Lkw-Tour mit Minister Hermann 17 Bilder Zoom

Verkehrsminister: Winfried Hermann auf Lkw-Tour

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat für einen Nachmittag seinen Schreibtisch gegen ein Actros-Fahrerhaus getauscht.

Er begleitete eine Tour der Spedition Barth im Stuttgarter Raum. Hermann nahm an der Seite von Fahrer Martin Brander auf dem Beifahrersitz eines 320 PS starken Actros in Euro-5-Ausführung Platz. Vorgesehen hatte die Spedition mit Zentrale in Burladingen am Nachmittag eine Tour mit drei Enladestellen in Markgröningen, Kornwestheim und in Ostfildern sowie einen Abstecher auf den Rasthof Sindelfinger Wald an der A 8. Ziel war es, dem Minister so viele Eindrücke wie möglich aus dem Alltag eines Kraftfahrers zu liefern.

Hermann wollte bewusst mal die Rolle wechseln, um die Perspektive eines Fahrers zu erleben. "Das ist eine Lebensphilosophie von mir, dass Politiker in der Lage sein müssen, die Perspektiven der anderen einzunehmen", sagt Hermann. "Sonst nehmen zum Beispiel Radfahrer Lkw-Fahrer nur als Bedrohung wahr und –  umgekehrt." Also sagte der Minister den Redaktionen FERNFAHRER und trans aktuell spontan zu, als diese ihn bei einer Dialogveranstaltung mit Fahrern im Ministerium zu einer solchen Tour ermuntert hatten. Anschließend ging es innerhalb der Spedition Barth an die Umsetzung, maßgeblich war deren Niederlassung in Wendlingen daran beteiligt.

Ein Minister auf Tuchfühlung

Die Unternehmen, die der Lkw am Nachmittag ansteuert, sind im Bilde. "Es ist eine Ehre, einen solchen Fahrer begrüßen zu dürfen", sagt Benseler-Chef Roland Gehring. Und er verdeutlicht, welche Bedeutung eine funktionierende Lieferkette für sein Unternehmen hat. "Wenn die Logistik nicht stimmt, steht alles", sagt er. 50 bis 60 Lkw fertigen seine Mitarbeiter am Tag ab – häufig Schrauben und Gewinde, die zur Beschichtung ins Werk kommen.

Markus Hauser, Leiter des Benseler-Werks im nahen Kornwestheim, bestätigt das. Seine Filiale bildet die zweite Entladestelle. Dort erhält das Fahrzeug sofort Einlass und wird umgehend entladen. Spezialität des Werks ist es, großflächige Teile für die Fahrzeugindustrie zu beschichten – etwa komplette Dachsysteme für Cabrios. Martin Brander und Winfried Hermann finden ideale Bedingungen vor. Sie müssen nicht Hand anlegen. Für Benseler ist es vielmehr eine Selbstverständlichkeit, dass die eigenen Lagermitarbeiter den Lkw entladen.

Zeit für Fachgespräche

Also hat das Fahrer-Duo Zeit, Erkenntnisse auszutauschen. Hermann findet Gefallen an dem niedrigen Fahrerhaus, das eine gute Sicht biete, und an den Spiegelsystemen, die den Toten Winkeln eindämmen. "Ich hatte mich schon als Bundestagsabgeordneter dafür eingesetzt", sagt der Minister. Auch Barth-Geschäftsführer Helmut Barth sieht den Nutzen dieser Spiegel. In Burladingen habe sein Unternehmen eine Schablone auf dem Boden angebracht, an der Lkw-Fahrer ihre Spiegel ausrichten und korrekt einstellen können.
Hermann hat an der Tour, aber auch an den Stopps sichtlich Freude. "Für mich ist das ein beeindruckender und schöner Tag, der mir eine Welt eröffnet hat, die ich so nicht gekannt habe", sagt er. Doch weiß er, dass die Tour – auch wenn es keine gestellte war – im August nicht ganz repräsentativ war. In der Urlaubszeit sind die Autobahnen und die Raststätte Sindelfinger Wald frei – und Fahrer müssen sich nicht wie sonst durch den Stau oder überfüllte Rasthöfe quälen.

Er habe großen Respekt vor dem Beruf des Kraftfahrers, sagt Hermann. Und er sei auch als Grünen-Politiker Realist genug, um zu wissen, dass 70 Prozent des Aufkommens auf der Straße befördert wird. "Das kann man nicht alles auf die Schiene bringen." Trotzdem ist die Bahn Gegenstand von Diskussionen mit Fahrer Brander im Fahrerhaus. Genauso tauschen sie sich darüber aus, warum es keine Maut für Pkw-Fahrer gibt, warum ältere Verkehrsteilnehmer nicht zwangsläufig zum Gesundheitscheck müssen und warum Radfahrer parallel zum Radweg unbedingt auf der Straße fahren müssen. "Herr Hermann ist ein lockerer Typ, es macht Spaß, mit ihm zu diskutieren", lobt auch Fahrer Brander.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

23. August 2013
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