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Truck-Jobs: Wasser marsch bei der Werkfeuerwehr

Teamgeist, Freude daran, Menschen zu helfen, und ein Faible für Spezialfahrzeuge? Dann könnte ein Job bei der Werkfeuerwehr das Richtige sein.

Wenn Jörg Freimuth den Zündschlüssel des Ziegler Z8 8x8 herumdreht und der MAN-V12-Dieselmotor hinten oberhalb der Fahrerkabine das Rumoren anfängt, klingt das schon ein bisschen kerniger, als der ehemalige Berufskraftfahrer es von seinem früheren Lkw gewohnt war. Hier reagieren 21.920 Kubikzentimeter Hubraum mit 735 Kilowatt bei 3.300 Umdrehungen pro Minute auf den Zündfunken. "Mit 1.000 PS, da geht was", grinst der Brandmeister. Um genau zu sein bis zu 145 km/h Spitze, und das mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 42 Tonnen. Die Pumpen für die 12.000 Liter Wasser und 1.500 Liter Schaummittelkonzentrat versorgt übrigens ein extra Motor.

Jörg Freimuth ist 44 Jahre alt und seit 2009 im Dienst der Flughafenfeuerwehr Stuttgart. Davor tat er es Vater und Großvater nach und war 16 Jahre lang "auf dem Bock". Wie kam es zu diesem Wechsel? "Bei der Freiwilligen Feuerwehr war ich privat schon immer engagiert, in der Jugend, während meiner Ausbildung zum Industriemechaniker und auch später, wochenends, wenn ich nicht mit dem Lkw auf Tour war", erzählt er.

Voraussetzungen alle erfüllt

Bei einem Lehrgang auf der Landesfeuer­wehrschule lernte er dann Kollegen vom Flughafen kennen, die ihn ermutigten, sich dort zu bewerben. Mit dem bisherigen Engage­ment, einer technischen Berufsausbildung und dem Führerschein der Klasse 2 brachte er nämlich ideale Voraussetzungen dafür mit. Die Gesundheitsprüfung attestierte ihm körperliche Fitness, Kondition und vor allem die sogenannte G-26-Tauglichkeit – er kann ohne Probleme mit einem Atemschutzgerät in den Einsatz gehen.

Was folgte, ist eine zweijährige Ausbildung, bei der man sechs Monate Grundausbildung absolviert, sechs Monate bei einer anderen Berufsfeuerwehr irgendwo in Deutschland hospitiert und dann noch eine Weile unter Anleitung  im normalen Wachdienst auf der Feuerwache am Flughafen mitarbeitet, um dort alle Abläufe, Aufgaben sowie die Technik kennenzulernen. Dazwischen gibt es Lehrgänge und  Jörg musste noch eine dreimonatige Ausbildung zum Rettungssanitäter nachholen. Dafür drückte er die Schulbank, fuhr im Rettungswagen mit und machte ein Praktikum im Krankenhaus. "Am Ende stand eine Prüfung, schriftlich, mündlich und praktisch. Das ist richtig knackig. Aber die Ausbildung selbst war eine tolle und spannende Erfahrung", erinnert er sich.

Medizinische Notfallversorgung ist Teil der Arbeit

Neben der Arbeit mit den Feuerwehrfahrzeugen und in der Leitstelle zählen auch Schichten in der medizinischen Notfallversorgung auf dem Rettungswagen für alle Brandmeister zum Dienstplan. Der sieht in etwa so aus: Um 6.30 Uhr zu Dienstbeginn liest man auf dem Board, welcher Einsatzdienstfunk­tion man zugeteilt ist. Das wechselt von Schicht zu Schicht, damit sich keine Routine einschleicht. Dann übernimmt man von seinem Vorgänger – es gibt auch eine Frau in der Truppe – den Posten der vorangegangenen Schicht. Er bringt einen auf den neuesten Stand, was in den vergangenen 24 Stunden los war: Einsätze, Vorkommnisse oder Dinge, die mit dem Fahrzeug zu tun haben. Das steht in der Fahrzeughalle, dort, wo man nach Übergabe auch seine Schutzkleidung positioniert.

