Flotte, Nord-Süd Zoom

Nord-Süd: Neue Dispo zahlt sich aus

Wie disponiert man eine große Flotte? Die einen schwören auf eine zentrale Lösung, die anderen auf ihren dezentralen Ansatz. Die Unternehmensgruppe Nord-Süd hat sich für den Mittelweg entschieden: "So zentral wie möglich und so dezentral wie nötig", lautet die Devise von Axel Heitmann, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung.

Getreu diesem Motto hat das Unternehmen mit Zentrale in Rheda-Wiedenbrück im Februar 2011 begonnen, seine Disposition umzukrempeln. Dabei ist Nord-Süd bereits ein gutes Stück vorangekommen, sodass Heitmann eine erste Zwischenbilanz ziehen kann. "Wir meinen, dass dieser Mix aus zentraler und dezentraler Disposition bisher gut gelingt", sagt er. Bis Jahresende sollen die neuen Strukturen stehen.

Aufbau eines zentralen Kundenservice ist geplant

Noch gibt es einiges zu tun: Es gilt, das Telematiksystem aus dem Hause Couplink stärker mit der Speditionssoftware von Weber Data Service zu vernetzen. Noch ist kein durchgängiger Workflow möglich. Analog zur Dispo ist darüber hinaus der Aufbau eines zentralen Kundenservice geplant.

Gingen die Disponenten ihrer Arbeit bisher an verschiedenen Standorten nach, steuern sie die Fernverkehrsflotte nun gemeinsam von Rheda-Wiedenbrück aus. Der Dispo-Leiter und seine sechs Mitarbeiter sitzen gemeinsam in einem  Raum, was zu einer verbesserten Kommunikation beiträgt. Vieles lässt sich auf Zuruf regeln. Firmenchef Heitmann schätzt dieses unkomplizierte Arbeiten. Entsprechend gern betritt er das Büro. In kürzester Zeit kann er sich dort auch einen Eindruck vom Tagesgeschäft machen. Mit wenigen Klicks wird klar, wie es um die Auslastung der Lkw steht.

"Seit Start der zentralen Disposition hat sich die Auslastung signifikant erhöht", erklärt Heitmann, ohne Details zu nennen. Auch an anderer Stelle gelang es, die Effizienz zu verbessern: Die Leerkilometer gingen nach Firmenangaben weiter zurück, und das kostbare Gut Lenkzeit wird besser ausgenutzt.

Kapazitäten stehen schneller zur Verfügung

Auch die Kunden profitieren: Wer früher etwa kurzfristig zehn Ladungen Waschmaschinen anmeldete, musste in der Vergangenheit nicht selten vertröstet werden. Nun ist es eher möglich, solch hohen Kapazitäten in kurzer Zeit freizuschaufeln. Da die Flotte früher Standorten zugeordnet war, hatte der einzelne Disponent nur Zugriff auf eine begrenzte Fahrzeugzahl. Nun haben die Mitarbeiter den gesamten Fuhrpark im Blick.

Fast. Denn der Mix aus zentraler und dezentraler Dispo sieht vor, dass die Fuhrparks mit Spezial-Equipment an den Standorten Triptis und Lüdenscheid weiter unter der Fittiche der dortigen Mitarbeiter bleiben. In Triptis hatte Nord-Süd 2008 die Spedition Knecht TVL erworben, die ihren Fokus auf der Bau- und Fensterbranche hatte – ein Geschäft, das Nord-Süd seitdem ausgebaut hat.

Die in Triptis angesiedelten Lkw mit Mitnahmestapler beziehungsweise Ladebordwand sind von März bis November ohnehin gut ausgelastet. Sollte in der Nebensaison Leerlauf auftreten, kann Nord-Süd sie nun kurzerhand nach Rheda-Wiedenbrück für andere Aufgaben abziehen. Die in Lüdenscheid stationierten Wechselbrücken-Lkw – eingesetzt für den Transport von Aluprofilen – verbleiben ebenfalls am Standort, weil sie nur bedingt für Rückladungen und damit die Zentraldispo infrage kommen.

