ETT 28 Bilder Zoom

Truck Trial: (Fast) Aller Anfang ist gut

Selten war ein Saisonauftakt so mit Spannung erwartet worden, hatten doch die Trial-Macher den Winter genutzt, wichtige Regeln neu zu definieren.

Besonders augenfällig: Die neue Zusammenstellung der Stargruppen. Nicht mehr als klassenweise als „geschlossene Gesellschaft“ sondern als „bunte Reihe“, zusammengestellt aus Fahrzeugen aller Klassen, reihten sich sechs Gruppen á fünf Fahrzeuge vor den Sektionen auf. Wie berichtet fehlte die Klasse S4 komplett.

Auch Jan Borzym rollte nicht nach Tirol, als er vom Wegbleiben des Kröpfel-Teams gehört hatte (siehe auch „Borzym allein zu Haus?“ im Archiv). Dabei wäre er nicht alleine geblieben. Denn überraschend tauchten Mitglieder des altbekannten und schon lange nicht mehr aktiv in Erscheinung getretenen Aigner/WOBI-Teams auf. „Wir wollten den Ural reaktivieren. Da muss nur eine Batterie rein, dann läuft der wieder,“ sagte Andreas Pusch, damals gemeinsam mit Michael Landmann als Doppelstartteam unterwegs. Doch als man dann gelesen hatte, dass die gute alte Klasse S4 hier wohl eher nicht stattfindet, blieb der Uri eingemottet. Leicht irritiert aber nicht abgeneigt zeigten sich die „alten Haudegen“ von der neuen Einteilung. So erging es Vielen. Egal ob Teilnehmer, Zuschauer und sogar Kommissar: Ausschließliche Ablehnung blieb die Ausnahme, wie bei P1-Pototypen-Euopameister Wolfgang Bülles. Sein Pendant aus der P2, Sepp Auinger, hingegen findet die neue Regel einfach gelungen: „Ich muss jetzt dauernd alles geben weil ich ja nicht weiß, wo ich im Wettkampf stehe. Das ist spannend.“ Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Sven Schulz (S1/Team 4x4 Aupitz) fehlt jedoch der Vergleich: „Du weist nicht, wo du stehst und musst fahren so viel wie möglich ist. Spannung gibt es damit erst zur Siegerehrung.“

Ähnlich Tobias Konnemann, in der S5 Beifahrer von Karl Vavrik: „Mit ist das egal. Wir fahren eh für uns. Ein Problem ist das schon, wenn man keine Information über den Stand hat. Und der (... klasseninterne ... Anm.d.Red) Gesprächsstoff an den Sektionen bleibt aus. Was soll ich mit einem Unimog-Fahrer darüber reden, wie ich am besten das eine Hindernis dort fahre.“ Anders René Steinbach, jetzt für das Tatra-Team Seehausen mit dem Ex-Grätz-Panzertatra unterwegs: „Cool! Überraschend zu sehen, wie der Abstand der P-Klassen zu uns seriennahen oft viel geringer ist als gedacht.“ Markus Hey, mit seinem Unimog für den Nationen Cup gemeldet, kann sich mit der neuen Regelung anfreunden, wünscht sich aber mehr Wettbewerb in seiner Wertung. Zuschauer Roland Hammer, zusammen mit seinen Söhnen Roland und Michael und Monika Kammerer aus Radstadt hier angereist, geben die Tore zu denken: „Teilsteils. Als Fan der großen Trucks fehlt mir der unmittelbare Vergleich. Außerdem muss man umdenken zum Beispiel wegen der Prototypen-Tore. Darauf habe ich bisher nie geachtet.“ Den fehlenden direkten Vergleich innerhalb einer Klasse bemängelt auch Sohn Thomas, ebenfalls Fan der „Dicken“. Gleichzeitig ist es für ihn aber spannend zu sehen, wie die verschiedenen Fahrzeuge die Sektionen bewältigen. Für Junior Michael stellt sich diese Frage nicht: „Ich finde auch die kleinen Klassen gut!“Das sieht jetzt vermutlich auch Kommissar Jörg Bruhn so, der einen überraschenden Aspekt in die Diskussion einbringt: „Ich bin jetzt schon so lange dabei. Aber hier sehe ich zu ersten Mal alle Starter!“ Sein Assistent in der Sektion, Marshal Marco Schmeltzer aus St. Ingbert, sieht das ähnlich: Auch ich habe zum ersten Mal alle gesehen. Das ist toll“. Und mit weniger Lauferei verbunden. Schließlich richten sich Kommissar und Marshal für beide Tage an ein und derselben Sektion ein, lernen „ihren“ Abschnitt dadurch sehr gut kennen. Für die Lady in Red, Maren Krieg, hat das noch mindestens einen weiteren Vorteil: „Jetzt kann ich mich regelrecht häuslich einrichten. Schau mal, ich habe einen  Pavillon mitgebracht. So sind meine Sachen wenigstens nicht nass geworden.“ Ein Beispiel, das wohl ganz schnell Schule macht. Für den Veranstalter bietet das eine weitere Möglichkeit, die Werbung eines Sponsors elegant ins Blickfeld zu rücken. Auch „Hoffotograf“ Robert Eberlein sieht die neuen Regeln positiv: „Bisher musste ich immer warten, warten, warten. Erst dann konnte ich in die nächste Klasse wechseln. Ich habe noch nie so viele Teilnehmer fotografiert wie hier in Kitzbühel. Ich finde das gut.“Ein Problem tauchte allerdings erst im praktischen Versuch auf. Für die fremdsprachlichen Teilnehmer aus der Tschechischen Republik und Frankreich wird die Kommunikation erheblich schwieriger, wenn ein Team allein unter Deutsch sprechenden ist. Am Ende der Veranstaltung in Kitzbühel ließen die Organisatoren dann sogar eine Sektion im Klassenverbund fahren. 

