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Truckjobs - Fahrlehrer: Guido Stabler lehrt das Fahren

Guido Stabler hat viel erlebt. In der Ausbildung des Fahrernachwuchses hat der Fahrlehrer aller Klassen schließlich seine Berufung gefunden.

Ruhig und gelassen sitzt Guido ­Stabler auf dem Beifahrersitz des Actros 1844. Die Pedale auf seiner Seite wird er heute nicht brauchen – Fahrschüler Armen Gashi hat schon ein paar Fahrten hinter sich. Nur ab und zu rattert noch der Spurverlassenswarner. "Wo wollen wir hin?", fragt Guido, als sich Armen auf die falsche Spur einordnet. Der reagiert schnell und fährt auf die B 27. "Die nächste raus und in Richtung Bernhausen weiter", kommandiert der Fahrlehrer. Dann nimmt er einen ordentlichen Schluck Kaffee aus seiner schwarzen Thermoskanne.

Als Fahrlehrer muss man immer hellwachs sein

Der entspannte Schein trügt: Guido bleibt immer wachsam. Sein Blick wandert pausenlos zu Armen, in die Spiegel, nach vorne und wieder zu Armen. "Man muss immer hellwach sein. Als Fahrlehrer trage ich die Verantwortung, auch rechtlich gesehen", betont der gebürtige Duisburger. Zur Verantwortung für seine Schützlinge kommen lange Arbeitstage, Theoriestunden am Abend und Nachtfahrten. All das sieht er im Bild, das die Öffentlichkeit von diesem Beruf hat, nicht ausreichend gewürdigt. Auf der anderen Seite genießt er natürlich seinen abwechslungsreichen Alltag, den Umgang mit jungen Leuten und die breite Palette an "Arbeitsgeräten". Als Fahrlehrer aller Klassen darf ­Guido alle ausbilden – ob angehende ­Motorrad-, Auto-, Bus- oder Lkw-Fahrer. Meistens sitzt er jedoch in einem der beiden ­Merce­des-Benz Actros oder dem Neoplan-Bus der Fahrschule Mülln und bildet künftige Berufskraftfahrer aus.

Lkw-Führerschein bei der Bundeswehr

Er selbst hat den Lkw-Führerschein ganz klassisch bei der Bundeswehr gemacht. Nach der Ausbildung zum Energieanlagen-Elektroniker ging er im April 1980 zum Bund – und blieb ganze 15 Jahre. Als er 1995 ausschied, hatte er in der Abendschule die Berufskraftfahrer-Ausbildung durchlaufen und obendrein den Kraftverkehrsmeister gemacht. Über den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) qualifizierte er sich auch noch zum Fahrlehrer aller Klassen. Zurück im Zivilleben heuerte er dann als Fahrlehrer an. Bei seiner alten Fahrschule ging’s mit dem Bus am Wochenende immer regulär auf Tour – nach Paris, Madrid, Brüssel, Monaco, Cannes, London und Warschau. "Das war eine schöne Zeit", erinnert sich Guido. "Allerdings hat sie meine erste Ehe gekostet." Seit Januar 2012 gehört Guido nun zum Team von Burkhard Mülln.

Rückwärtfahren muss geübt sein

Doch zurück zur Fahrstunde "Jetzt fahren wir gleich ein bisschen rückwärts, das kann man nicht genug üben", frohlockt Guido. "Ich habe das Gefühl, du willst mich quälen", frotzelt Armen. Im Industriegebiet  Griebenäcker findet sich eine passende Stelle. "Und jetzt rückwärts um die Kurve rum!" Brav sagt Armen zuerst den Zaubersatz: "Bitte aussteigen und absichern!" Guido lächelt zufrieden, klettert hinunter und muss erst einmal ein paar überforderte Autofahrer vorbeidirigieren. Dann ist Armen gefragt. Einige Korrekturzüge und Einweisungen später ist der angehende Berufskraftfahrer rückwärts links abgebogen und steht akkurat parallel zum Gehweg. Jetzt ist etwas Zeit für eine kurze Pause und einen Blick hinter den Kühlergrill. Aufmerksam lauscht Armen ­Guidos Ausführungen. "Ruhig, sachlich und kompetent ist das Image, das ich mir wünsche", sagt Guido. Das ist ihm gelungen.

Job-Check
Arbeitgeber
Ausbildungscenter für Verkehr und Sicherheit Fahrschule Burkhard Mülln, Köngen / Nürtingen / Leinfelden-Echterdingen / Neuffen


Einstiegsqualifikation
Abgeschlossene Berufsausbildung; Mindestalter: 23 Jahre; Besitz von Pkw-, Motorrad- und Lkw-Führerschein (mindestens); erfolgreich bestandene Prüfung an einer Ausbildungsinstitution für Fahrlehrer; sechsmonatiges Praktikum bei einer Fahrschule
Entwicklung
Spezialisierung, zum Beispiel auf die BKF-Modulausbildung und Sonderfahrzeuge


Aufstiegsmöglichkeiten
Verantwortlicher Leiter einer Niederlassung


Fuhrpark
An vier Standorten 18 Motorroller und Motorräder, sechs Pkw, drei Lkw (1 Atego und 2  Actros), ein Bus (Neoplan), zwei Stapler


Arbeitsbedingungen
Lange Arbeitstage durch Theorieunterricht am Abend und Nachtfahrten


Bezahlung
Frei aushandelbar; Nacht- und Überstundenzuschlag; Weiterbildungen und Qualifikationen auf Kosten der Fahrschule


Plus: Abwechslungsreich: Alltag und Ausbildungsinhalte; vielfältiger Fuhrpark; viel Umgang mit Menschen

Minus: Lange Arbeitstage; große Verantwortung; permanente Konzentration auf das Verhalten des Fahrschülers

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

Foto

Johannes Roller

Datum

17. August 2015
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