Supertruck Köln 16 Bilder Zoom

Vierte Generation des Köln-Trucks: Der Dinosaurier unter den Supertrucks

Die vierte Generation des Köln-Trucks ist unterwegs. Seit 16 Jahren gibt es den Zug – mit wechselnden Zugmaschinen. Damit ist er der Dinosaurier unter den Supertrucks.

Deutschlands ältester noch täglich im Dienst befindlicher Showtruck steht seit fast 16 Jahren ganz im Zeichen der Rhein-Metropole. Im Herbst des Jahres 2000 verließ die erste Version des Köln-Trucks die damals noch provisorische Lackierhalle von Walter Rosner. Der Airbrush-Künstler arbeitete zu dieser Zeit noch zur Untermiete in einer fremden Lackiererei. Sein eigenes Atelier befand sich in der Bauphase. In die angemietete Halle passte damals nicht einmal ein gesamter Lastzug. Je nach Arbeitsphase standen entweder Front oder Heck im Wetter.

Das Wetter spielte auch bei der Gestaltung des Zuges eine Rolle. Der Köln-Truck besitzt zwei unterschiedlich gezeichnete Fahrzeugseiten. An der Beifahrerseite wird die Stadtsilhouette in einer lauen Sommernacht von vielen Straßenlaternen erleuchtet. Die Fahrerseite hingegen zeigt Köln an einem kalten Wintertag. Die Stadt ist gefangen in Eis und Schnee. Große Eiszapfen hängen von den Bäumen, den Geländern und den Dächern herab. Walter Rosner ließ sogar den Rhein zufrieren.

Zwei Stadtansichten mit identischem Grundgerüst

So unterschiedlich diese beiden Stadtansichten auch wirken mögen, verfügen sie dennoch über das identische Grundgerüst. Nur durch die unterschiedliche Gestaltung und durch das Spiel mit Eis und Schnee sowie mit Licht und Schatten wird die Illusion erzeugt, es handle sich um zwei ganz unterschiedliche Ansichten.

Über inzwischen vier Generationen von Zugmaschinen hinweg blieb das Motiv immer dasselbe und wurde auf den jeweiligen Lkw übertragen. Die ersten Jahre diente ein DAF 95 XF als Zugmaschine. Eigentümer des Zuges war Kühlspediteur Manfred Brand aus Köln. Er ersetzte den DAF nach ein paar Jahren durch einen Mercedes Actros MP2 1850.

Die Wittwe des Spediteurs: Heimliche Schirmherrin

Im Mai 2006 verstarb Manfred Brand nach einem Herzinfarkt. Der Chereau-Kühlauflieger wechselte daraufhin 2008 zur Spedition Josef Schumacher nach Würselen und wurde im Frühjahr 2009 mit einem damals neuen Actros MP3 1844 gekoppelt. Zu dieser Zeit kam auch Wolfgang Offergeld aus Langerwehe ins Spiel. Seither sitzt der gelernte Autolackierer am Steuer des Köln-Trucks. Damit führt Offergeld eine Familientradition fort. Wie sein Vater und sein Großvater hat auch er den Beruf des Fernfahrers ergriffen. Durch den Wechsel des Köln-Trucks in den Fuhrpark der Spedition Schumacher ist auch die enge Freundschaft zu Erika Brand, der Witwe von Manfred Brand, entstanden. Für viele ist Erika bis zum heutigen Tage so etwas wie die Schirmherrin des Köln-Trucks.

Unfall mit Totalschaden

Leider fiel das Kölsche Gespann im Februar 2014 unverschuldet einer "Sprinter-Attacke" zum Opfer. Der Transporter verletzte die Vorfahrt. Beim Crash mit dem Köln-Truck beschädigte er den Actros so stark, dass er nicht mehr zu retten war. Auch der Chereau-Trailer wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Die Anschaffung und Veredelung einer neuen Zugmaschine sowie die Reparatur des Kühlaufliegers dauerten bis Ende Oktober 2014. Dann konnte Wolfgang Offergeld endlich wieder im Köln-Truck Platz nehmen. Walter Rosner hatte die nunmehr vierte Zugmaschine lackiert und auch sämtliche Unfallschäden am Auflieger repariert. Bei dieser Gelegenheit wurden auch zum ersten Mal Restaurierungsarbeiten am Chereau-Trailer durchgeführt. Der Kühlauflieger dürfte mittlerweile gut und gerne mehr als zwei Millionen Kilometer zurückgelegt haben. Manfred Brand hat also recht behalten. Er schwärmte schon im Jahr 2000 von der Qualität des Chereau-Kühlkoffers und sagte ihm ein langes Leben voraus. Auch beim Kühlaggregat von Thermo King handelt es sich noch immer um die erste Version aus dem Jahr 2000.

Kein Ende in Sicht

Ein Ende für den Köln-Truck scheint noch lange nicht in Sicht zu sein. Die aktuelle Zugmaschine, ein Mercedes Actros 1845, hat lediglich 200.000 Kilometer auf der Uhr. Ziel wird es sein, den Zug so lange wie möglich am Leben und am Rollen zu halten. "Jedenfalls ist er Tag für Tag im Einsatz wie alle anderen Schumacher-Fahrzeuge auch", betont Wolfgang Offergeld. Damit bleibt die vierte Generation ein international tätiger Botschafter für die Stadt Köln.

Technische Daten Köln Truck

Truck: Mercedes Actros 1845
Erstzulassung: Mai 2014
Leistung: 450 PS/331 kW
Laufleistung: 200.000 km
Trailer: Chereau-Kühlauflieger
Erstzulassung: September 2000
Eigentümer: Spedition Josef Schumacher, Würselen
Fahrer: Wolfgang Offergeld, Langerwehe
Artwork/Interieur: Walter Rosner, Mitterteich
Aufgabengebiet: europaweiter Transport von Tiefkühlprodukten und Frischwaren

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Otto Miedl

Datum

19. April 2016
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