Buggyra Rekordversuch 5 Bilder Zoom

Truck Race: Buggyra jagt Rekorde

Den Täter treibt es an den Ort seiner Tat zurück. Diese alte (Kriminalisten-)Wahrheit gilt offenbar auch für Truck Racer – jedenfalls für David Vrsecky und das Buggyra-Team.

Vor drei Jahren machte das Team Station in der Lausitz. Aber nicht etwa die wenig ausgelasteten Rennstrecke sollte vom tschechischen Rennteam ein wenig motorsportliches Leben eingehaucht bekommen. Der Freightliner-Racer sauste stattdessen auf dem benachbarten Hochgeschwindigkeits-Testoval der Dekra durch die überhöhten Kurven. Ziel war es, mehrere Rekorde für schnelle Lkw-Fahrten aufzustellen. Aber Truck-Rennfahrer und -Schrauber sind nun mal keine Bürosesselpolsterabnutzer. Und so unterlief dem Team ein entscheidender Fehler: Die Rekordfahrten waren beim tschechischen Motorsportverband nicht korrekt angemeldet und wurden deshalb nicht gewertet.

Rekordversuch wiederholen

Eine Scharte, die seitdem darauf wartet, ausgewetzt zu werden. Nun soll es so weit sein: Am 13. April wollen die Tschechen ihren flotten Hauber wieder in die Lausitz karren und möglichst schnell durch die Lichtschranken jagen. Auf dem (Rekord-)Plan stehen dann unter anderem: die Weltrekorde für die 100 km- sowie die 100 Meilen-Distanzen und der Rekord über eine Stunde. Das Entscheidende sagt Teammanager Jan Kalivoda: „In diesem Jahr haben wir uns administrativ gut vorbereitet. Alles hat gut geklappt und weit im voraus.“ Der offizielle Antrag zur Anerkennung der Rekorde ist also gestellt und die Richtigkeit der Versuche wird überwacht von Kommissaren des Verbandes  FAS AČR.


Mehr als nur Rekordjagd

Buggyra geht es bei den Rekordfahrten aber nicht nur um die diversen Lorbeerkränze für Top-Leistungen. „Auch wenn die Strecke ein Oval ist, so werden wir die Beschleunigungsdaten für die Vorbereitung der Truck-Rennen für die kommende Saison verwenden. Und in Bezug auf unser Engagement als Motorenlieferant bei der Rallye Dakar sind wir auch daran interessiert, über die Zuverlässigkeit des Aggregats unter allen möglichen extremen Bedingungen mehr zu erfahren. Im Rennen erreicht der Motor maximale Leistung für ein paar Sekunden und dann fallen meist die Umdrehungen wieder ab.

Speed Limit 160 aufheben?

Die Rekord-Herausforderung wird deshalb etwas ganz anderes sein“, sagt der technische Direktor Robin Dolejš und überrascht mit einer weiteren Aussage: „Race Trucks unterliegen dem Tempolimit von 160 km/h seit über 20 Jahren. Im Laufe dieses Zeitraums hat die Technologie ein paar große Sprünge nach vorn gemacht. Deshalb wollen wir die Frage untersuchen, ob und wohin das Tempolimit unter den gegenwärtigen Bedingungen verschoben werden könnte. Unserer Meinung nach ist dies mindestens ein interessantes Thema, das wir zur Diskussion stellen wollen.“


David allein im Haus

Wichtigster und sichtbarer Protagonist bei den Rekordfahrten wird David Vrsecky sein - mit Maßstäben, die von den Erfahrungen im Rennen deutlich abweichen. So wird er den Berechnungen zufolge bei einer Rundenlänge von 5.800 Metern etwa 30 Runden in einer Stunde in der Kabine des „Big Boy 01“ getauften Rekord-Buggyra abspulen.  Um den Weltrekord zu knacken muss er im Minimum mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 170 km/h unterwegs sein. Das bedeutet, dass in der Rekord-Realität in einigen Fällen das Messgerät über 200 km/h anzeigen wird. Auch für den zweifachen Europameister werden die Rekordfahrten sehr speziell: „ Hier habe ich keine Konkurrenten in meinem Rückspiegel. Auf der anderen Seite kennt vielleicht jeder Top-Pilot die Situation, wenn seine eigene Fahrt nichts Besonderes ist, er aber dank Fehler der anderen trotzdem gewinnt. Hier werde ich am Lenkrad sitzen und die ganze Stunde voll auf mich allein, die Technik und die Reifen konzentriert sein.“


Reifen als Schwachstelle

Eine Distanz musste vom Rekordplan gestrichen werden. Die Reifen sind der Hauptgrund, warum der ursprünglich geplante Rekord-Versuch über 500 km nicht zustande kommt. Diese Herausforderung wurde hauptsächlich von den „Dakar Helden“ erwartet, so Robin Dolejš. „Wir können natürlich völlig verstehen, dass die 500 Kilometer-Distanz mit dem Motor bei voller Leistung über die ganze Zeit äußerst interessant ist im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Dakar-Motoren. Aber nach unseren Berechnungen und Erfahrungen aus dem vorherigen Versuch wissen wir, dass die Reifen der extremen Belastung nicht standhalten“, bestätigt der leitende Mechaniker Vojta Loupal. Ohnehin sind die Reifen noch die einzige Variable der gesamten Herausforderung.

Big Bad Boy

Dieser Name für den Rekordtruck ist keine Übertreibung. Die fünfeinhalb speziellen Tonnen Buggyra „Big Boy 01“ werden bei den Rekordfahrten von einem Gyrtech MK13-3EC Dakar-Motor mit 12.500 Kubikzentimetern befeuert. Die Macht von 1.350 Pferden und 6.000 Nm Drehmoment sollen die Masse „angemessen“ beschleunigen. Erwähnenswert die Liste der Komponenten:16-Gang-Schaltgetriebe ZF/Gyrtech 2013, Schmitzer GT 2011 Turbolader und Bremsen von Knorr und Ferodo. Die Berechnungen zeigen einen  voraussichtlichen Kraftstoffverbrauch von 1:1, also 100 Liter auf 100 km, weshalb der Truck mit einem zusätzlichen externen Treibstofftank mit einem Volumen von  250 Litern ausgerüstet wurde.
„Das Fahrzeug ist zu 90 Prozent fertig“, verrät Robin Dolejš. Jetzt schaut und hofft alles Richtung 13. April um 01.00 Uhr. Dann starten David  Vrsecky und sein Big Bad Boy die Rekordjagd. Eine Stunde später ist dann allen Beteiligten klar, ob sie den Lohn für die viele Arbeit im Vorfeld ernten können.

Autor

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Buggyra

Datum

22. Februar 2013
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