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Truck Trial 2013: Großes Finale in Limberg

Die Europatrucktrial-Saison hatte sein Finale im österreichischen Limberg. Damit standen aber nicht nur die neuen Europameister 2013 fest. Es war auch der Startschuss für einen Neuanfang – mit neuen Fahrzeugklassen und neuer Punktewertung.

Dass der sechste Lauf des Europa Truck Trial vom 31. August bis 1. September mehr war als ein einfaches Saisonfinale, zeigte sich bereits durch die Rahmenbedingungen. Im Steinbruch der Hengl Bau GmbH tummelten sich nämlich nicht nur die üblichen Verdächtigen der Truck Trial Szene.

Trial-Action so weit das Auge reicht

Neben den großen zwei- bis vierachsigen Lkw-Boliden fegten auch die Fahrer des A-Cup Motorradtrial und des 4x4Auto-ATV Trial über die staubigen Hügel des weitläufigen Geländes. Hinzu kamen die ferngesteuerten „Miniatur-Boliden“ des RC Truck Trial, die vor allem bei den kleinen Besuchern besonders gut ankamen. Für die großen Fans gab es dagegen neben dem Bouquet aus Staub, Diesel und Benzin ein ganz besonderes Schmankerl. Die Land Rover Experience war zu Gast beim Europa Truck Trial in Limberg und bot den zahlreich erschienen Besuchern die Gelegenheit, auf den sandigen Hügeln die aktuellen Defender-, Freelander- Discovery- und Range Rover-Modelle Probe zu fahren.
 
Die Hauptdarsteller an diesem sonnigen Spätsommerwochenende waren allerdings Mercedes Unimog, MAN TGS, Ural 375 D und Co. Schließlich ging es in Limberg für die Europa-Truck-Trialer darum herauszufinden, wer dieses Jahr die Meisterschafts-trophäen mit nach Hause nehmen darf.

Aufsetzen bis die Welle knirscht

Um es den Favoriten an diesem Wochenende nicht zu einfach zu machen, hatten die Parcours-Bauer zum Teil besonders knifflige Passagen gesteckt. Besondere Herausforderung beim Passieren der Tore: die massiven und zum Teil sehr scharfkantigen Felsblöcke. Die waren auch der Grund dafür, dass die Baggerfahrer an diesem Wochenende alle Arme und Raupenketten zu tun hatten, die havarierten Fahrzeuge zu bergen.
 
Dass davor auch die vierachsigen Dickschiffe nicht gefeit waren, zeigten die S5-Favoriten Marcel Schoch und Johannes Stumpp besonders eindrucksvoll. Nach einem kapitalen Aufsetzer in einer besonders kniffligen Sektion war felsenfest klar, hier geht nichts mehr. Das einzige was sie bei dem brauen MAN noch drehte war die Antriebswelle, die unter schrillem knirschen über die schroffen Felsen scharrte.

Ein Herz für die Fans

Trotz der etwas verfahrenen Situation zeigte sich hier die gute Stimmung bei diesem Saisonabschluss. Da ein festgefahrener vierachsiger Allrad-Lkw ein Motiv ist, das man nicht alle Tage vor der Linse hat, bekamen die Fans die Chance, ausgiebig Fotos zu machen. Ein Bild das man beim Trial sonst nur sehr selten zu sehen bekommt, da Streckenpost stets peinlich genau darauf achten, dass die Zuschauer hinter der Sicherheitsabsperrung bleiben. Dieses Mal wurde hier eine Ausnahme gemacht, zumindest bis der Bagger die Sektion erreicht hatte. Danach hieß es Platz machen für das schwere Baufahrzeug, damit dieser den Schoch MAN aus seiner misslichen Lage befreien konnte.
 
Doch der war nicht der einzige der eine helfende Baggerschaufel gut gebrauchen konnte. Auch Philipp aus dem Hanfbachtal mit seinem Faun fuhr sich fest. Das lag allerdings nicht an der fehlenden Geländegängigkeit des alten Schätzchens sondern vielmehr an kantigen Felsbrocken, die zum Teil sehr lose aufeinander langen. Wenn der Untergrund der Art knifflig ist, bringt selbst die größte Motorleistung nur wenig.

„Sandkastenfreunde“ in ihrem Element

Die kam eher in den Sandpassagen zum tragen, sehr zur Freude der Zuschauer. Die versammelten sich besonders am Sonntag zahlreich an den hohen Sandbergen des Steinbruchs der Hengl Bau GmbH und harrten dort auch bis zum frühen Abend aus. Eine Zeitinvestition, die sich für die Zuschauer lohnen sollte, denn nach dem die Trialer alle ihre Sektionen absolviert hatten, ließen die es in diesem überdimensionierten Sandkasten ordentlich krachen.
 
