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Truck Rallye: Rallye Breslau - Großes Favoritensterben

Auch in diesem Jahr hatte die Rallye Breslau alles, was seit 17 Jahren ihren legendären Ruf als härtester Rallye Raid ausmacht: Schlamm, Wasser, Sand und tückische Hindernisse. Da blieb auch mancher Favorit auf der Strecke.

Auf der Kippe war der grüne Axor des Kotterer-Teams schon während des ersten Prolog-Teils mitten in Breslau. Komplett die Bodenhaftung verlor er aber am Vortag der vorentscheidenden „Hannibal“-Etappe am Donnerstag: Bodenwellen machten das Renngeschoß in der Lenkung instabil, ein Baumstumpf hebelte das rechte Vorderrad aus - Abflug! Nicht nur das Mercedes-Sportgerät, besonders auch das Selbstwertgefühl des jungen Piloten hatte einen deutlichen Knacks erfahren. Aus, Ende, vorzeitige Abreise. Wieder war ein favorisiertes Team raus aus dem Rennen, nachdem es zuvor tagelang die Wertung angeführt hatte. 

Steffen Braun und Rainer Ulrich aus Eggenstein hatten für ihren vorzeitigen Abschied keinen Abflug gebucht. Es war schlicht die Verweigerungshaltung der Schaltbox, die zum vorzeitigen Rückzug der zu diesem Zeitpunkt Führenden in der Klasse bis 7,5 Tonnen geblasen hatte. Damit rückten Holger Brauwers und Marcel Kotschate Platz eins ins Visier. Bis auch deren Welt Kopf stand - im wahrsten Sinne. Auf dem Weg aus dem Nordwesten Polens zurück nach Zagan, erlitt der rote Mog aus Seesen ein ähnliches Schicksal wie der Kotterer-Grünling Tage zuvor. Wellige Passage, ausgehebelt - Abflug. Und sogar ein Überschlag. Der havarierte Eigenbau blockierte die Strecke und produzierte so einen veritablen Stau samt späterer Neutralisation dieses Abschnittes. Ganz anders der „Fliegende Holländer“ Leon de Wit. Der Mercedes SK-Pilot hatte „seinen“ Abflug schon als Höhepunkt des Start-Prologs neben dem Aqualand vollführt und genügend Zeit, Materialschaden und Kratzer am Selbstbewusstsein zu reparieren. Das Ergebnis konnte sich für den MT-Rallyesieger mit Platz zwei bei den schweren Trucks am Ende mehr als sehen lassen. Den neuerlichen Sieg des Teams um Vorjahressieger und IFA-Fahrer Harald Chemnitz konnte aber auch der Holländer nicht verhindern. Das Treppchen bei den großen Trucks komplettierten mit Mirco Andreä und Christian Offen zwei Neulinge mit einem schweren und fast serienmäßigen Agrar-Unimog U 2100 mit kurzem Radstand. 

Die Favoritenstürze bei den kleinen Trucks spülte die stets vorne mitfahrenden und Breslau-erfahrenen Unimog-Reiter Winneboud de Lille und Karel Vereecke mit dem kleinen 416er nach ganz oben aufs Treppchen. Ohnehin war klein Trumpf: Platz zwei eroberten Sebastian Reichenbach und Ralf Friske aus Halle/Saale mit einem Hellgeth-präparierten 406er Platz zwei vor Daniel Günther und Besatzung (Burgstädt) im erheblich größeren U 1300. Apropos: Die Hellgeth-Brüder waren in diesem Jahr nicht am Start und hatten ihren Über-Mog an ein Team aus der Schweiz verliehen. Die Eidgenossen konnten das riesige Potenzial des Autos aber nicht nutzen. Ähnlich US-Boy Jay Couch, der mit seinem Cummins-befeuerten U 1300 erst nach einem Wechsel auf dem Beifahrersitz aus den tiefsten Tiefen der Wertungstabelle weiter nach vorne fahren konnte und auf Platz elf bei den kleinen Lkw einfuhr.

Jetzt schaut die ganze Breslau-Gemeinde Richtung Südosten. Am 24. September startet in Budapest unter dem Markenzeichen „Breslau“ eine Rallye durch Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Frühe Chance, auf ganz anderem Terrain die eine oder andere Polen-Scharte auszuwetzen und nicht erst wieder bis zum letzten Samstag im Juni 2012 warten zu müssen.

Foto

Klaus-Peter Kessler

Datum

5. Juli 2011
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