Dann darf der Abgelöste gehen. Um sieben Uhr ist Antreten. Der Schichtführer gibt das Tagesprogramm aus und verteilt die Aufgaben. Danach erfolgt zirka eine Stunde eine sogenannte Kurzausbildung, bei der jeden Tag etwas geübt oder Wissen vertieft wird. Dann gibt es Vesper und ab neun sind 18 Männer der Schicht in den verschiedenen Werkstätten beschäftigt. Die Mannschaft bohrt nämlich nicht in der Nase, wenn es keinen Einsatz gibt, sondern sie ist ihr eigener Instandhalter. Prüfung, Wartung oder Reparatur fast aller Ausrüstungsgegenstände erfolgt Inhaus und gehört zum Jobprofil. Hier kommen dann Fertigkeiten aus der früheren Berufsausbildung zum Einsatz. Der 19. Mann jeder Schicht sitzt in der Leiststelle der Wache und übernimmt die gesamte Koordination und Disposition. Mittagszeit ist von 11.30 Uhr bis um 13 Uhr, danach gibt es ein News-Update vom Schichtführer und bis 16.30 Uhr geht es wieder an die Arbeit. Dann beginnen der Feierabend und die Bereitschaft. Zeit für Sport oder andere Beschäftigung – aber immer auf dem Gelände der Wache. Ruhezeit auf der "Bude" ist von 23 bis 6 Uhr. Die nächste Übergabe folgt und es geht in neuer Besetzung von vorne los. Für die ganzen 24 Stunden gilt: Wenn der große Gong ertönt, ist Einsatz, ganz egal, was man gerade macht.

Einsätze auch auf der benachbarten Autobahn

Die Flughafenfeuerwehr kümmert sich dabei nicht nur um Rettungseinsätze auf dem eigenen Gelände, sondern kommt auch auf der nahen Autobahn A 8 zum Einsatz. "Wenn es bei Unfällen mit Lkw-Beteiligung entsprechend aussieht, tut mir das schon noch weh", gibt Jörg zu, "das hätte mir früher genauso gut passieren können."

Neben Löschen, Retten oder Bergen im Ernstfall gehört auch die "vorbeugende Brandbekämpfung" zum Aufgabenfeld der Truppe. Durchsagen wie "Schweißkontrolle" oder "Tankbereitschaft" scheppern da aus dem Lautsprecher. Dann rücken die Fach­leute aus, um zum Beispiel bei Bauarbeiten anfallende Tätigkeiten, bei denen Brandgefahr besteht, zu überwachen. Oder sie stehen mit einem der vier Z8-Flughafenlöschfahrzeuge parat, wenn ein zwischengelandetes Flugzeug mit Personen an Bord betankt wird.
Verschiedenste Lehrgänge und ständige kleinere Trainings sind in dem Job Pflicht. Einmal im Jahr steht dazu eine große "heiße" Übung nach den internationalen Sicherheitsvorschriften für Flughäfen auf dem Plan. Eine Woche lang simulieren alle 82 Mann mit sämtlichen Fahrzeugen und in voller Montur schwere Notfallszenarien. Dazu reisen Feuerwehr-Trainer vom Flughafen Frankfurt mit einer mobilen Flugzeug-Brandanlage an und heizen den Stuttgartern richtig ein. Nein, langweilig wird Jörg – und möglichen künftigen Kollegen – sicher nicht.

Job-Check

Arbeitgeber: Flughafen Stuttgart GmbH, Werkfeuerwehr

Einstiegsqualifikation: Abgeschlossene Berufsausbildung, Erfahrung bei Freiwilliger Feuerwehr oder THW, Lkw-Führerschein, Ausbildung zum Rettungssanitäter von Vorteil, gesundheitliche Tauglichkeit

Entwicklung: Fachspezifische Lehrgänge und Auffrischungen sind unerlässlich

Aufstiegsmöglichkeiten: Brandmeister, Oberbrandmeister, Hauptbrandmeister oder Einsatzleiter sowie stellvertretende Funktionen, spezialisierte Tätigkeiten als Ausbilder oder in der Lehre an der Landesfeuerwehrschule

Fuhrpark: Unter anderem 4 Z8-Löschfahrzeuge, 2 Hilfeleistungs-Tanklöschfahrzeuge, 3 Wechsellader-Trägerfahrzeuge, Kran, 42-Meter-Leiter, alles geländegängig auf MAN-Basis, 2 Rettungswagen, diverse Kleinfahrzeuge

Arbeitsbedingungen: 24-Stunden-Schicht, 24 Stunden frei, im Wechsel mit längeren Freizeiten, ganzjährig

Bezahlung: Tarifgehalt nach TVöD

+ Anspruchsvolle, abwechslungsreiche Tätigkeit, sichere Bezahlung, mehr
Freizeit im Vergleich zum Fahrerjob

- Kein Fernverkehr, wenig Fahrleistung, anstrengende Tätigkeit im Schichtdienst, Pflichtschichten in der Feuerwehrleitstelle und im Rettungsdienst

Autor

Foto

Thomas Kueppers

Datum

15. Juli 2015
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