Der Hauptplatz des Steinbruchs wurde nämlich kurzerhand als Start und Landebahn für die Lkw- und Autotrailer umfunktioniert, die von hieraus mit Vollgas die Hügel hinaufjagten. Vor allem die Autotrailer ließen sich hier vom Publikum feiern, die jeden Sprung über die Hügelkuppe mit lautem Applaus und belohnten. Einzig Udo Heidenreich fand sich voll in seinem Element wieder und konnte zumindest annähernd mit diesen spektakulären Stunts mithalten. Was der gute Mann aus seinem Unimog mit langem Radstand herausholt, ist wirklich beeindruckend. Mit lautem Röhren und aggressiven Pfeifen bei jedem Gangwechsel donnerte das Mog-Kraftpaket mühelos immer wieder den Hügel hinauf. Dabei wurde mit jedem Versuch der Anlauf immer länger. Einen echten Absprung schaffte der alte Haudegen zwar nicht, aber Unterhaltsam waren die Aktionen alle Mal. Eine gelungene Einlage für eine Saison, die im Zeichen des Wandels stand.

Abschied und Neubeginn: die neue Fahrzeugklassen

Seit letzter Saison wurden die Allrad-Kraxler in fünf seriennahe Klassen (S1 bis S5) und einer Prototypen-Klassen (P) unterschieden. In den S-Klasse wurde dabei nach den jeweiligen Spurweiten, Radständen und Achsen der Fahrzeuge unterschieden.  Hierbei reichten die Radaufstandspunkte zwischen den Achsen von 1.500 bis 1.750 Millimeter und einem Radstand von 2.300 bis 3.400 Millimeter (S1) bis zu Radaufstandspunkte ab 1.751, einem Radstand ab 4.800 Millimeter und mehr als drei Achsen (S5).Zudem kamen die P-Klasse - Fahrzeuge mit zwei bis drei Achsen mit Allradlenkung, Einzelradbremsen und hydraulischem Fahrwerk.
 
Das klingt nicht nur kompliziert, sondern stellte die Marschalls und Kommissare immer wieder vor die entscheidende Frage: Wie kann hier eine Wettbewerbsgleichheit hergestellt werden?
 
In der Saison 2013 wurde deshalb parallel zu dieser Regelung ein neues Klassensystem eingeführt. Hierzu wurden die sechs Klassen auf vier Klassen eingedampft. Diese basieren auf der Achsenanzahl der Fahrzeuge – Klasse II (Zweiachser), Klasse III (Dreiachser) und Klasse IV (Vierachser). Hinzu kommt die Klasse PROTO (Prototypen). Desweitern wurde eine Multiplikator-Rechnung eingeführt, die auf einem Wertungskoeffizienten basiert. Dieser ermittelt sich im Wesentlichen aus der jeweiligen Differenz der Spurweiten, Radstände, Fahrzeugbreiten und –längen. Der Koeffizient dient während den Läufen als Multiplikator für die in den jeweiligen Sektionen eingefahrenen Punkten.  

Von Klassensiegern und Europameistern

Die Saison 2013 stellt damit den Übergang dar zwischen der alten und der neuen Klassenregelung. Aus diesem Grund wurden in Limberg die Sieger der alten und der neuen Regelung gekürt.
 
Nach den Serienklassen konnten sich in der S1-Klasse das französische Team H & co mit dem Alain und Hélène Heyraud und Bernhard Ehrhard im Cockpit durchsetzen. Der Pokal in der Klasse S2 ging an Tomás Prazák und Vodicka Ondrej vom tschechischen Team Truck Trial Club LOM. In der Zweiachserklasse S3 gewann erneut das Team Heidenreich den Pokal und in der Klasse S4 gewann das Ehepaar Jan und Nikola Borzym.
Die Prototypenklasse holte sich Karl Vavrik und Joanna Sedlak von Kvk-Racing  die begehrte Trophäe und in der S5, der Klasse der Dickschiffe konnten erneut Marcel Schoch und Johannes Stumpp das Rennen machen.
 
Damit standen auch gleichzeitig die neuen Europameister fest, die sich ab nächstem Jahr nach neuen Regeln mit ihren Konkurrenten messen müssen, denn die Europameister 2013 nach neuer Regelung heißen: Marcel Schoch Johannes Stumpp (Klasse IV), Jan und Nikola Borzym (Klasse III), Udo und Leon Heidenreich, Jacqueline Alfers (Klasse II) und Karl Vavrik, Joanna Sedlak (Klasse Proto).

Feuerwerk und Feierstimmung

Doch wer glaubt der Abschied von der alten Zeit- und Punkterechnung wäre ein Grund gewesen für Trauerstimmung sah sich an diesem Wochenende eines Besseren belehrt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde der Wechsel mit einer großen Feuerwerk und einer groß angelegten Trachtenparty gefeiert und bei der Preisverleihung am Sonntagabend war mit MAN Mann Michael Singer, Leiter Verkaufsmanagement Lkw ein namhafter Industriepartner und Sponsor des Europa Truck Trial anwesend.

Mit der Veranstaltung in Limberg liegt die Messlatte für Spannung und Action sehr hoch und das lässt auf ein vielversprechendes Truck-Trial-Saison 2014 hoffen – und wir freuen uns schon drauf, dass hier auch im nächsten Jahr wieder Diesel mit ganz viel Liebe verbrannt wird. 

Knut Zimmer

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Knut Zimmer

Datum

7. September 2013
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