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Truck Jobs: Mittendrin statt nur dabei

Sie arbeiten mit verschiedenen Nutzfahrzeugen und die Autobahn ist ihr Revier – FERNFAHRER begleitete die Straßenwärter der Autobahnmeisterei bei ihrem Job.

Mäharbeiten am Mittelstreifen der Autobahn A  8, Fahrtrichtung München–Stuttgart – diesen Hinweis im Radio empfinden die oft vom Stau geplagten Nutzer der schwäbischen Hauptschlagader sicher als eine Zumutung. Wie sie es wohl fänden, das mal aus der Perspektive von Robert Wendling, Jürgen Merkle und Bernd Klotzer zu betrachten?

Die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Kirchheim/Teck sitzen in dem Unimog, der gerade den Grünstreifen vor der Leitplanke mäht und in den zwei dazugehörigen Absicherungswagen, die dahinter die linke Spur sperren. Während der Arbeiten ist die Strecke, auf der sonst kein Tempolimit herrscht, auf 100 Kilometer pro Stunde beschränkt. Die Autos und Transporter, die vorbeidonnern, kommen einem aber trotzdem schneller vor. Der Blick in den Beifahrerspiegel nach hinten beschleunigt den Puls und wie die beiden Actros und der Universalgeräteträger im Sog des Fahrtwinds der anderen Fahrzeuge stetig wanken, hat leider überhaupt keine beruhigende Wirkung. Dabei sind sich die drei erfahrenen Kollegen einig: Die Arbeit in der Mitte der dreispurigen Bahn ist eigentlich nicht so wild. Die Tätigkeiten rechts und auf dem Seitenstreifen sind eher der Knackpunkt. Denn es sind vor allem bedauerliche Zwischenfälle mit Lkw, die sich gravierend auswirken. Dennoch: Ihren Job in Orange wollen alle drei nicht mehr gegen etwas anderes tauschen.

Die Zusammensetzung ist wichtig

Robert Wendling erbte das Interesse für den Beruf und die Fahrzeuge von seinem Vater, der Gerätewart bei der Autobahnmeisterei ist, und machte die klassische dreijährige Ausbildung zum Straßenwart. Jürgen Merkle ist gelernter Kfz-Mechaniker für Nutzfahrzeuge, begeisterte sich schon immer für Lkw und kam 1989 zur Autobahnmeisterei. Bernd Klotzer war vor seinem Wechsel zur Truppe vor drei Jahren im Baustellenverkehr und mit einem Mobilkran unterwegs.
"Unser eingespielter Mäh-Trupp zeigt auch gleich schön, wie sich unser Team zusammensetzt", erklärt Peter Szautner, der Leiter der Autobahnmeisterei, "nämlich aus den "Reinrassigen", den Gelernten, und aus Seiteinsteigern, die mit einem passenden Handwerksberuf oder einer Ausbildung in der Industrie zu uns kommen." Was alle eint, ist der Besitz des Lkw-Führerscheins. Denn eine der Hauptaufgaben der Autobahnmeistereien ist der Winterdienst. Als Fahrzeuge dienen hier am Standort schwere Dreiachser mit genügend Nutzlast für die speziellen Streuer- und Pfluganbauten plus acht Kubikmeter Streugut sowie 3.000 Liter Sole, um das Salz anzufeuchten. Diese müssen alle Mitarbeiter fahren und bedienen können. Die fortlaufende Gesundheitsprüfung für Lkw-Fahrer und verschiedene Schulungen pro Jahr gehören deshalb ebenfalls dazu. Die Ziffer 95 ist zwar nicht nötig. Viele Kollegen belegen die Module aber privat, um sich den Schein im Ganzen zu erhalten.

Der Streckenabschnitt der A 8, für den die Autobahnmeisterei Kirchheim/Teck zuständig ist, reicht vom Kreuz Stuttgart bis zur Anschlussstelle Mühlhausen. Mit allen sechs Fahrstreifen, den Nebenstrecken sowie allen Auf- und Abfahrten sind das insgesamt rund 96 Kilometer Asphalt und Beton, die es zu unterhalten gilt. Die Mannschaft kümmert sich dabei auch um Tunnel, Brücken, Parkplätze, Rastanlagen, Regenrückhaltebecken und vieles mehr, was permanent instand gehalten werden muss, damit es reibungslos „läuft“ auf der Autobahn. Dienstbeginn ist in Kirchheim morgens um sieben Uhr, Ende um 16 Uhr. Womit es aber nicht getan ist, denn rund um die Uhr herrscht eine wechselnde Rufbereitschaft für Notfälle und in den Wintermonaten Zweischichtbetrieb.

Gut geplant um flexibel zu sein

"Ich bezeichne die Verkehrsteilnehmer gerne als unsere "Kunden", denn bloß zum Spaß machen wir diesen Job ja nicht“, erzählt Chef Peter Szautner. Nur haben die Kunden leider nicht immer ein Einsehen, gerade eine Dienstleistung zu erfahren. "Dabei wissen die wenigsten, dass planbare Arbeiten zum größten Teil zwischen 20 Uhr abends und sechs Uhr in der Früh stattfinden", ergänzt Szautner. Aufgaben, die problemlos unterbrochen werden können wie zum Beispiel das Mähen passt die Meisterei sogar relativ flexibel an das Verkehsraufkommen an. "Nur wenn die Polizei uns zur Absicherung von Unfallstellen ruft, gibt es kein Pardon. Aber dann sind es ja schließlich nicht wir, die den Stau verursachen, wobei das auch nicht allen klar zu sein scheint", führt der Straßenmeister aus. Für seine Männer würde er sich jedenfalls etwas mehr Respekt, Verständnis und vor allem Rücksichtnahme wünschen, sie riskieren immerhin täglich für die Allgemeinheit ihr Leben

Job-Check

Arbeitgeber
Autobahnmeistereien der Bundesländer

Einstiegsqualifikation
Dreijährige theoretische und praktische Ausbildung zum Straßenwart, technisches Interesse, handwerkliches Geschick, gesundheitliche Eignung auch im Hinblick auf den Führerscheinerweb B und CE, Seiteneinstieg mit passendem Beruf möglich

Aufgabengebiet
Bauliche Unterhaltung, Grün- und Gehölzpflege, Reinigung, verkehrstechnische Tätigkeiten, Winterdienst, Fahrzeug- und Geräteinstandsetzung, Beseitigung von Unfallschäden

Aufstiegsmöglichkeiten
Aufstieg zum Kolonnenführer oder Streckenwart, Ausbildung zum Bautechniker, Meisterschule, Fachhochschulreife über Berufskolleg

Fuhrpark
Unimog, verschiedene Spezialmaschinen (Streuer, Schneepflüge, Mähmaschinen), mehrere Kipper, Transporter, Anhänger

Bezahlung
Nach TVöD

Weitere Informationen
Fachgewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten: www.strassenwaerter.de

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin, Autobahnmeisterei

Datum

18. September 2015
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