Nachdenklich macht der neu eingeführte Nationen Cup, der nicht so recht auf Akzeptanz stößt. Hier besteht die Gefahr, dass diese Wertung letztlich nur eine Verlängerung der zuletzt notleidenden DTTM wird. Bei fünf Startern in vier Klassen gab es praktisch nur Sieger. Will dieser Cup auf Dauer ernst genommen werden, müssen sich die Verantwortlichen hier etwas einfallen lassen.Das Gelände des Hartsteinwerks Kitzbühel ist eine Bereichung in der Auswahl der „Sport-Arenen“ für den Trialsport. Fast alle Sektionen waren von einem Standort aus einzusehen, die Wege kurz. Zusammen mit der Gastronomie nahe der „Äkschn“ war das echt zuschauerfreundlich. Nur: warum blieb das zelt am Samstagabend dunkel und nur die „VIPs“ durften in ihrem Sperrbezirk Party machen. Das Mega-Feuerwerk konnten sie - vorausgesetzt man fand einen regengeschützten Unterstand, aber auch genießen. Feuerwerker Frank Lang, in Personalunion auch Gelände-Gastronom und außerhalb des Trials Party-Macher für die Schicki-Micki-Gesellschaft in Kitz, haute mehr als 30 Minuten raus, was die Batterien hergaben und erläuterte dazu via Lautsprecher die pyrotechnischen Grundregeln, einzelnen Pulvermischungen und erzeugten Bilder. Toll! Fazit: Stimmung gut, Gelände geeignet, neue Regeln funktionieren, Nationen Cup na ja....! Kitzbühel war ganz klar eine Reise wert. Jetzt sollten einige Teams, die ihre Fahrzeuge weggeparkt haben, nachdenken und das Sportgerät reaktivieren. Der Trial Sport und die Fans in Tirol hätten es verdient!

Foto

Klaus-Peter Kessler

Datum

17. Mai 2011
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Unsere Experten
Kristina Dietze von der Polizeidirektion Görlitz/ Autobahnpolizei Kristina Dietze Polizeioberkommissarin Autobahnpolizeirevier Bautzen
Expertin für Gefahrguttransporte (aus polizeilicher Sicht), Vermögensabschöpfung im… Profil anzeigen Frage stellen
Monique Müller, Anwältin in den Bereichen Zivilrecht und Familienrecht Monique Müller Anwältin Zivilrecht und Familienrecht
Mein Schwerpunkt liegt im Bereich des allgemeinen Zivilrecht, Familien- und Erbrecht. Profil anzeigen Frage stellen