Nord-Süd beschäftigt 100 Mitarbeiter in Zabreh


Und keine Frage, dass Nord-Süd auch die Lkw am tschechischen Standort Zabreh nicht von Nordrhein-Westfalen aus disponiert – spätestens nach dem Fall Willi Betz ist dies für die seriös agierenden Unternehmen hierzulande keine Option mehr. Rund 100 der fast 600 Nord-Süd-Mitarbeiter sind in Zabreh beschäftigt.

Und wie schmeckt den Fahrern das zentrale Kommando? Firmenchef Heitmann ist überzeugt, dass auch sie von den neuen Strukturen profitieren. Da die Disponenten über eine höhere Anzahl an Fahrzeugen verfügen, können sie diese wirtschaftlicher einsetzen und auf den besonders gefragten Relationen feste Linien aufbauen. Die lassen sich oft über Stafetten- oder Begegnungsverkehre abbilden. Das erfreut die Fahrer, weil es ihnen planbare Lenk- und Arbeitszeiten beschert. Das Gros kehrt daher abends zur Familie heim. "Auch das ist bei der Suche nach Fahrern ein Vorteil", sagt Nord-Süd-Chef Heitmann.

Doch glaubt er, dass seine Firma bei Bewerbern auch in anderer Hinsicht punktet. Heitmann ist überzeugt, dass Nord-Süd einen guten Ruf hat – nicht zuletzt durch das Engagement für die Verkehrssicherheit. Alle Fahrer sind gehalten, defensiv zu fahren und auf zweispurigen Straßen nicht zu überholen.

Partner der Initiative V-top

"Safety first" steht auf den Heckportalen der Fahrzeuge – samt einer Rufnummer, sollten andere Verkehrsteilnehmer den Fahrstil loben oder doch mal Kritik äußern wollen. Nord-Süd ist ferner Partner der Initiative V-top, die der Scheinwerfer-Spezialist Hella und die trans aktuell-Schwesterzeitschrift FERNFAHRER ins Leben gerufen haben. Auf fast jedem Lkw prangt ein Aufkleber mit dem feurigen V – das für Vernunft, Verständnis und die Vorbildfunktion der Fahrer stehen soll.

Ende des Jahres könnte das V auch noch für ein anderes Substantiv stehen – zum Beispiel für Vollzug oder Vollendung – wenn es Nord-Süd gelungen ist, den Aufbau der Zentraldispo erfolgreich abzuschließen.

Das Unternehmen

Die Unternehmensgruppe Nord-Süd aus Rheda-Wiedenbrück beschäftigt an neun Standorten in Deutschland sowie zwei Stützpunkten in Tschechien und der Slowakei rund 600 Mitarbeiter. Das Unternehmen setzt knapp 400 ziehende Einheiten ein, von 50 Scania abgesehen allesamt der Marke Mercedes-Benz. Zehn neue Actros-Modelle sind bestellt. Sie erfüllen Euro 5 beziehungsweise die EEV-Norm. Um Euro-6-Lkw macht Nord-Süd wegen der Mehrkosten, aber auch der fehlenden Freigabe für Biodiesel noch einen Bogen. Nord-Süd erledigt die Transporte traditionell in Eigenregie. Die Kunden stammen überwiegend aus der Automobil-, Elektro- (weiße Ware) und Baubranche. Für 2012 ist Firmenchef Axel Heitmann optimistisch. Umsatzwachstum ist aber nicht das Ziel. Vielmehr strebt er eine weitere Ergebnisverbesserung an – wozu verbesserte Prozesse (wie die Zentraldispo), aber auch Preiserhöhungen beitragen sollen.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Nord Süd

Datum

22. Februar 2012
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