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Truck-Job Betonpumpen-Maschinist: Eine Runde pumpen gehen

Zum Pumpen treibt es Willi Tuden­höfner nicht an die Hantelbank im Fitnessstudio, sondern auf die Baustelle – er arbeitet nämlich als  Betonpumpenmaschinist. 

Aus über 50 Meter Höhe betrachtet, sieht das Arbeitsgerät von Willi Tudenhöfner aus wie ein kleines Spielzeugmodell. Dabei handelt es sich um einen ganz schönen Brocken. "Von so weit oben hab’ ich sie jetzt auch noch nicht gesehen, das ist eine Premiere", lacht der erfahrene Maschinist beim schwindelerregenden Blick über das Baugeländer in die Tiefe.

"Sie" ist eine 54-5-Autobetonpumpe von Putzmeister auf einem Mercedes-Benz Arocs 5051 und 48 Tonnen schwer. Mit ihr ist Willi für seinen Arbeitgeber, die Transport­beton Göppingen GmbH, in ganz Baden-Württemberg unterwegs. Die heutige Betonage, so der Fachbegriff, führt ihn aber nur ein paar Kilometer Luftlinie weg vom Betonwerk, ans andere Ende der Stadt. Schuler Pressen, ein alteingesessenes Göppinger Industrieunternehmen, baut ein neues Technologiezentrum und der Baustellenleiter hat bei Willis Chef Hartmut Kehrer Pumpe samt Beton für das letzte Stockwerk geordert. 

Pumpe reicht 54 Meter weit

Der Einsatz beginnt auf dem Hof, wo Willi den 800-Liter-Wassertank volllaufen lässt und währenddessen eine Abfahrtskontrolle macht. Dann geht’s los zur Baustelle. "Da das Fahrzeug das Gesamtgewicht von 48 Tonnen nicht überschreitet, brauchen wir keine Sondergenehmigung zum Fahren auf der Straße", erklärt Prokurist Kehrer. "Wenn man eine noch größere Pumpe will, die Putzmeister ebenso anbietet, muss man ständig in diesen sauren Apfel beißen, aber das lohnt sich für uns nicht. Ich denke, mit knapp 54 Meter Reichhöhe kommen wir weit genug." 

Wie verfahren wird, wenn es mit der Auslage doch mal knapper hergeht, zeigt sich später. Doch jetzt lenkt Willi den Fünfachser erst mal  in Position. Auf der Beifahrerseite liegt allerhand Baumaterial herum. Da müssen die Arbeiter Platz schaffen. Zielsicher bestimmt Willi verschiedene Dinge, die weg müssen. Er weiß genau, wo die Heckstütze der Pumpe landet, wenn er sie ausklappt. "Das habe ich nach 16 Jahren pumpen im Gespür", beschreibt er. Beim Aufbau muss der Pum­pen­maschi­nist die Gesamtsituation erfassen: Wo liegt die Hauptlast? In welche Richtung zeigt der Mast? Wie ist der Untergrund? Das A und O ist der sichere Stand des Fahrzeugs. Inzwischen gibt es zwar einen Bordcomputer, der nicht nur meckert, wenn die Pumpe nicht ausnivelliert ist, sondern gleich die Inbetriebnahme verweigert, aber Willi betont: "Umfallen sehen will dieses Ding keiner und das ist meine Verantwortung. Da diskutier ich nicht lange, wenn für mich der Standplatz nicht hundertprozentig passt."

Basis auf 130 Quadratmetern

Wenn es passt, nehmen die ausgeklappten Stützen fast 130 Quadratmeter Fläche ein und Willi verteilt Unterlagen und Kanthölzer. Dann schnallt er sich die Funkfernbedienung um und startet über den Nebenabtrieb des brummelnden 510-PS-Arocs das "Entfalten". Er stellt das Armbündel aber nur ein bisschen auf, damit er alles noch mal in Augenschein nehmen und überprüfen kann. Das erste Schlauchsegment schließt Willi auch noch am Boden an. Das schwarze Stück Gummi ist schwer und störrisch, der Job verlangt einem auch körperlich etwas ab. Der Polier packt mit an, die Verbindungsschellen werden festgeschraubt und ab geht’s nach oben. Zumindest für den Ausleger. Langsam falten sich die fünf Arme auseinander, bis sie knapp 54 Meter in den Himmel ragen. Behutsam bedient Willi die Joysticks für das Drehen und Schwenken des Masts: nicht ans Gebäude stoßen und immer schön dem Baukran aus dem Weg gehen.

Als Nächstes spült der Maschinist den Trichter für den Beton am Heck der Pumpe mit Wasser durch und nebelt die ganze Fördermechanik mit einem Ölgemisch ein: "So haftet der Beton nicht an und ich kann nachher leichter reinigen." Jetzt ist unten alles vorbereitet und auch Willi macht sich auf den Weg nach oben, sportliche elf Stockwerke, einen Aufzug gibt es selbstverständlich noch nicht.

