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Verlängerter Sattelauflieger: Praktiker regen erneuten Großversuch an

Wie geht es weiter mit dem verlängerten Sattelzug? Zum Ende des Feldversuchs mit Lang-Lkw gibt es darauf noch keine Antwort. Daher machen sich die Nutzer des seit zehn Jahren verkehrenden 17,8 Meter langen Fahrzeugs nun für ein positives Signal durch die Politik stark.

"Es steht zu befürchten, dass bei der Überleitung des Feldversuchs von Lang-Lkw in den Regelbetrieb der verlängerte Sattelzug hinten runter fällt", sagt Roland Rüdinger, Geschäftsführer der Rüdinger Spedition aus Krautheim, gegenüber trans aktuell.
Der Grund: Der verlängerte Sattelzug nimmt unter den fünf Lang-Lkw-Typen eine Sonderrolle ein. Er passt mit seinen Maßen nicht in das EU-Raster. Die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angestrebte Überführung des Feldversuchs in einen Regelbetrieb ist bei diesem Fahrzeutyp also nicht möglich. "Dieser Lang-Lkw-Typ enthält keine Standardkomponenten", heißt es in einem Schreiben aus dem Ministerium, das trans aktuell vorliegt. Die Bundesregierung hat indes die Möglichkeit, den Einsatz dieses Fahrzeugs in einer weiteren befristeten Ausnahmeverordnung zu regeln.

Rüdinger wirbt für flächendeckenden Großversuch

Rüdinger mahnt daher eine entsprechende Weichenstellung an. "Sinnvoll wäre ein erneuter flächendeckender Großversuch mit einer Laufzeit, die der Abschreibungsdauer entspricht", sagt er. Unterstützung kommt unter anderem von Wolfram Fritz, Chef der Fritz Gruppe aus Schwaigern bei Heilbronn. Beide Speditionen setzen jeweils zehn verlängerte Auflieger ein. Rüdinger will die Poltik damit aber nicht zur Festlegung auf einen Fahrzeugtyp drängen. Sowohl der 25-Meter-Lkw als auch der 14,9 Meter lange Trailer hätten ihre Berechtigung, sagt der Spediteur, der in seiner Flotte beide Varianten einsetzt. "Jeder Unternehmer sollte die Möglichkeit haben, aus dem Baukasten das rauszunehmen, was am besten für seine Zwecke passt."

25-Meter-Lkw sind zu vielen Restriktionen unterworfen

In seinem Fall gibt es für den gestreckten Trailer aber deutlich mehr Einsatzmöglichkeiten. „Die 25-Meter-Einheiten sind zu vielen Restriktionen unterworfen“, sagt Rüdinger. Schwächen seien die geringe Nutzlast, die Beschränkung auf das Positivnetz und der weitgehende Gefahrgutausschluss. Der Unternehmer kann seine beiden 25-Meter-Einheiten aufgrund der beschränkten Nutzlast nach eigener Darstellung nur für Hauptläufe zum Hub der Stückgutkooperation Online nach Schlitz bei Fulda einsetzen. Beim 25-Meter-Lkw habe er 800 Kilo pro Lademeter, beim verlängerten Sattel doppelt so viel.
Spediteur Serrahn ist noch stärker als Verfechter des verlängerten Sattelzugs bekannt. Wie Rüdinger stellt auch er gegenüber trans aktuell klar: "Die Bündelung der Kräfte für den Einsatz des verlängerten Sattelzugs bedeutet nicht, dass wir gegen den Lang-Lkw bis 25,25 Meter, sondern für beide Konzepte sind." Er weist darauf hin, dass unabhängig vom derzeitigen Feldversuch 300 Fahrzeuge des Herstellers Kögel bei einer Vielzahl an Speditionen seit zehn Jahren bundesweit völlig unauffällig in den Flotten mitlaufen. Kögel bietet diese Fahrzeuge unter dem Namen Euro Trailer an, anfangs nannte er sie Big Maxx. Die Fahrzeuge würden weiterhin produziert. "In den vergangenen Wochen ist die Nachfrage noch einmal gestiegen", heißt es.

Verlängerte Sattelauflieger bieten zehn Prozent mehr Volumen

Für Rüdinger kommt das Interesse nicht von ungefähr: "Die Fahrzeuge sind völlig unproblematisch in der Anwendung", betont er. Spediteure könnten zehn Prozent mehr Volumen fahren. "Es gibt keine Probleme mit Autobahnparkplätzen, Nothaltebuchten und Streckenrestriktionen", sagt er.

Nach Kögel-Angaben können die 2006 in den Verkehr gebrachten Big Maxx-Trailer bundesweit alle Straßen nutzen. "Die 300 Fahrzeuge haben sich in den vergangenen zehn Jahren bewährt" erklärt das Unternehmen und führt zehn Prozent weniger Dieselverbrauch und CO2-Emissionen ins Feld. Es seien keine zusätzlichen Investitionen in die Infrastruktur notwendig und die Fahrzeuge würden von der Öffentlichkeit akzeptiert. 
Für die neu hinzugekommenen Euro Trailer im Rahmen des Feldversuchs ist der Aktionsradius etwas kleiner. Doch auch sie dürften 200.000 Kilometer des deutschen Straßennetzes nutzen, die anderen vier Lang-Lkw-Typen nur 12.000 Kilometer. "Und in Nordrhein-Westfalen dürfen sogar nur verlängerte Sattelauflieger fahren – aber keine 25-Meter-Einheiten", heißt es von dem Fahrzeugbauer. Spediteure müssen diese Einheiten mit den geforderten Sicherheitsausrüstungen ausstatten und sie der Bundesanstalt für Straßenwesen melden. Aktuell sind 156 Lang-Lkw von 59 Firmen bei ihr gemeldet.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Matthias Rathmann, Montage: Monika Haug

Datum

5. September 2016
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