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Umfrage: Fahren auf dem Standstreifen

Die Telematik-Umfrage von trans aktuell und PTV ist beendet. Sie beweist, dass der zunehmende Verkehr Lösungen braucht. Eine könnte  die Freigabe des Standstreifens sein.

In Zeiten knapper Kassen ist bisweilen selbst guter Rat teuer. Aber ist das wirklich so? trans aktuell hat in Zusammenarbeit mit den Verkehrsoptimierern von PTV eine Umfrage zum Nutzen von Telematik bei der Stauvermeidung gemacht. Das Ergebnis liegt nun vor. Kein von Politikern oder von Wissenschaftlern erdachtes Szenario, sondern ein Abbild der Praxis.

Verkehrsspitzen abfangen mit befahrbaren Standstreifen

Dass bisweilen schon technische Lösungen einen Stau verhindern beziehungsweise zumindest abfedern können, zeigt der befahrbare Standstreifen. »Auf diese Weise kann man ohne großartige bauliche Veränderungen Verkehrsspitzen abfangen«, erklärt Katja Rumstich, eine der Gewinner der Umfrage, im Gespräch mit trans aktuell. Auf der A 7 zwischen Hamburg und Flensburg gebe es bei erhöhtem Verkehrsaufkommen etwa die Möglichkeit, dass auch der Standstreifen automatisch freigegeben wird. Nimmt die Belastung wieder ab, erlischt auf den Hinweistafeln die entsprechende Aufforderung. Eine Lösung, die nach Ansicht der Verkehrsleiterin von Volker Rumstich Transport an belasteten Streckenabschnitten durchaus Schule machen dürfte. "Zumindest überall dort, wo dies aufgrund der baulichen Gegebenheiten möglich ist", sagt sie. Ein Ansinnen, dem auch ein ausgewiesener Verkehrsexperte nicht widersprechen kann: "Dynamische Standstreifenfreigaben haben sich in den letzten Jahren als streckenbezogener Ansatz auf Autobahnen bewährt", sagt Dr. Michael Ortgiese, Vizepräsident der PTV-Forschungsabteilung. Zudem könne die Freigabe intelligent mit anderen Maßnahmen kombiniert werden.

Netzbeeinflussung einbinden

So sei es etwa möglich, eine sogenannte Netzbeeinflussung einzubinden. Dabei bieten die Schilder zusammen mit der Navigation eine für den einzelnen Fahrer und dessen  Ziel optimierte Verkehrsinformation. »Auf diese Weise könnte man weitere Optimierungspotenziale bei vergleichsweise geringen Investitionssummen verwirklichen«, sagt er im Gespräch mit trans aktuell.

Telematik haben die meisten im Einsatz

Eine Telematik und/oder eine Navigation haben die meisten der rund 30 befragten Unternehmen im Einsatz. Mehr als 70 Prozent beantworteten diese Frage mit einem Ja. Dass mehr als 63 Prozent davon eine Profi-Lösung im Einsatz haben dürfte allerdings nicht den Branchendurchschnitt wiedergeben. Hier liegt der Schluss nahe, dass die Fragestellung bei eben jenen Unternehmen auf besonderes Interesse gestoßen ist, die sich bereits mit diesem Thema auseinandersetzen. Das dürfte dann wie bei Rumstich allerdings meist eher operative Gründe haben: "So wissen wir immer, wo sich unsere Fahrzeuge befinden." Im Falle eines Staus könne man so frühzeitig reagieren und gegensteuern. Oder aber zumindest den Kunden über die verspätete Lieferung informieren.

Telematik für die Analyse im Einsatz

Bislang hat das Unternehmen aus Spornitz in Mecklenburg-Vorpommern seine Lösung -  in diesem Fall ist es Fleetboard -  hauptsächlich für die Analyse im Einsatz. Ob als Stau-Nachweis für den Kunden, vereinfachte Spesenabrechnung für den Fahrer oder aber beim Aufklären von Mautdifferenzen - das System leistet wichtige Dienste.

Die Hälfte ist für Pkw-Maut

Da sowohl die Telematik als auch ein befahrbarer Seitenstreifen nicht alle Verkehrsprobleme lösen werden, sprach sich immerhin knapp die Hälfte der Befragten für eine Pkw-Maut aus, so auch Katja Rumstich: "Es sind schließlich nicht nur die Lkw, die die Straßen schädigen", sagt sie. Auch die Zwölf-Tonnen-Grenze hält sie für willkürlich. Für den Erhalt der Infrastruktur sollten alle Nutzer - und damit auch alle ausländischen Pkw-Fahrer sowie Lenker von leichten Nutzfahrzeugen - zur Kasse gebeten werden. Dann bleibe nur noch zu hoffen, dass die Mehreinnahmen auch wirklich in die Verkehrsinfrastruktur fließen.

Ausbau vornhandener Strecken

Dass fast jeder der Umfrageteilnehmer den Ausbau vorhandener Strecken wünscht, lässt auch Rückschlüsse auf den maroden Zustand der jetzigen Infrastruktur zu. Mehr als ein Drittel der Befragten wünscht sich zudem, dass es neue Straßen gibt. Sicherlich in dem Bewusstsein, dass die Politik dies bislang mehr oder minder kategorisch ausschließt.

80 Prozent halten Parkleitsysteme für probates Mittel

Die vom Bund propagierte Stärkung der Schiene inklusive des Kombinierten Verkehrs liegt da mit knapp einem Viertel doch deutlich dahinter. Sicherlich auch vor dem Hintergrund, dass viele Spediteure es der Bahn nicht zutrauen, einen solchen Zuwachs zu verkraften. Rund 80 Prozent halten Parkleitsysteme für ein probates Mittel, den Verkehr zu lenken. Auch Katja Rumstich unterstützt diese Meinung: "Es ist sicherlich nicht sinnvoll, wenn der Fahrer ab 17 Uhr einen Parkplatz sucht, auch wenn er noch zwei Stunden Restlenkzeit hat", sagt sie. Genau das sei momentan aber Usus.

Baustelleninformationssysteme sind ausbaufähig

Weit mehr als die Hälfte sieht in Baustelleninformationssystemen und auch im Baustellenmanagement noch Luft nach oben. Überraschend war, dass etwa jeder zweite einem allgemeinen Tempolimit von 80 km/h für Lkw zustimmt. Diese Forderung hatte der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) Anfang dieses Jahres ausgesprochen - und damit nicht nur offene Türen eingerannt. Offenbar gehen aber immer mehr Unternehmen ohnehin dazu über, das Tempo zu drosseln, um Diesel zu sparen. Auch dort dürfte die Telematik mit den Informationen über Fahrweisen und zugehörige Verbräuche ihre Spuren hinterlassen haben.

Zeitverlustanzeige ist weniger wichtig

Ebenfalls überraschend ist, dass die Anzeige des Zeitverlusts durch einen Stau nur von etwas mehr als einem Drittel als wichtig empfunden wird. Im Hinblick auf eine möglichst genaue weiterführende Planung oder auch eine einigermaßen verlässliche Rückmeldung an den Kunden war hier mit einer stärkeren Resonanz zu rechnen.

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Datum

14. Dezember 2011
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