Scania S 650 output badge Södertälje, Sweden Photo: Göran Wink 2017 10 Bilder Zoom
Foto: Scania

V8-Motoren

Scania stellt neue Generation vor

Scania hat eine neue Generation V8 aufgelegt. Die Abgasrückführung fällt flach, als neue Leistungsstufe kommen 650 PS. Zum Sound heißt es: Joe Cocker lässt grüßen.

Seine Unverwüstlichkeit ist bald sprichwörtlich. Und nicht nur der Klang des Namens ist legendär. Begleitet doch ein gewisser Donnerhall das Erscheinen des Scania-V8 seit seinem Debüt anno 1969 bis heute. Und jetzt, kurz vor seinem 50. Geburtstag, da dreht dieses Urgestein europäischer Motorentechnik noch einmal richtig auf. Nicht nur mit vielen technischen Leckerbissen fahren die neuen Scania-V8 vor. Die Schweden versprechen für die neuen Aggregate auch verstärkten Ohrenschmaus, der sich viel stärker wieder am kehligen Bass aus alten Tagen orientieren soll. Nur aus Spaß an der Freud resultiert das natürlich nicht, sondern hat handfesten technischen Hintergrund.

Denn was bei den künftigen V8 schon bei einem flüchtigen Blick auf Anhieb an neuer Architektur zu bemerken ist, das sind die neuen Abgassammelrohre: Einzeln docken sie jetzt beim neuerdings nicht mehr variablen, sondern mit fester Geometrie versehenen Turbolader an, den die zwei Zylinderreihen somit turbinenseitig aus zwei Richtungen speisen.

Abgasrückführung tritt ab

"Gedrehter Twin-Scroll-Turbolader" nennt der Fachmann diese doppelflutige Methode, die den Abgasgegendruck reduziert und den Gaswechsel des Motors verbessert. Angenehmer Nebeneffekt: Für den Sound der Maschinen soll genau das eben auch bedeuten, dass der sich wieder mehr dem ursprünglichen, legendären Reibeisengrollen des V8 annähert. Es erhöht sich obendrein die Zahl der Leistungsstufen von derzeit drei auf künftig vier: Neu im Sortiment ist da eine 650-PS-Version, die jene bisher weit klaffende Lücke zwischen den Leistungsstufen 580 und 730 PS elegant schließt. In der Kategorie drunter bleibt es zwar beim Split in 520 und 580 PS, doch gibt es zumindest für die 580-PS-Version in Form von erhöhtem maximalem Drehmoment mehr Dampf im Keller. 3.000 Nm sind künftig dort anstelle von bisher 2.950 dieser Krafteinheiten geboten. Für den 520er bleibt’s bei 2.700 Nm im Maximum.

Zugleich tritt ein Element ab, auf das Scania bei den Reihensechszylindern schon seit der Einführung der neuen Generation ganz verzichtet: die Abgasrückführung. Wer heutzutage keine Rücksicht auf die schärferen Abgasgrenzwerte in den USA nehmen muss, der verzichtet gern auf diese tendenziell dem Verbrauch weniger bekömmliche Zutat. So heißt es nun auch für den legendären V8 schlankweg "SCR only", was zumindest dieser Tage allerdings noch nicht für die Leistungseinstellung von 730 PS gilt. Dieses extra starke Aggregat macht nicht alles mit, was seine drei frischen Brüder da im Einzelnen vorexerzieren. Es ist aber wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis dieser Big Block sich nahtlos einreiht. Doch davon später mehr.

