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Truck Race 2013: Das Schicksalsrennen von Jarama

Beim Truck-Race in Jarama hatte Albacete Glück im Unglück - verliert aber wichtige Punkte. Nutznießer ist Jochen Hahn. Der unterstützt seinen Kontrahenten allerdings mit einer sportlichen Geste.

Keine Frage, der Endspurt der Truckrace-Europameisterschaft 2013 hat wieder alle Zutaten, die für einen guten Thriller vonnöten sind. Zur Erinnerung: Antonio Albacete übernahm in diesem Jahr schon vor der Saisonmitte die Spitze der Tabelle. Auch nach der Sommerpause kam der Spanier mit Abstand zu seinem Dauerrivalen Jochen Hahn nach Most. Dort war der Deutsche allerdings besser in Form, rückte seinem Widersacher bedrohlich nahe. In Zolder wiederum wendete sich das Blatt. Dort erwischte Albacete das bessere Ende, während Hahn mit beiden Beinen im Pechkübel steckte.

Albacetes kapitaler Crash

Jetzt, beim vorletzten Rennen der Saison, sah es einige Stunden lang so aus, als wäre das Rennen weitgehend gelaufen, als könnte Hahn den dritten Titel praktisch im Vorbeigehen einsammeln. Die Dramatik entwickelte sich unmittelbar nach dem Start zum zweiten Championship-Race am späten Samstagnachmittag. Albacete musste als Sieger des ersten Rennens von Platz acht aus starten, vorneweg fuhren Anthony Janiec und Xavier Mariezcurrena. Janiec drückte den Spanier ins Kiesbett, der verlor die Kontrolle über seinen blauen MAN, kreiselte zurück auf die Piste, wo ihn unter anderem Markus Oestreich mit viel Glück umkurvte – und krachte dann mit voller Wucht in Albacetes Truck. Der wurde dabei massiv beschädigt. Der Einschlag war so heftig, dass sogar der Sicherheitskäfig um rund 20 Zentimeter eingedrückt wurde. Als der Truck ins Fahrerlager geschleppt war, machte sich die Bernau-Crew sofort an die Reparatur – doch nach kurzer Zeit stand fest: Das Fahrzeug ließ sich über Nacht nicht mehr instand setzen. Damit stand der Madrilene plötzlich ohne Renngerät auf seiner Hausstrecke.

Hahn und Oestreich beweisen Sportsgeist

Ausgerechnet Jochen Hahn war dann einer der Ersten, die sich in Fairplay übten und dem Rettungsplan des Bernau-Teams zustimmten: Ebenso wie zwei Wochen davor in Zolder, als Markus Bösiger nach dem schweren Unfall in ein Ersatzfahrzeug umstieg, wollte Albacete in einem anderen Truck starten. Doch dafür waren die Unterschriften aller teilnehmenden Fahrer vonnöten. Lutz Bernau hatte natürlich keinen dritten Truck zur Hand, Markus Oestreich sollte am Sonntag pausieren und seinen MAN für den Titelkampf zur Verfügung stellen. „Wer es noch nicht mitbekommen hat: Truck-Race ist Teamsport,“ kommentierte Oese das Vorhaben augenzwinkernd. Zuvor hatte der Fuldaer das wieder gestartete Rennen zwei gewonnen und sich damit für die vorangegangene „Niederlage“ revanchiert. Im Auftaktrennen war Oestreich von der Pole gestartet, aber schon auf den ersten Metern mit Norbert Kiss aneinander geraten (vielleicht auch, weil er die Tür für Antonio Albacete sehr weit offen stehen ließ) und so am Ende „nur“ als Dritter ins Ziel gekommen.

Albacete tritt im Bernau-Truck an

Am nächsten Morgen hatte Albacetes Teammanager Ivan Cruz mit viel Mühe die Unterschriften aller Kontrahenten eingesammelt. Bei einer derartigen Aktion zeigt sich schnell, an welchen Stellen die Nerven blank liegen, wo alte Verletzungen erst einmal wortreich zugepflastert werden müssen. Jedenfalls konnte Albacete am Sonntag im notdürftig umdekorierten Oestreich-Truck antreten und so den Schaden in Grenzen halten. Jochen Hahn gewann das Rennen drei, der Ungarische Youngster Benedek Major das Rennen vier.

Hahn und Albacete trennen nur noch elf Punkte

Der Havarist mit Heimvorteil erkämpfte sich die Plätze drei und sechs und fährt so mit einem dünnen Punktepolster zum Finale nach Le Mans. Elf Punkte beträgt sein Vorsprung noch. Ein kleiner Vorteil gegenüber Jochen Hahn, aber bei weitem nicht genug, um den zweifachen Europameister chancenlos aussehen zu lassen.
In Le Mans will übrigens auch Markus Oestreich wieder am Start sein. Das Bernau-Team beorderte eine neue Kabine nach Le Mans und darf sich in der Werkstatt von Transportunternehmer und Truck-Racer Robineau an die sicherlich nicht ganz einfache Aufgabe machen, den schwer beschädigten Renntruck wieder in fahrbereiten Zustand zu versetzen. Albacete muss auch Le Man auf dem Fahrzeug bestreiten, das er am zweiten Tag von Jarama gefahren hat.

Der Team-Titel 2013 geht an das Team Lutz Bernau

Ach ja, einen Titel gab es auch zu feiern, aber die Feier wurde aus naheliegenden Gründen weitgehend vertagt: Das Bernau-Team gewann am Samstag nach dem ersten Lauf und vor der großen Havarie den Team-Titel. Ob es auch zum Einzeltitel reicht, wird man wohl erst am Final-Sonntag wissen.

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Schaber Media

Datum

8. Oktober 2013
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