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Truckjob Kehrmaschinenfahrer: Im Schritttempo unterwegs

Florian Schäf ist bei seinem Job oft im Schritttempo oder gar noch langsamer unterwegs. Das stört ihn aber nicht, gut Ding will schließlich Weile haben.

Unter sonorem Brummen schleichen links und rechts die Bäume des Waldes vorbei. Der Blick nach vorn durch die Windschutzscheibe zeigt für über zwei Stunden die gleiche kurvige kleine Fizionalstraße, das Gefälle hinunter und wieder hinauf. Dank stufenlos regulierbarem Hydrostatantrieb für den Kehrmodus in bis zu sagenhaft langsamen 0,3 Kilometern pro Stunde! Ab und zu auch im Rückwärtsgang. Nein, ein Job für ruhelose Gemüter ist das nicht. Florian Schäf hat das Radio an, doch durch die stets einen Spalt geöffnete Seitenscheibe ist er mit einem Ohr immer ganz bei seinem Fahrzeug. Hören, wie die große schwere Maschine arbeitet, und dabei ein blitzsauberes Kehrbild – der Fachausdruck – fabriziert, das mag er. Er bekommt so außerdem sofort mit, sollte irgendwas da hinten nicht hundertprozentig sein.

Dass er auf der rechten Seite der Fahrerkabine sitzt, und seine Armaturen links von ihm sind, ist für Florian Arbeitsalltag: "Bei mir ist das in Fleisch und Blut, aber wer zum ersten Mal hiermit fährt, muss sich sicher erst eingewöhnen." Die moderne Kehrmaschine hat keinen zusätzlichen Motor für den Aufbau, sondern im Kehrmodus übernimmt der Hydrostat und versorgt den Aufbau mit Energie.

Für die Kehrmaschine muss man ein gutes Gespür entwickeln

Um auf Hydrostat umzuschalten, muss der Scania zuerst stehen. Über das Hauptpult mit Kippschaltern, Drehreglern und einem Touch-Feld bedient Florian dann Besen, Saugschacht, Wasserpumpen und alle anderen Reinigungsfunktionen. Auf dem Monitor daneben kann er über Kameras sehen, was sich linksseits und hinter der Kehrmaschine tut. Links unten neben dem Fahrersitz befinden sich 15 kleine Wasserhähne und fünf Drehschalter, mit denen er die Wasserzufuhr steuert. Richtig dosieren muss er Wasser, Druck und Geschwindigkeit der Besen und auch die Saugleistung selbst. Dafür muss man ein gutes Gespür entwickeln.

Mit 18 machte der gelernte Industriekaufmann den Lkw-Führerschein, ging aus dem Büro des Familienbetriebs "stiften". Seitdem ist er leidenschaftlich gern mit allem unterwegs, was der Fuhrpark von Schäf Städtereinigung hergibt – Müllwägen, Containerabroller, Kehrmaschinen. Letztere sind ihm dabei ein ganz besonders lieb gewonnenes Arbeitsgerät. "Das Zusammenspiel der Technik in einer Kehrmaschine und was sie leisten kann, das hat mich schon als kleiner Junge fasziniert", begründet der 30-jährige seine Begeisterung für‘s Kehren.

Der Großvater brachte die erste Maschine in den Betrieb

Vermutlich ist die Begeisterung auch ein wenig erblich bedingt, denn bereits 1964 brachte Florians Großvater Albert die erste Kehrmaschine in den Betrieb in Murrhardt. Damals noch ein echte Rarität im ganzen Landkreis. Inzwischen führt Florians Vater Edgar die Firma und Schäf verfügt über drei Groß- und zwei Kleinkehrmaschinen. Die Ortsdurchfahrten im Rems-Murr-Kreis sind allerdings nicht das einzige Revier von Florian und seinem nur ein Jahr alten Fahrzeug. Natürlich wird mit dem Scania G 410 mit einem Viajet-Aufbau von Faun auch der schöne kleine Marktplatz von Murrhardt sauber, aber dafür ist der orangfarbene Koloss fast etwas überdimensioniert. Sein eigentliches Einsatzgebiet sind Baustellen.

