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Vergleichstest: Langläufer am Start

Wer baut den wirtschaftlichsten Lkw für den Fernverkehr? Die Spedition Fehrenkötter und trans aktuell machen den großen Langzeittest mit allen sieben Marken.

Grau ist alle Theorie – wer sich auf die Suche nach dem wirtschaftlichsten Lkw für den Fernverkehr macht, findet die besten Antworten im Speditionsalltag. Denn das beste Fahrzeug auf dem Papier überzeugt nicht immer im täglichen Einsatz. Und manchmal überraschen die Lkw, von denen Spediteure es am wenigsten erwartet hätten.

Unternehmer Joachim Fehrenkötter hat sich vor sieben Jahren an einen Vergleich aller Euro-5-Lastwagen für den Fernverkehr gemacht und mit einiger Überraschung festgestellt, dass der Renault Premium das wirtschaftlichste Fahrzeug im Vergleich war. Damit hat sich der französische Lkw zur Alternative zum Gesamtsieger Mercedes-Benz Actros gemausert. Auf dem Papier sah das anders aus.

Euro 6 mischt die Karten neu

Mit Einführung der neuen Abgasstufe Euro 6 lohnt sich genaues Hinsehen und vor allem Ausprobieren erneut. Denn auf dem Papier hat sich einiges getan und die Kräfteverhältnisse haben sich an manchen Stellen verschoben. "Die Karten sind neu gemischt worden, die meisten Fahrzeuge haben neue Motoren und neue Kabinen", sagt Fehrenkötter. Einige Hersteller haben komplett neue Lkw eingeführt, manche nur neue Motoren verbaut und kosmetische Veränderungen vorgenommen, aber alle mussten sich in den vergangenen Jahren mit den verschärften Emissionsgrenzwerten auseinandersetzen. Das Ergebnis sind hocheffiziente Motoren und eine aufwendige Abgasreinigung. "Die Hersteller haben teilweise unglaubliche Anstrengungen unternommen, um Euro 6 darzustellen", betont Fehrenkötter.

Nebenbei haben drei Lkw-Hersteller ihre Fahrerassistenzsysteme um einen sogenannten vorausschauenden Tempomaten erweitert. Dieses System kennt via GPS-Daten den Streckenverlauf und verzögert beziehungsweise beschleunigt in der Regel im richtigen Moment. Das klingt gut, aber lohnt sich die Investition in so ein System? Und wie fehleranfällig sind die neuen Abgasreinigungsanlagen?

Sieben Hersteller treten an

Die Spedition Fehrenkötter sucht Antworten auf diese und weitere Fragen und schickt abermals sieben Lkw der unterschiedlichen Hersteller in den Fernverkehrswettbewerb. Dort sollen die Fahrzeuge von DAF, Iveco, MAN Mercedes-Benz, Renault Trucks, Scania und Volvo Trucks zeigen, ob Papier geduldig ist oder hinter den Ankündigungen harte Fakten stehen.

Aber nicht nur auf die Lkw-Hersteller richtet sich der Blick bei dem Test. "Wir schauen nicht nur die Fahrzeuge genau an, sondern beispielsweise auch die Reifen", erklärt Firmenchef Fehrenkötter. Die Spedition fährt seit Jahren Reifen von Michelin, setzt beim Test aber auf Wettbewerbsprodukte von Goodyear. "Wir stellen alles auf den Prüfstand, das unsere Betriebskosten belastet." Am Ende will Fehrenkötter seinen Fuhrpark erneut anhand der Ergebnisse optimieren. Nach der Erstauflage des Vergleichs hat er deshalb Renault Trucks in die Flotte aufgenommen.

Gesamtbetriebskosten sind entscheidend

"Am Ende entscheiden die Kosten." Deshalb gewährt Joachim Fehrenkötter auch volle Einsicht in die Bücher für alle sieben Fahrzeuge während des Tests. Die Gesamtbetriebskosten entscheiden über Sieg und Niederlage. "Der Verbrauch ist nur ein Teil des Ganzen", erläutert Fehrenkötter. Steht ein Fahrzeug länger in der Werkstatt wegen eines Defekts, kann das auch der niedrigste Verbrauch nicht mehr aufholen.

Deshalb richtet sich der Blick bei den sieben Lkw mit mittlerer Motorisierung und großem Fahrerhaus auch auf die Haltbarkeit. Geht eines der Fahr­zeuge in die Werkstatt, kalkuliert Fehrenkötter 1.000 Euro pro Ausfalltag. Das schlägt ordentlich zu Buche und treibt die Betriebskosten pro Kilometer in die Höhe.

Damit alle Kalkulationen ihre Richtigkeit haben, begleitet Dekra mit Fuhrparkexperten den gesamten Test und ist ständig in enger Absprache mit der Spedition. Die Sachverständigenorganisation übernimmt auch die technische Überwachung der Fahrzeuge und am Ende des Vergleichs die Bewertung der gebrauchten Lkw. So hat der Test sämtliche Kosten von der ersten Stunde bis zum letzten Meter im Blick. Dann zeigt sich, ob das beste Fahrzeug auf dem Papier der Praxis standhält.

Portrait

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

6. März 2014
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