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BGL hat Testbetrieb begonnen: Trusted Carrier soll im Frühjahr starten

Der Probebetrieb des Systems Trusted Carrier seit Juli trägt erste Früchte. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BLG), der Verband Transfrigoroute Deutschland und der Gewerbeversicherer Kravag planen den Echtbetrieb für Frühjahr 2017, auch andere Länder sollen einbezogen werden.

Verlader wollen Gewissheit haben. Sie möchten sich darauf verlassen können, dass die bereit gestellte Ladung abgeholt und korrekt zugestellt wird. Denn trotz vertraglicher Bindungen an Speditionen gibt es für sie keine absolute Sicherheit. Wer sagt, dass die Ware aufgrund des Fahrermangels nicht mal stehen bleibt? Und wer verhindert, dass sich Betrüger mit falschen Papieren die Ware erschleichen und den Auflieger entwenden?
Konstruiert sind beide Fälle nicht, wie auch die steigenden Fallzahlen im Bereich des Ladungsdiebstahls zeigen. Der Wunsch nach Sicherheit in der Lieferkette kommt also nicht von ungefähr. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) hat darauf reagiert und gemeinsam mit dem auf Kühllogistik spezialisierten Verband Transfrigoroute Deutschland und dem Gewerbeversicherer Kravag das System "Trusted Carrier" – auf Deutsch: Bekannter Transporteur – geschaffen.

Registrierung von Firmen und Fahrzeugen in einer Datenbank

Dahinter steht die Idee, dass sich Transport- und Logistikdienstleister, aber auch ihre Subunternehmen, in einer entsprechenden Datenbank mit ihren Fahrzeugen eintragen. Der Verlader kann dann gezielt diese Unternehmen beauftragen und sich bei der Abholung durch Kennzeichen-Abgleich davon vergewissern, dass tatsächlich eines der gelisteten Fahrzeuge an der Rampe vorgefahren ist.
Denn genau darauf sollen sich Verlader verlassen können. Das erspart böse Überraschungen an der Rampe. Hinzu kommt, dass in dem Portal auch nur Firmen gelistet werden, deren Qualität und Zuverlässigkeit zuvor anhand entsprechender Nachweise durch Zertifizierer bescheinigt wurde. Das Trusted Carrier-Netzwerk biete wirksamen Schutz vor unseriösen Transporteuren, heißt es in einer entsprechenden Broschüre.
Eine dreistellige Zahl an Unternehmen beteilige sich an dem im Juli begonnenen Probebetrieb, sagte Dr. Guido Belger, Leiter der Abteilung Rechts- und Versicherungsfragen beim BGL, am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Kravag in München. Die Betriebe hatten sich und ihre Lkw vorher in dem mithilfe der Straßenverkehrsgenossenschaften (SVG) erstellten Portal registriert sowie die nötigen Genehmigungen (etwa die EU-Gemeinschaftslizenz) und Nachweise (zum Beispiel zum Mindestlohn) hinterlegt. BGL und Transfrigoroute haben die Daten hinterher verifiziert und die Firmen für Transaktionen auf der Plattform trusted-carrier.de freigegeben.

Start des Systems für Frühjahr 2017 geplant

War zunächst geplant, im Oktober in den Live-Betrieb zu gehen, steht nun das Frühjahr 2017 als Starttermin im Raum. "Solange geht der Probebetrieb weiter", sagt Belger. Der Grund ist, dass auch andere nationalen Verbände Interesse an dem System zeigen, was laut BGL eher für einen späteren und gemeinsamen Start spricht. Konkret zeigen demnach Dänemark, Polen und Tschechien Interesse an dem System. Bei der Jahrestagung der International Road Transport Union (IRU) als gemeinsame Dachorganisation im November wollen die Vertreter der jeweiligen Verbände dann das weitere Vorgehen besprechen.
Und was ist, wenn doch mal ein anderes Fahrzeug als das in der Datenbank hinterlegte vorfährt oder der Verlader andere unangenehme Überraschungen an der Rampe erlebt? Dann landet der Fall vor einem Beschwerde-Ausschuss, der mit Vertretern von BGL (Präsidium und Landesverbände), Transfrigoroute, Verladern, Trusted Carrier-Mitgliedern und Kravag besetzt ist.
Dass die Kravag mit von der Partie ist, hängt damit zusammen, dass sie die Sicherheit für die Verlader auch finanziell garantiert. Vorgesehen ist eine Zahlung von 5.000 Euro, sollte ein Lkw vorfahren, der nicht in der Trusted Carrier-Datenbank registriert ist. "Dadurch werden schwarze Schafe ausgeschlossen und wir bekommen ein selbstreinigendes System", betont BGL-Mann Belger. Und was passiert, wenn das disponierte Fahrzeug ausfällt und ein Miet-Lkw zum Einsatz kommt? Dann gebe es die Möglichkeit, den betreffenden Lkw in einem vereinfachten Verfahren kurzfristig zu melden, sagt Belger. Auch das schafft Sicherheit.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Datum

28. September 2016
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