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Truck Race in Most: Herbstliches Rennen nach der Sommerpause

Der sechste Lauf zur Truck Race Europameisterschaft auf dem Autodrom von Most ging bei sehr herbstlichen Bedingungen über die Bühne.

Einige Teams hatten die Sommerpause genutzt, um ihre Renntrucks noch einmal intensiv zu testen und sich so für die zweite Saisonhälfte vorzubereiten. Klar, dass man das nicht an die große Glocke hängt. Aber wie das so ist im Paddock: Geheim bleibt wenig, und spätestens am Freitagabend nach den ersten freien Trainingseinheiten waren alle Geheimnisse gelüftet und die Konkurrenten wussten genau Bescheid, wer wo getestet hatte.

Aus dem Trio der Top-Favoriten präsentierte sich nicht ganz unerwartet Norbert Kiss in Bestform. Der Ungar hielt im Qualifying am Samstag seine Mitbewerber um den Titel knapp auf Distanz. Noch deutlicher fiel der Vorsprung von Kiss am nächsten Tag aus – auf regennassem Asphalt hatten Hahn und Albacete keine Chance gegen den Youngster. Eigentlich eine klare Sache, sollte man meinen. Aber am Ende des Wochenendes waren nur die beiden Routiniers mit ihrer Performance zufrieden. 

Start-Ziel-Sieg für Kiss

Aus der schnellsten Rundenzeit am Samstagvormittag machte Kiss im ersten Championshiprennen einen deutlichen Start-Ziel-Sieg. Albacete hatte da etwas Mühe, den starken Tschechen Adam Lacko auf Distanz zu halten. Mit Hahn, der an zweiter Position lag, kabbelte sich der Spanier nur in der Anfangsphase des Rennens, das erst im dritten Anlauf über die Bühne ging und deshalb auf sieben Runden verkürzt wurde. Bei den beiden Starts davor blieben diverse Fahrer (und Steffi Halm) buchstäblich auf der Strecke: Die Schikane nach der Start- und Zielgeraden war extrem schmierig, so dass etliche der Protagonisten schwer ins Schlingern gerieten.

Im zweiten Championshiprace bewies zunächst der Franzose Anthony Janiec, was in dieser Saison ein wenig in Vergessenheit geraten war: Er ist ein extrem zäher Bursche. In früheren Jahren bildeten Janiec und sein Renault ein Bollwerk, das nur schwer zu knacken war. Jetzt ist Janiec mit einem deutlich unterlegenen MAN auf Tour, trotzdem hielt er sich mehr als fünf Runden lang an der Spitze, ehe Adam Lacko eine passende Lücke erspähte. Danach verlor der Franzose weiter an Boden. Am Ende wurde er Siebter. Immerhin. Lacko hatte also sozusagen den Weg frei gemacht für Albacete, Vrsecky, Reinert, Hahn und Kiss. Erst einige hundert Meter vor dem Zielstrich änderte sich die Reihenfolge noch einmal, als Jochen Hahn noch an René Reinert vorbei zog. 

Regen im Überfluss am Sonntag

Am Sonntag konnte von Aufwärmen im Warm up keine Rede sein – es goss wie aus Eimern. Und es spricht für das Können der Truck Racer, dass es eigentlich nur zu ein paar kleineren Ausrutschern kam. Auch im Qualifying war die Rennstrecke noch nass, so dass die übliche Reihenfolge ein wenig durcheinander gewirbelt wurde. Kiss war wie bereits erwähnt wie auf Schienen unterwegs – doch kurz nach seinem Parforceritt senkten die Rennkommissare den Daumen: Die Trucks von Kiss und Frankie Vojtisek entsprachen nicht den technischen Vorschriften, die Bodenfreiheit war zu gering. Daher wurden die Rundenzeiten der beiden gestrichen, sie mussten sich im dritten Championshiprace ganz hinten einsortieren.

Im Rennen war dann deutlich zu sehen, dass sowohl Janiec als auch Kiss auf die Pole Position im abschließenden Lauf schielten – beide wollten Achte werden. Janiec provozierte es diesmal geradezu, überholt zu werden, doch Kiss wollte partout nicht vorbei. Der Plan ging allerdings für beide schief. Denn diesmal monierten die Regelhüter Janiecs Truck und disqualifizierten den Franzosen, wodurch Kiss um einen Platz nach vorne auf die Sieben rutschte. Die begehrte Acht erbte Jose Rodrigues. Gewonnen haben diesen Lauf in eindrucksvoller Manier die Lokalmatadore Vrsecky und Lacko, die damit die tschechischen Besucher an alte Zeiten erinnerten, als Stan Matejovsky und Frankie Vojtisek ihre Anhänger Jahr für Jahr in Verzückung versetzten. 

Kiss leidet an Pechsträhne

Rodrigues ist eigentlich ein Gegner, der für Kiss zu schaffen ist – doch dessen Pechsträhne hielt an diesem verregneten Sonntag an: Schon in der ersten Runde des abschließenden vierten Rennens fiel der Ungar wegen eines Lenkungsdefekts aus. Lange Zeit sah es nach einem souveränen Sieg für Markus Bösiger aus, doch dessen Teamkollege Antonio Albacete tat es Jochen Hahn gleich: Irgendwo kurz vor dem Ziel muss es eine Stelle geben, die offenbar wie geschaffen ist für eine letzte überraschende Attacke. Und da zog Albacete noch am Schweizer vorbei, so wie Hahn tags zuvor an seinem Teammate Reinert vorbei gerauscht war.

Die Bilanz zwischen den beiden Titelaspiranten ist also in dieser Hinsicht ziemlich ausgeglichen. Fast ebenso ausgegelichen war die jeweilige Punkteausbeute, mit dem kleinsten möglichen Vorteil für Albacete. Der Spanier schaufelte in Most 41 Punkte auf sein Konto, Hahn 40. Der Deutsche rangiert damit in der Gesamtwertung wieder vor Pechvogel Kiss. Aber Chancen, am Saisonende ganz oben zu stehen, hat unverändert jeder der Drei.

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Schaber Media

Datum

3. September 2014
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