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Truck-Job Rundholz-Fahrer: Unterwegs mit zwei Berufen

Sarah Schmid ist Berufschauffeurin. Drei Tage in der Woche fährt sie einen ganz besonderen Sattelzug mit einem um 180 Grad faltbaren Rundholzauflieger. An den restlichen zwei Tagen arbeitet sie im Malerbetrieb ihres Vaters mit.

Ein eigenartig beladener Scania R 500 Topline nähert sich dem Kreisverkehr beim Bahnhof Landquart. Auf der Zweiachszugmaschine ragen auf einem kurzen Rahmen drei Achsen mit mächtigen Reifen der Größe 385/65 R 22,5 nach oben. Am Lenkrad sitzt eine junge Frau, die jetzt in den Kreisel einbiegt. Es ist Sarah Schmid (27), ausgebildete Chauffeurin. Der Scania gehört der Schilliger Holz AG im Weiler Haltikon bei Küssnacht am Rigi.

"Die Kollegen schauen schon, wenn sie diesen Lastwagen sehen", sagt Sarah lachend. Noch mehr staunen sie, wenn die junge Frau aus der Kabine steigt, Handschuhe anlegt und sich an einem Steuerkasten mit sechs Hebeln zu schaffen macht. Zuerst fahren zwei Sattelstützen am Lkw-Heck auf den Boden, dann hebt sich der Rahmen mit dem Dreiachsaggregat, beschreibt einen Bogen und senkt sich schließlich auf die Fahrbahn. Nun hebt Sarah die Sattelstützen an und fährt mit dem Griff an einen anderen Hebel das nun zum Auflieger gewordene Gefährt rückwärts. "Der Königszapfen ist verschiebbar und schafft so den nötigen Abstand des Aufliegers zur Kabine", erklärt die Chauffeurin. Mit weiteren Hebeln stellt sie die vier Rungenpaare aufrecht, überprüft alle Einstellungen und Arretierungen, und der Scania mit dem "Faltauflieger" ist fahr- sowie ladebereit.

Lastwagen schon in Kindertagen

Wie kommt ein Mädel wie Sarah auf den Gedanken, nach dem Schulabschluss Lastwagenchauffeurin zu lernen? Ein sogenannter Frauenberuf oder Malerin wäre doch näher gelegen. "Ich bin in Weggis an der Kantonsstrasse aufgewachsen, und da sind oft große Lastwagen bei uns vorbeigefahren. Die haben mich begeistert, und da wollte ich Lastwagenfahren lernen. Die Eltern mussten sich zuerst daran gewöhnen, haben sich aber schnell auch begeistern lassen und unterstützen mich dabei bis heute." Und so hat sie mit 17 Jahren ihre Chauffeursausbildung begonnen: "Ich habe eine sehr gute Ausbildung gehabt – mit verschiedenen Lastwagen und auch in der Werkstatt." Später hat Sarah bei Schilliger Holz angefangen und viel Freude an der Arbeit gehabt. Doch da ihr Vater einen Malerbetrieb betreibt, hat sie gekündigt und das Malerhandwerk gelernt. "Vor einem halben Jahr habe ich wieder bei Schilliger Holz angefangen. Man hat mir ermöglicht, zu 60 Prozent als Chauffeurin zu arbeiten. Zu 40 Prozent arbeite ich beim Vater im Betrieb."

Ihrem fahrerischen Können tut das keinen Abbruch. Das zeigt sich während der Fahrt auf dem Weg zum Ladeort an einem Waldrand bei Domat-Ems. In engen Kurven neigt sich der Lkw stark zur Seite: "Das ist gewöhnungsbedürftig, denn du hast ja den fünfeinhalb Tonnen schweren Auflieger geladen." Der bietet aber auf der verschneiten Forststraße auch einen Vorteil: "Mit dem Gewicht auf der Antriebsachse fährt sich’s selbst hier schön", strahlt Sarah und hält hinter ihrem Kollegen Stefan Brennwald (27) mit seinem Volvo FH 500 an. Dieser hat den Kurzholzanhänger ebenfalls aufgeladen und damit gute Traktion. Zusätzlich hat er den für die Beladung notwendigen Kran.