Bei großen Höhen mit zusätzlicher Schlauchleitung

"Das Ende der Pumpe lugt nur knapp über die Brüstung, ich kann den Mast also nicht wie gewohnt hin und her führen. Deshalb arbeiten wir heute mit einer Schlauchleitung", beschreibt Willi. Während die Arbeiter die Leitung zusammenbauen, kommt unten der erste Fahrmischer an und füllt zum ersten Mal den Trichter. Ein Rührwerk unter dem Gitter schaufelt das Gemisch aus Wasser, Zement und Zusatzstoffen vor die beiden großen hydraulischen Förderzylinder, die gegenläufig arbeiten und im Wechsel, markiert durch ein dumpfes Knallen, den Beton ansaugen und in der Leitung aufwärts drücken. Wichtig ist, dass alles schön gleichmäßig vonstattengeht, die Pumpe keinen Leerlauf hat und Luft einsaugt, denn das bringt Unruhe ins System und den Mast. Mit den Kollegen, die die Mischer fahren, "kommuniziert" Willi via Hupe, die er von der Fernbedienung aus betätigen kann, und so antworten sie ihm auch. "In unserer Firma kennen sich alle recht gut mit den Pumpen aus und wissen, was zu tun ist. Aber sie können ja nicht hier raufgucken." Teamwork und gut aufeinander achtgeben gehört auch zum Job. 

168 Kubikmeter Beton fließen durch die Rohre

Während die ersten von später insgesamt 168 Kubikmeter Beton aus dem Schlauch quillen und die Arbeiter sie verteilen und rütteln, hat Willi im Wechsel die Pumpe, die Männer und sein Display im Blick. Die Hochleistungspumpe kann 130 bar Förderdruck anbieten und hätte damit theoretisch fast die ganze Betonage in einer Stunde gemacht. Aber so schnell kommen Menschen und Betonmischer nicht nach, darum arbeitet Willi etwa im mittleren Leistungsbereich. Die Technik der Pumpen lernen angehende Maschinisten übrigens direkt bei Putzmeister kennen, wo sie einen Lehrgang mit Zertifizierung durch eine Prüforganisation absolvieren. Das ist bei Transportbeton Göppingen obligatorisch. "Der Pumpenmaschinist muss sich aber auch gut mit den verschiedenen Betonen auskennen", beschreibt Chef Kehrer einen Aspekt des Jobs. "Hier zum Beispiel verwenden wir Hochleistungsbeton und der hat kürzere Verarbeitungszeiten."

Nach Abschluss der Betonage ist eine kurze Vorreinigung angesagt. Dann faltet Willi die Mastarme wieder komplett ein, wobei er darauf achtet, dass sie sich richtig sortieren, Arm C und Arm B könnten sich verheddern.  Es gibt dafür zwar eine Automatikfunktion, aber die braucht Platz und den hat es hier nicht. Das ausführliche Spülen der ganzen Mechanik macht Willi heute auf dem Werksgelände. Ist er weiter weg im Einsatz, muss er dazu ein fremdes Betonwerk ansteuern.

Mit 15.000 bis 20.000 Kilometern pro Jahr hat Willi zwar nicht so viel Fahrleistung, aber ein hochtechnisches Gefährt für fast 700.000 Euro und verantwortungsvolle Aufgaben, die damit zusammenhängen. Das klingt doch durchaus nach einem spannenden Job.

Job-Check

Arbeitgeber
Transportbeton Göppingen GmbH & Co. KG/ Betonpumpendienst Schwaben
Heilbronner Str. 15/4, 73037 Göppingen
www.transportbeton-gp.de

Einstiegsqualifikation
Lkw-Führerschein, Erfahrung im Baugewerbe von Vorteil, Praktikum o. Probearbeiten

Aufstiegsmöglichkeiten
Lehrgang zum Betonpumpenmaschinist mit Zertifikat obligatorisch

Fuhrpark
11 Fahrmischer (4-Achser, MAN, Mercedes-Benz) und 8 Betonpumpen (Auslagen von 20 Meter bis 54 Meter)

Arbeitsbedingungen
Arbeitszeiten flexibel je nach Auftrag, in der Regel Tagschichten, Nachtbetonage selten, mehrtägige Einsätze auswärts möglich

Bezahlung
Nach Betriebszugehörigkeit, versch. Zulagen

Positiv
Anspruchsvolle Tätigkeit mit komplexer Technik, Eigenverantwortung, Einsätze im Nahbereich 

Negativ
Wenig Kilometerleistung, körperliche Anstrengung, Schmutz, Mehrarbeit im Sommer (Stundenabbau im Winter) 

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

7. September 2016
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