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Truck Race: Vollbremsung am Ring

Verträge gekündigt, Staatsanwalt erhebt Anklage - das Projekt Nürburgring ist gescheitert. Die gute Nachricht: Der Truck-Grand-Prix ist nicht gefährdet!

Denn die Lichter werden trotz des Desasters am Ring nicht ausgehen. Die Frage ist lediglich, wer die Stromrechnung bezahlt. Denn die Landesregierung Rheinland-Pfalz hat die - eigentlich bis 2040 festgeschriebenen - Verträge mit dem privaten Betreiber Nürburgring Automotive Group (NAG) GmbH im Februar gekündigt. Nach Aussage des NAG-vertretenden Anwalts Claus Eßers in der ZDF-Sendung „Länderspiegel“ akzeptiert die Gegenseite diese Kündigung aber nicht.

Jetzt droht eine lange juristische Auseinandersetzung. Jüngster Stand der Entwicklungen: Vor wenigen Tagen soll Ministerpräsident Beck der NAG zumindest die Weiterführung der Vertragsteile für das Eifeldorf und den Hotel/Casino-Komplex angeboten haben.  Zweiter Schauplatz: Die Staatsanwaltschaft in Koblenz erhebt Klage gegen den damaligen Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH, Dr. Walter Kafitz und den unmittelbar vor Eröffnung des „neuen“ Nürburgrings 2009 zurück getretenen ehemaligen Landesfinanzminister Ingolf Deubel. In beiden Fällen wird den Betroffenen Untreue vorgeworfen. Für Ursula Schmitz, Hotelbetreiberin in Nürburg und als Ring-Ikone so etwas wie die „Frontfrau“ des Widerstandes gegen die Baumaßnahmen am Ring sollte man möglichst rasch an einen Teil-Abriss der Betonwüste denken und fordert in der selben ZDF-Sendung die NAG-Verantwortlichen auf „..dass da oben möglichst bald die Koffer gepackt werden, damit die nicht noch mehr Mist bauen!“  Dabei war alles so gut gemeint. Die strukturschwache Eifel sollte durch den neuen Erlebnispark Nürburgring auch in den Wintermonaten belebt werden. Rund 330 Millionen Steuer-Euro wurden in die Eifel-Natur betoniert, doch die erhofften und vorher vollmundig prognostizierten Besucherströme blieben und bleiben aus. Dafür jetzt eine neue Prognose: Der Landesrechnungshof rechnet vor, dass der Erlebnispark auch langfristig nicht wirtschaftlich zu betreiben sei!

Gerüchten zufolge soll bei ADAC und Daimler AG ergebnislos angeklopft worden sein, ob man dort vielleicht Interesse an einer Übernahme und Weiterführung des Betriebs habe. Klar, schließlich können die Verantwortlichen dort verantwortlich denken und rechnen! Die Motorsportveranstaltungen werden von alledem nicht beeinträchtig. Im Gegenteil werden vielleicht schon in den nächsten Wochen unsägliche Einrichtungen wie das Zahlungsmittel „RingCard“ ebenso eingestampft wie diverse überzogene Hindernisse in Form von Schranken, Drehkreuzen und Zugangskontrollen wie zu einem Hochsicherheitstrakt verschwinden. Die Fans nicht nur des Truck-Grand-Prix als einem der absoluten Publikumsmagneten in der Eifel wird’s freuen.

Denen kann schließlich auch egal sein, wer am Ende die Stromrechnung bezahlt - es sei denn sie sind Steuerzahler in Rheinland-Pfalz und damit die wahren Betrogenen dieses Ring-Destasters.

Foto

Klaus-Peter Kessler

Datum

26. Februar 2012
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