So wie die frisch gemachte Straße durch den Wald. "Um dem neuen Asphalt mehr Griffigkeit zu geben, wird im letzten Arbeitsgang ganz feiner Split aufgestreut und eingewalzt. Ich kehre ab, was nicht hält, wasche am Ende mit der 210 bar starken Hochdruckanlage des Scania darüber, sauge mit der Hecksauganlage den nassen Dreck weg und die Straße gleich wieder trocken", erklärt Florian. Danach ist alles sauber und vor allem sicher für Auto- und speziell Motorradfahrer. Auch Baustellen auf Autobahnen, Bundestraßen oder Industriegeländen im ganzen süddeutschen Raum gehören zum Aufgabengebiet: "Ich folge der Fräsmaschine und kehre und sauge das Fräsgut ein. Bevor eine moderne Straßendecke aufgebaut wird, kommt nämlich ein Haftgrund auf die Bahn und die muss deshalb vollkommen rein sein."

Kontrolle, Wartung und Pflege des Fahrzeugs sind wichtig

Nach einem solchen Einsatz muss der sieben Kubikmeter großen Schmutzssammelbehälter entleert und gereinigt werden, damit sich nichts festsetzt. Der Dreck wird abgekippt und Florian säubert mit der Hochdrucklanze, die praktischerweise gleich mit an Bord ist, nach. Kontrolle, Wartung und Pflege des Fahrzeugs sind deshalb ein wichtiger Bestandteil von Florians Arbeit. Denn gerade "Schmutz", wie Split und Fräsgut, ist eigentlich Gift für die Kehrmaschine. Bei einer Saugleistung von 20.000 Kubikmeter in der Stunde prasseln die kleinen harten Brocken wie tausende Schleifkörner durch die Innereien des Aufbaus in den Kehrgutbehälter. Nach einer Woche Kehren sind auch die seitlichen Tellerbesen mit ihren Stahlborsten platt und wandern ins Recycling.

"Wir haben eine eigene Werkstatt, die Lkw und Aufbau regelmäßig durchcheckt, aber gerade der Fahrer muss besonders auf sein Fahrzeug aufpassen", betont Senoirchef Edgar Schäf. Wenn die Maschine nicht kehrt, kann man mit ihr nämlich so schnell fahren wie mit jedem andere Lkw, muss aber trotzdem immer die Dimensionen und die veränderte Übersicht beachten – Umsicht ist gefragt. Nachvollziehbar, schließlich stehen da, inklusive Anbaugeräten, rund 400.000 Euro auf dem Hof. Ein Kehrmaschinenfahrer mag oft langsam unterwegs sein, einen lahmen Job hat er aber sicher nicht.

Arbeitgeber

Schäf Städtereinigung GmbH
Weimarer Straße 1, 71540 Murrhardt
Webseite

Einstiegsqualifikation: Führerschein Klasse C/CE
Aufstiegsmöglichkeiten: Fuhrparkleitung, Disposition
Fuhrpark: Insgesamt über 80 Abfallsammelfahrzeuge, Abrollkipper, 3 Großkehrmaschinen, 2 Kleinkehrmaschinen, 12-Tonner und Transporter
Arbeitsbedingungen: Arbeitsbeginn früh morgens um 6.00 Uhr, Ende gegen 15.30 Uhr; Sondereinsätze mit der Kehrmaschine möglich, z. B. Nachtbaustellen; hohe Qualitätsanforderung an das Arbeitsergebnis und große Achtsamkeit im Umgang mit dem Fahrzeug
Bezahlung: Leistungsbezogen

Positiv

Anspruchsvolle Tätigkeit durch die Bedienung der komplexen Maschine während der Fahrt, grundsätzlich geregelte Arbeitszeiten

Negativ

Wenig Kilometerleistung, körperliche Anstrengung bei Wartung und Pflege des Fahrzeugs

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 07/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

13. Juni 2016
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