Schneeketten gehören zum Handwerkszeug

Sarah schwenkt das Heck des Faltaufliegers auf den Boden und legt Schneeketten unter die nun wenig belasteten Antriebsräder, um sicher vorrücken zu können. Wer im Winter in den Schweizer Alpen und gar dort in den Wäldern Holz fährt, kennt sich mit Ketten aus – auch Sarah und Stefan. Während Stefan mit dem Kran den vorderen Hub Rundholz lädt, richtet Sarah schon die Zurrgurte. Zügig belädt Stefan den neun Meter langen "Faltauf­lieger" mit den fünf Meter langen Stämmen.

Sarah arbeitet gern bei Schilliger Holz: "Da hast du ein sehr gutes Arbeitsklima und kannst deine Fahrzeiten einhalten. Die Chefs sind sehr hilfsbereit und packen selbst, wo immer nötig, mit an oder laden Lkw vor. Und dann bin ich jeden Abend daheim." Hinzu kommt, dass die Arbeit sehr abwechslungsreich ist. Das Unternehmen hat mehrere Standorte (Haltikon und Perlen in der Zentralschweiz sowie Volgelsheim im Elsass) und rund 300 Beschäftigte. 

15 Sattelschlepper im Fuhrpark

Der Fuhrpark zählt 15 Sattelschlepper, fünf Lkw mit Kran, drei davon mit verladbaren Kurzholzanhängern, und einen Langholzzug. Hinzu kommen Spezialauflieger mit Schubboden, ausziehbare Auflieger mit Rungen sowie Planenfahrzeuge. Sarah fährt neben Rundholz im Faltauflieger auch Späne oder Hackschnitzel im Schubbodenauflieger. "Die Arbeit im Holztransport gefällt mir sehr gut. Du hast interessante Fahrzeuge und Einsätze und bist viel in der freien Natur. Holz ist ein lebendiger Stoff", sagt sie. Schilliger setzt vor allem Scania und Volvo ein, doch gibt es auch MAN und einen Renault Trucks T 520. "Den Scania fahre ich sehr gern, trotzdem ist mir der Volvo am liebsten", berichtet Sarah. "Aber ich stelle mich auf jede Marke ein."

Und wie ist das Verhältnis zu den Männern, den Chauffeuren? "Das ist sehr kollegial und freundschaftlich. Allerdings wollte ich nicht im internationalen Fernverkehr fahren. Das ist vielleicht doch eher etwas für Männer. Abends stehst du irgendwo auf einem Parkplatz." Da fühlt sie sich daheim doch wohler. Bei Schilliger Holz hat sie noch Zeit für Sport und Gymnastik. Hinzu kommt, dass sie bei Schilliger Holz auf Verständnis gestoßen ist, als es darum ging, im elterlichen Familienbetrieb mitzuarbeiten. So kann sie als zweites berufliches Standbein Vater und Bruder unterstützen. "Die Möglichkeit, beides zu tun, Lastwagen zu fahren und die Malerarbeit auszuüben, ist großartig."

Job-Check

Arbeitgeber
Schilliger Holz AG
Haltikon 33
CH-6403 Küssnacht

Einstiegsqualifikation
CE-Führerschein, gute Fahrpraxis

Fuhrpark
15 Sattelzugmaschinen, 5 Hängerzüge (3 mit kranverladbarem Kurzholzanhänger), 1 Langholzzug, Kurzholzanhänger, Schubbodenfahrzeuge, ausziehbare Rungenauflieger, Planensattel, Faltauflieger für Kurz-/Langholz)

Fahrzeug
Scania R 500 4x2 Topline mit Mobas-Faltauflieger

Arbeitsbedingungen
Tagestouren, Mo. – Fr., nationaler Einsatz mit Schubboden, Planensattel oder Forsteinsatz mit Faltauflieger

Bezahlung
Monatslohn

Positiv
Viel Abwechslung, viel in der Natur, Kontakt zu Kollegen und Kunden, Betrieb nimmt Rücksicht auf väterlichen Malerbetrieb (60 % Chauffeurin, 40 % Malerin)

Negativ
Im Winter häufig Schneeketten auflegen. Sarah: "Mit einer positiven Einstellung ist nichts negativ, höchstens umständlich"

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 04/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Gerlach Fronemann

Datum

11. März 2016
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