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Truck-Jobs - Kraftfahrer beim THW: Mehr als nur ein Job

Thomas Kellner ist Kraftfahrer beim THW-Landesverband Nordrhein-Westfalen und ein leidenschaftlicher "Blauer". Mit Bus und Sattelzug ist er in ganz Europa unterwegs.

Einen Fernverkehrs-Lkw mit Blaulichtbalken auf dem Dach und Frontblitzern – das sieht man nicht alle Tage. "THW" prangt in großen Lettern auf dem Hochdach. Am Steuer sitzt Thomas Kellner, er arbeitet als Kraftfahrer beim THW-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Sein Scania R 470 hat selbst beim Technischen Hilfswerk Seltenheitswert: Iveco, MAN und Mercedes-Benz dominieren den fast 3.000 Lkw umfassenden ultramarinblauen Fuhrpark. Lediglich drei Scania finden sich im ganzen Bundesgebiet, darunter der von Thomas. 

Thomas Kellner gilt als Kraftfahrer-Urgestein beim Landesverband Nordrhein-Westfalen. Die Leidenschaft für die blauen Autos wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater arbeitete hauptamtlich beim THW, seine Mutter engagierte sich ehrenamtlich. Da war der Weg für Thomas vorgezeichnet: Erst Jugendgruppe, dann ehrenamtlicher Helfer in der Fachgruppe Räumen, zuletzt als Gruppenführer. Der Lkw- und Baumaschinenführerschein gehörte hier dazu. Beruflich absolvierte Thomas  zuerst eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, bevor er sich 1991 um eine Stelle als Gerätehandwerker und Kraftfahrer bei der THW-Geschäftsstelle Wuppertal bewarb. Mit Erfolg – damit war der Wechsel vom Ehrenamt zum Hauptamt perfekt. Als die Geschäftsstelle 1994 geschlossen wurde, wechselte er zum Landesverband NRW. "Für mich gilt: Das THW ist kein Job, das THW ist Leidenschaft", betont Thomas. 

Historische Lkw-Schätze im Depot

Dass er dies nicht nur so dahersagt, merkt man beim Rundgang durch das Depot des Landesverbandes, das auch ein paar fahrtüchtige Schätze der THW-historischen Sammlung beherbergt. Beim Anblick des imposanten Faun L 908 gerät Thomas ins Schwärmen: "Mit dem war ich sogar schon beim Truck-Grand-Prix und bin beim historischen Konvoi mitgefahren." Die bullige Sattelzugmaschine war noch bis in die 90er-Jahre aktiv "im Dienst". Auch das ist typisch fürs THW: Die Nutzungsdauer der Einsatzfahrzeuge ist recht lange und die Behandlung durch die Kraftfahrer meistens gut, daher stehen in den Hallen der Ortsverbände viele liebevoll gepflegte Oldies mit vergleichsweise wenigen Kilometern auf der Uhr. 

Thomas’ Scania ist da schon eher jüngeren Datums. Die Erstzulassung datiert auf November 2002, nach ein paar Jahren beim Zollkriminalamt wurde der Lkw vom THW übernommen. Der zweiachsige Sattelauflieger von Schwarzmüller stammt wiederum aus einem THW-Aus­lands­einsatz. Die Ladung besteht meist aus dem Großzelt des Landesverbandes NRW. ­Thomas transportiert es durch die ganze Republik zu THW-Einsätzen und -Übungen oder bringt es im Rahmen der Amts­hilfe zu anderen Behörden. "Ich habe dieses Zelt schon überall aufgebaut, von Bayern bis ­Berlin", erzählt er. 

Landesverband und Logistikzentrum auf einem Fleck

Gelegentlich lädt Thomas auch Material aus dem benachbarten THW-Logistikzentrum. Landesverband und Logistikzentrum teilen sich dieselbe, 1998 von der Bundeswehr übernommene Liegenschaft in Heiligenhaus. Die Stadt liegt im Städtedreieck Düsseldorf-Essen-Wuppertal. In drei Hallen mit je 3.000 Quadratmeter Grundfläche l­agern die THW-Logistiker Bekleidungs- und Aus­rüs­tungs­gegen­stände für die deutschlandweit 66 Geschäftsstellen und 668 Ortsverbände. "Wichtigster Bestandteil unserer Arbeit ist der Empfang vom Hersteller und die Kommissionierung", erläutert Peter Stratmann, Bürosachbearbeiter Logistik. "Wir bearbeiten 45.000 Anforderungen und 7.500 Rück­gaben pro Jahr." 

