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Truck Sport Hintergrund: Kommissar Jürgen Gaa: Zwei Jahrzehnte Rot-Phase

Beim diesjährigen Lauf am Nürburgring feierte Kommissar Jürgen Gaa sein 2ojähriges „Dienstjubiläum“. Damit ist der Saarländer fast von Anfang an dabei. 

Jürgen Gaa ist auch einer der Väter des auch heute noch geltenden Regelwerks im Europa Truck Trial, nachdem der Trialsport sich zunächst an den Regeln des etwas älteren „Bruders“ Truck Race orientierte (was aber nicht funktionierte).Gründe genug, diesen Zeitzeugen des Geländesports mit Nutzfahrzeugen, der im Hauptberuf Regierungsangestellter beim Landesbetrieb für Straßenbau des Saarlandes beschäftigt ist, um eine Schilderung seiner einzigartigen Sport-Karriere und den vielfältigen Erlebnissen und Eindrücken rund um den Europa Truck Trial zu bitten.

„Angefangen hat alles vor mehr als 20 Jahren, als Peter Böthgen (Begründer des Europa Truck Trial, d.Red.) sich bei mir telefonisch meldete. Er hatte in diversen Off Road-Zeitschriften öfters meinen Namen in Verbindung als aktiver Trialfahrer, Vorstandsmitglied des ARC Saar e.V und Mitorganisator des ehemaligen Off Road-Zentrums in Bining gelesen. Nach einigen langen Telefongesprächen trafen sich dann Knut Lülow (Dekra-Sachverständiger), Heinz „Major“ Glump und ich bei Peter Böthgen in Wolfhagen. Der Grundstein wurde gelegt, am Regelwerk und dem Ablauf gefeilt.Mein erster Einsatz als Kommissar war am 29./30. Juni 1991 im französischen Eschwiller. Es folgten schätzungsweise 80 Einsätze in Frankreich, Schweden, Tschechien, Ungarn, Österreich, Polen, Italien, Spanien, Litauen und Deutschland.Bei den Läufen der Austragungsländer Niederlanden, Belgien und England war ich nicht eingesetzt. Neben den vielen Einsätzen als Sportkommissar habe ich mehrere Jahre auch als Leitender Sportkommissar fungiert. Den ersten Lauf den ich in dieser Funktion selbst ausgesteckt habe, war 1997 in Ovesholm/Schweden.

Nach dem enormen Zuspruch an Startern mussten wir schon im zweiten Jahr der Meisterschaft personelle Aufstockungen vornehmen. Auch wurde das erste Reglement in den Folgejahren ständig überarbeitet. Der Ursprung der Erstausgabe ist aber auch nach 20 Jahren noch sehr gut erkennbar. Lediglich die Auslegungen mussten intensiver beschrieben werden, was den Umfang erweiterte. Das lässt mich auch an die vielen Diskussionen unter den Sportkommissaren bei den Rückreisen denken. Dort wurde sehr viel diskutiert und besprochen. Ein Großteil des heutigen Ablaufes wurde bei diesen Fahrten „erfunden“.Bei einigen Reisen mussten anfänglich auch noch Visumanträge gestellt werden, so z.B. 1992 für die Veranstaltung in Kaunas/Litauen. Längere Grenzaufenthalte gab es auch zu den Läufen in Tschechien (1993 Oubenice und Kunzak, dann mehrere Jahre an unterschiedlichen Orten, Anm.d.Red), Aus heutiger Sicht war es ein Erlebnis zu sehen, wie von Jahr zu Jahr die Grenzbäume gefallen sind.Kaunas in Litauen war die weiteste Reise des Truck Trial-Zirkus - mit guten Erinnerungen an den Besuch des damaligen Staatspräsidenten in meiner Sektion. Die Kinder in Kaunas waren so begeistert, dass die Absperrbänder mit Werbeaufdruck „gestiebitzt“ und, an einen Zweig gebunden, als Fahne benutzt wurden. Wir kamen gar nicht nach, die Sektionsabsperrungen wieder herzustellen. Den längsten Konvoi erlebten wir auch in Litauen: An einem Militärgrenzübergang zu Polen wurden wir mit Polizeieskorte bis nach Kaunas begleitet. Über jede Kreuzung und Ampel mit Vorfahrt drüber - und das auf eine Distanz von ca. 70 Kilometern.

Unvergessen sind auch die Überfahrten mit der Fähre nach Schweden und Sardinien mit den Wettbewerbsfahrzeugen im Rumpf.In all den Jahren habe ich sehr viele nette Menschen aus vielen Ländern kennengelernt und unzählige Wettbewerbsgelände in Form von Kiesgruben, Flugplätzen, Moto-Cross-Geländen, Rennstrecken, Schlossparks, Messegelände, Bergbaubetriebe, Steinbrüche und Truppenübungsplätze durchkämmt. Dabei habe ich bestimmt auch mal die eine oder andere Fehlentscheidung getroffen. Im Jahre der schlechten Schiedsrichterentscheidungen bei der WM 2010 möge man mir diese auch verzeihen. Trucktrial ist ein Motorsport der mit direkten Entscheidungen im Wettbewerb behaftet ist.Schade ist, dass nur noch zwei Fahrer (Hermann Anzini und Wolfgang Bülles) aus der Ursprungstruppe mit dabei sind.“Den Sportkommissar Jürgen Gaa soll es noch ein paar Jährchen geben, wenn Gesundheit und Zeit es erlauben. „Zur ‚Silbernen Hochzeit’ kann man dann mal überlegen wie es weiter geht. Mittlerweile sind ja die Kinder von damals schon Kommissare. So zum Beispiel Micha, der Sohn von Hermann, den kenne ich ja schon als ganz Kleinen.“Damit bleibt auch die starke Saarland-Fraktion unter den Sportkommissaren erhalten. Jürgen Gaa: Mit vier Saarländern sind wir schon stark vertreten. Das resultiert auch daraus, dass man immer jemanden kennt der für diese Tätigkeit geeignet ist. Bis vor drei Jahren waren wir noch mit fünf Kommissaren saarländischer Herkunft vertreten. Wir Saarländer sind halt ein rühriges Völkchen. So stammt ja auch die ganze Truppe der Marshal´s aus dem Saarland.“Übrigens: Für’s Geld machen Kommissare wie Jürgen Gaa den Spaß nicht. „Beim LfS bin ich  im Haushalt tätig und weise regelmäßig Summen an, die ich gerne selbst auf dem Konto hätte ;-) Daneben obliegt mir noch das Anlagevermögen in der Verwaltung und bei den Straßenmeistereien. Nebenberuflich betreibe ich noch einen kleinen Handel mit Pokalen und Vereinsbedarf und bringe mich noch im Stadtrat meiner Heimatstadt Blieskastel ein.“ Sind halt echt rührig, diese Saarländer!

Foto

Klaus-Peter Keßler

Datum

20. August 2010
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