Integrierter Schalldämpfer

Bei den drei Leistungsstufen drunter hat Scania jedenfalls kräftiger Hand angelegt. Der Lader selbst sitzt bei dem neuen V8-Konzept von Scania inmitten der Zylinderbänke und ist direkt am Motorblock montiert. Das, so sagt Scania, stelle eine besonders stabile und schwingungsfeste Position sicher. Und warum ein starrer Lader statt des variablen Turbos? Bei SCR only, so Scania weiter, könne auf die variable Variante verzichtet werden. Robuster und leichter sei die starre Ausführung sowieso. Und günstiger im Einkauf wird sie auch sein. Was die Abgasnachbehandlung angeht, bringt Scania nun aber für alle vier V8-Zylinder einen kompakten und komplett integrierten Schalldämpfer, der das volle Kammerjäger-Programm enthält. Dort hausen nicht nur Oxidationskatalysator und Adblue-Mischer, sondern auch ein Duo an Partikelfiltern und jeweils ein Trio an SCR-Kats sowie Ammonium-Schlupfkatalysatoren unter einem Dach.

Und für die direkte Umgebung der acht Zylinder in V-Form gilt: Zuwachs bekommt dort die Familie an sogenannten intelligenten Nebenverbrauchern. Da gibt es jetzt zum Beispiel eine thermostatgeregelte Ölpumpe, die dank variablen Ventils unabhängig von der Drehzahl das Geschäft des Schmierens vornimmt. Ähnlich bedarfsgerecht agiert das Kühlsystem, das auf eine insgesamt höhere Betriebstemperatur als zuvor umschwenkt und somit zudem die Reibung im Allgemeinen reduziert. Gefeilt hat Scania in dieser Richtung auch kräftig im Detail: Motorintern ist darüber hinaus vieles – das Spektrum reicht vom Zylinderkopf und den Kolben über Kurbelgehäuse samt -welle sowie die Lager – auf niedrigere Reibung hin getrimmt. Viele kleine Ursachen, große Wirkung: Alles in allem, so sagt Scania, drücke die neue Technik den Verbrauch "um sieben bis zehn Prozent".

Miller-Kreisprozess für den neuen 520-PS-V8

Weniger Maximaldruck im Kraftstoffverteilersystem, aber höhere Verdichtung sind zwei weitere wesentliche Merkmale der neuen Scania-V8-Technik, die nun mit einem maximalen Zylinderdruck von 210 bar arbeitet. Möglich macht das eine neue Single-Rail-Kraftstoffverteilung mit zentraler Hochdruckleitung. Als Kraftstoffpumpe reicht somit eine, leiser als bisher verfahrende, XPI-Lösung, die sich mit nur zwei Zylindern begnügt. Die wiegt nicht bloß weniger, sondern geht ihrerseits auch bescheidener beim Zapfen von Energie vor. Ebenso tief wie pragmatisch griff Scania schließlich in die Trickkiste, um dem ganz besonderen Problem von Big Blocks bei geringer Motorbelastung Herr zu werden. Denn wenn der Motor zu viel Luft im Verhältnis zum erzeugten Wärmeüberschuss ansaugt, dann kann das Klima bei den Abgasen schnell kühler werden, als es der Abgasnachbehandlung lieb ist.

Für den neuen 520-PS-V8 besannen sich die Ingenieure deshalb auf den – vor rund 60 Jahren erfundenen – sogenannten Miller-Kreisprozess, der mit speziellen Nockenwellenprofilen arbeitet und eines bewirkt: Die Einlassventile bleiben während des Verdichtungstakts länger als üblich geöffnet. So kommt es zu etwas geringerer Befüllung der Zylinder mit Luft. Ergebnis: eine in etwa ähnliche Erhöhung der Temperatur wie bei der Reduzierung des Hubraums um einen Liter. Am anderen Ende des Leistungsspektrums, also bei der 730-PS-Version, geht Scania hingegen eher verhalten vor. Dort bleibt es bei Abgasrückführung, bei der gewohnten Einspritzung und auch beim variablen Turbo. Was der Scania-Topmotor aber in einem ersten Schritt heute schon an Neuem bekommt, das sind Dinge wie der neue, kompakte Schalldämpfer oder die abschaltbare Kühlmittelpumpe.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 08/2017.
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Datum

11. Juli 2017
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