielsweise DAF CF statt XF, Stralis AT statt AS, Scania G/R statt S, ist der Volvo FM doch arg auf den schweren Verteilverkehr beschränkt. Interessant ist auch, dass eher der FH dem FM weitere Nischen streitig macht, als dies umgekehrt der Fall wäre. So gibt es den FH seit Anfang 2015 auch mit einem komplett abgeflachten Dach, etwa für Tunneleinsätze, Autotransport- oder Kranaufbauten. Grundsätzlich sind die FH-Häuser aber alle gleich lang, eine kurze Nahverkehrsversion ist nur beim FM eine Option.

Doch zurück zum Fernverkehr. Zwar bleiben im FM LXL (Volvo-Kürzel für den FM mit größtem Globetrotter XL-Haus) auf dem Papier durchaus ansehnliche Innenmaße – knapp 1,70 Meter mittig, über zwei Meter maximal – aber das Leben im niedrig montierten Haus mit schräger Front und hohem Tunnel ist doch mit etlichen Verrenkungen verbunden.

FM bietet maximale Nutzlast

An Stauraum herrscht dagegen kaum Mangel, zumindest in den Versionen mit Schränken an der Rückwand statt zweiter Liege. Dabei gilt aber für FM wie FH gleichermaßen: Mehr umbauter Raum bedeutet bei Volvo nicht automatisch mehr Platz für Gepäck. Denn im Vergleich Globetrotter zu Globetrotter XL wachsen bei beiden Baureihen zwar die Dachlinien in die Höhe, die Fächer vorn und hinten stammen aber jeweils aus demselben Baukasten und wachsen nicht mit. Was dem FM exklusiv bleibt, ist das Thema maximale Nutzlast. Dafür sorgt allein schon der 10,8-Liter-Motor D11K, der rund 150 Kilogramm leichter ist als der 12,8 Liter große D13K. Jener ist beim FM bis 500 PS auch zu haben, beim FH aber die einzige Wahl (mal abgesehen vom FH16, der mit seinem 16-Liter-Triebwerk in einer eigenen Liga spielt).

Stellt sich die Frage, warum Volvo nicht eine entsprechend abgespeckte FH-Variante anbietet. Denn zumindest in der Topversion mit 450 PS und 2.150 Nm taugt auch der kleine Motor für lange Strecken und würde sich nahtlos zwischen die 420- und 460-PS-Versionen des D13K einfügen. DAF etwa hat den vergleichbaren Schritt vollzogen und bietet im XF inzwischen auch den stärksten MX-11 mit 435 PS alternativ zur großen MX-13-Maschine an. Schaut man sich andernorts um, bei Iveco, MAN oder Mercedes, herrscht bei der 11- oder 13-Liter-Frage in den Fernverkehrsreihen generell Wahlfreiheit. Sei’s drum, ein erweitertes Motorenangebot steht beim FH bis auf Weiteres offenbar nicht zur Debatte.

Raumgefühl erreicht ungekannte Ausmaße

Bei der Neuauflage im Jahr 2012 lagen die Schwerpunkte ohnehin woanders: allen voran auf den neuen Fahrerhäusern mit fast senkrechter statt zuvor "FM-mäßiger" Frontscheibe. Das Raumgefühl hat damit ungekannte Ausmaße erreicht und der neun Zentimeter hohe Motortunnel ist beim Durchstieg kaum noch störender als ein dicker Teppich. Insbesondere will Volvo den FH künftig aber auch als Innovationsträger verstanden wissen. Was das betrifft, dürften die Stichpunkte Doppelkupplungsgetriebe (mit D13-Motor), Einzelradaufhängung und elektronisch unterstützte Lenkung (Volvo Dynamic Steering; VDS) sich inzwischen herumgesprochen haben. Gleiches gilt wohl für das als Notausstieg konzipierte Panorama-Dach, die zweifach verstellbare Lenksäule und die vollständig integrierte Standklimaanlage "I-Park Cool".

Über ACC mit Notbremsfunktion und Spurwächter hinaus hat Volvo auch sicherheitstechnisch aufgerüstet: unter anderem mit Müdigkeitswarner, Abbiege- und Kurvenlicht, Impuls-Streckbremse (wirkt dem Klappmessereffekt entgegen) und Spurwechselassistent (Radarsensor für den Nahbereich auf der Beifahrerseite). Nicht alles, aber einiges davon kommt auch der Auswahlliste des FM zugute, insbesondere das leichtgängige VDS-Lenksystem und die diversen Sicherheitspakete. In puncto Wohnraum müssen FM-Fahrer aber leider in vielen Punkten passen, zum Beispiel bei der integrierten Standklimaanlage, dem drehbaren Beifahrersitz als bequemer Fernsehsessel oder den großen Außenstaufächern mit getränkekistentauglichen Luken.

Zahlreiche Ausbaustufen dürften den aktuellen noch folgen

Dagegen ist für FH wie FM eine Frontkamera zu haben, die ihre Bilder aus dem toten Winkel auf ein schickes Sieben-Zoll-Farbdisplay in der Mittelkonsole überträgt – generell bei gesetztem Blinker oder abhängig von der Geschwindigkeit. Das Farbdisplay wiederum ist Teil des neuen "Infotainment-Centers" von Volvo – dem Multimedia-Zeitgeist entsprechend mit zahlreichen Features rund um Internetdienste, Anschlüsse für externe Geräte, Sprachwahl, Navigationssystem und Transportmanagement. Den aktuellen Ausbaustufen, inklusive Lenkzeitsupport und Fahrercoaching, dürften noch zahlreiche folgen.

Angesichts der prall gefüllten Optionsliste fragt man sich, was wohl rauskommt, sollte Geld tatsächlich keine Rolle spielen. Volvo gibt darauf mit der FH "Performance Edition" eine ziemlich deutliche und anschauliche Antwort: mit blau-gelbem Sonderlack im Schweden-Look, stärkstem D13-Motor mit 540 PS, Doppelkupplungsgetriebe, Dynamic Steering, Einzelradaufhängung und top ausgestattetem Globetrotter XL im Leder-Finish – man gönnt sich ja sonst nichts.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 06/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

4. Mai 2017
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