Der Versand erfolgt in der Regel über Rahmenvertragspartner, also "zivile" Speditionen. Einen eigenen Fuhrpark besitzt das Logistikzentrum nicht – abgesehen von mehreren Gabelstaplern und einem Wech­sel­brücken­anhän­ger für mobile Bekleidungskammern. Im Einsatzfall werden Fahrzeuge und Kraftfahrer aus den Ortsverbänden angefordert. Und für alle Fälle steht ja noch Thomas Kellner bereit. 

Einsätze auch im Ausland

Seine heutige Tour führt ihn zu den Geschäftsstellen Münster und Arnsberg. Die Ladung: neue Mannschaftszelte, Hydraulikschläuche und Messinstrumente. Während wir auf der Autobahn in Richtung Nordosten rollen, erzählt Thomas von seinen Auslandseinsätzen. Im Winter 91/92 war er zehn Wochen lang im weißrussischen Brest stationiert, als Lkw-Mechaniker für die THW-Konvois. Die Sowjetunion befand sich mitten in der Auflösung und die Versorgungslage der Bevölkerung war so katastrophal, dass Hilfskonvois aus dem Westen anrollten. "Dort habe ich mehr über Fahrzeuge gelernt als in meiner ganzen Lehre", sagt Thomas. "Und es war schweinekalt, minus 30 Grad. Die Lkw der Staatsspedition standen deswegen das Wochenende über mit laufendem Motor auf dem Hof." Auch in Bosnien war Thomas nach dem Bürgerkrieg mehrfach im Einsatz, als Mechaniker und Kraftfahrer. Im Zuge des Somalia-Einsatzes arbeitete er zudem in einem Fahrzeugdepot in Kenia.

Wenn es heute ins Ausland geht, dann meist mit dem modernen MAN Lion’s Coach des Landesverbandes NRW. Damit befördert er zum Beispiel die Teilnehmer von internationalen Großübungen – zuletzt nach Norwegen. "Ganz ehrlich, ich fahre inzwischen fast lieber Bus als Lkw", gesteht Thomas. Das dürfte sein Vorgesetzter, der NRW-Landesbeauftragte Hans Ingo Schliwienski, gerne hören. Denn Schliwienski besitzt seit seiner Studienzeit den Lkw-Führerschein und fährt, wie er erzählt, auch gerne mal selbst eine Tour mit dem Scania.

In Münster angekommen, kämpft sich Thomas durchs Radfahrer-Gewimmel. Die Geschäftsstelle sitzt gemeinsam mit dem Ortsverband Münster in der Speicherstadt, einem schön restaurierten ehemaligen Heeres­ver­pfle­gungs­amt. Mit dem Gabelstapler lädt ein Kollege aus der Geschäftsstelle mehrere Paletten mit Zeltgestängen und Planen ab. Noch schnell eine Kaffee­pause in der Unterkunft, dann rollt der Blaulicht-Sattelzug weiter ins Sauerland. 

Job-Check

Arbeitgeber
Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Landesverband Nordrhein-Westfalen
Talburgstraße 52–54, 42579 Heiligenhaus

Einstiegsqualifikation
Abgeschlossene Berufsausbildung, B/C/CE-Führerschein (D wünschenswert)

Aufstiegsmöglichkeiten
Wechsel in den Verwaltungsbereich möglich

Fuhrpark
1 MAN Lion’s Coach, 1 Scania R 470 mit Schwarzmüller-Auflieger, 1 Sprinter, 5 Pkw

Arbeitsbedingungen
Gleitzeit; kein Digi-Tacho, aber Orientierung an Lenk- und Ruhezeiten; Hochsaison von April bis November wegen Übungen

Bezahlung
Tariflohn TVöD plus Kraftfahrerpauschale

Positiv
Viel Abwechslung, Teamwork, sicherer Arbeitsplatz, Weiterqualifizierung

Negativ
Viel Wochenendarbeit und lange Arbeitstage bei Einsätzen und Übungen

Ehrenamt Kraftfahrer

Das THW umfasst 80.000 ehrenamtliche und nur knapp über 1.000 hauptamtliche Mitarbeiter. Am Steuer der etwa 8.400 Einsatzfahrzeuge – darunter 2.909 Lkw über 7,5 Tonnen – sitzen also vor allem ehrenamtliche Kraftfahrer. Sie absolvieren zusätzlich zum Fahrschulunterricht eine THW-interne Ausbildung. Diese umfasst zum Beispiel das Fahren mit Sondersignal, den Marsch im geschlossenen Verband, das Fahren im Gelände und die Bedienung der Seilwinde. Der ultramarinblaue THW-Fuhrpark ist äußerst vielfältig und durch die lange Nutzungsdauer teils ziemlich betagt.

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 02/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

Foto

Thomas Kueppers

Datum

18. Januar 2017
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